Die Komfortzone zu verlassen, fällt den meisten schwer. Für Alea Erb ist dieses Unterfangen gar eine Ehre. Die 21-Jährige steht im Aufgebot der ZSC-Frauen für das Europacup-Halbfinalturnier in Bad Tölz vom kommenden Wochenende (siehe Box). Nach ihrer Rückkehr aus Reinach zu ihrem Stammverein im Jahr 2011 schien das internationale Kapitel für die Dietikerin beendet. Denn die U18-WM-Teilnehmerin von 2009 spielte nicht mehr in der Leistungsklasse A, sondern in der zweithöchsten Liga bei den GCK Lions.

Wunsch nach Verantwortung

«Nachdem ich bei Reinach nicht mehr gespielt hatte, wollte ich zu einem Team wechseln, wo ich Verantwortung übernehmen kann», erklärt der 1,52 Meter grosse Powerflügel, der seinen Lebensmittelpunkt der Liebe wegen nach Winterthur verlegt hat. Die Chance, sich auf höchstem Vereinsniveau zu präsentieren, habe sie überrascht.

Die Gründe dafür sieht die bescheidene Limmattalerin weniger in ihren Leistungen, als in ihrer Bereitschaft, bei Personalengpässen im A-Team einzuspringen sowie von Verletzungsausfällen zu profitieren.

ZSC-Trainerin Daniela Diaz erwähnte diese Aspekte ebenfalls, streicht aber auch die Entwicklung Erbs heraus. «Sie hat gut gearbeitet und sich weiterentwickelt. Ihr Einsatz stimmt immer.» Gerade an einem Turnier nicht weniger wichtig sind die sozialen Skills der Malerin: Erb akzeptiert nicht nur klaglos, wenn sie nicht eingesetzt wird, sie motiviert ihre Teamkolleginnen lautstark auf der Bank. «Das ist meine Art», erklärt die Teamplayerin.

Komfortzone nicht ganz verlassen

Als Chance auf eine Neulancierung ihrer Karriere sieht Erb das Aufgebot nicht. «Ich geniesse es, wie es kommt», sagt sie zunächst. Im weiteren Gespräch wird klar: Sie will die Komfortzone doch nicht ganz verlassen. «Es gefällt mir im B, ich bin Captain der Mannschaft.»

Das letzte Wort sei in dieser Angelegenheit aber noch nicht gesprochen, Erb sitze noch mit Trainerin Diaz zusammen. Diese sagt, das Aufgebot für das Halbfinalturnier sei nicht dazu da, Erb «zu kitzeln», sondern als Dank für deren Bereitschaft und Loyalität zu werten.

Das ist keine schlechte Art, Dankbarkeit zu zeigen.