Eishockey
Wie Dani Hüni und der EHC Urdorf sich durch den Dschungel kämpften

Am Donnerstag nehmen die Mannschaft des EHC Urdorf und Trainer Dani Hüni Abschied voneinander nach vier Jahren, die in einer intensiven vergangenen Spielzeit gegipfelt haben. Zeit für einen Rückblick mit einem Grossmeister der Symbolik.

Raphael Biermayr
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Immer mit Leidenschaft bei der Sache: Trainer Dani Hüni (h.).

Immer mit Leidenschaft bei der Sache: Trainer Dani Hüni (h.).

Ob im Sieg oder in der Niederlage, ob die Situation gerade passt oder nicht: Telefonate und Gespräche mit Dani Hüni nehmen Zeit in Anspruch.

Hünis Hang zu Symbolen

Dani Hüni wird in Urdorf nicht nur wegen des Erfolgs in Erinnerung bleiben. Sein Markenzeichen ist die Symbolik, für die er teamintern nicht immer die von ihm erhoffte Ernsthaftigkeit erntete. Das macht das Unterfangen nicht weniger sympathisch. Nachfolgend einige Schmankerl.

Bruchlandung In seiner zweiten Saison organisiert Hüni einen Vortrag von einem Swiss-Piloten mit Astronautenausbildung zum Thema Apollo 11 und kleidet die Kabine mit passenden Fotos aus. Die Idee: Die Mondlandung bei erschwerten Bedingungen stellt ein Symbol für die zusätzliche Herausforderung nach Erreichen der Finalrunde dar. Das Ergebnis: Die Urdorfer verpassen den Aufstieg wegen einer Niederlage gegen Seewen. Sie rücken allerdings später am grünen Tisch nach.

Bande von Brüdern Nach dem Aufstieg findet Hüni sein Thema in der amerikanischen Kriegsserie «Band of Brothers». Die Idee: Das Beschwören der Einheit setzt Glauben und Kräfte frei. Das Ergebnis: Die Urdorfer sichern sich dank eines starken Kollektivs den Ligaerhalt.

Blutsbrüder In Bellinzona trägt Hüni ein Trikot der Chicago Blackhawks. Die Idee: Indianer stehen für den Zusammenhalt im Kampf gegen überlegene Mächte. Solange man siegt, will «Häuptling Hüni» das Trikot tragen. Das Ergebnis: Urdorf feiert im Tessin den ersten Saisonsieg. Nach dem folgenden Spiel ist der Indianer bereits Geschichte. (bier)

Die Unterhaltungen laufen fast ausnahmslos nach demselben Muster ab: Zuerst folgt lockeres Geplauder, bevor der Trainer sein Gegenüber eins zu eins an seinen Gedanken teilhaben lässt, unterbrochen nur von «aber das ist nicht für die Zeitung gedacht» oder «ich weiss gar nicht, ob das von Interesse ist».

Der erfolgreichste Trainer

Nach vier Jahren verlässt Dani Hüni den EHC Urdorf. Der 47-Jährige hat im vergangenen Jahr geheiratet und will eine Familie gründen, für die der auch im Beruf Vielbeschäftigte die gebührende Zeit haben will. Hüni geht mit der Gewissheit, der erfolgreichste Urdorf-Trainer seit der Stunde null - Teamrückzug im Jahr 1999, Wiederbeginn in der 4. Liga im Jahr 2000 - zu sein.

Nach der zweiten Saison in der 3. Liga eröffnete sich 2011 überraschend die Möglichkeit, in die 2. Liga aufzusteigen. Fünf Teams vor den Urdorfern verzichteten entweder auf die Promotion oder durften nicht hoch. Nach einer berauschenden ersten 2.-Liga-Saison folgte in der vergangenen Spielzeit die Bewährungsprobe, die das Team über den Umweg in der Abstiegsrunde schliesslich bestand.

Leiden in der letzten Saison

Der wochenlange Misserfolg ging Hüni nah. Er kämpfte damit, gehört und ernst genommen zu werden. Seine nette Art kontrastierte zur Situation. Im Verein selbst wurden (hinter vorgehaltener Hand) Stimmen laut, die seine Qualitäten infrage stellten, als Motivator und als Eishockeylehrer. Das Fachmännische allerdings wurde von Spielern auch im kleinen Kreis nicht angezweifelt.

Der Zweifler Hüni hinterfragte und hinterfragte dennoch. Und er fragte sich selbst und im Gespräch indirekt sein Gegenüber, was er tun kann. In solchen Unterhaltungen lacht er immer gern.

Angeschlagene Gesundheit

Man sieht, wenn die Situation an ihm nagt. Hüni ist manchmal gefangen im Dilemma, einerseits keine Schwäche zeigen zu wollen und andererseits dankbar dafür zu sein, wenn ihm eine Entscheidung abgenommen wird. So haben es Menschen aus dem Staff in der vergangenen Saison erlebt. Seine emotionale Verbundenheit mit dem Team war extrem.

Wenn er sagt, dass er die Situation bei möglichen späteren Engagements nicht mehr so nah an sich heranlassen will, fällt es schwer, sich die Umsetzung vorzustellen. Es ging so weit, dass sogar seine Gesundheit darunter litt. Stress und immerwährend kreisende Gedanken zeitigten ihren Tribut.

Grossartige Sätze

Hüni und Co-Trainer Thomas Heldner tauschten in fünf von sechs Abstiegsrundenpartien die Rollen. Hüni bekundete, kein Problem damit zu haben. Man konnte es als Befreiung deuten. Eindeutig befreiend war der Sieg auch im letzten Match in St. Gallen, als Hüni ein letztes Mal als Chef an der Bande stand.

Im Telefonat danach plätschern die Eindrücke nur so aus dem Hörer. Es sind auf herrliche Weise wirre, ehrliche Sätze: «Diese Saison kennt kein Drehbuch»; «Diese Geschichte wurde noch nie geschrieben - und wenn, dann vielleicht in Indien»; «Diese Mannschaft ist wahnsinnig»; «Es war wie in ‹gute Zeiten, schlechte Zeiten›»; «Die Jungs stehen in extremis zusammen zu einer Einheit»; «Ein anderer Trainer wäre nach so vielen Niederlagen längst weg gewesen. Diese Mannschaft holt dich auch aus dem tiefsten Keller heraus».

Ein Teil der Mannschaft

Hüni ist kein Trainer, der von der Kanzel zum Team predigt. Einerseits ist das seinem Charakter geschuldet, andererseits seinem Standing: 2010 wurde er - nach dem Abstieg mit den Limmattal Wings - von einer aus Spielern zusammengesetzten Findungskommission für den EHCU verpflichtet.

Er war so von Anfang an Teil des Teams. «Ich bin überzeugt davon, im richtigen Moment gekommen zu sein und im richtigen Moment zu gehen», sagt Hüni.

Ein Weg durch Fettnäpfchen

Wenn der sich am liebsten in Bildern, Filmtiteln und Schlagwörtern ausdrückende Trainer nach einer Überschrift für die vergangene Spielzeit gefragt wird, sagt er: «Legenden der Leidenschaft», und lacht heraus, bevor er korrigiert: «Rumble in the Jungle».

Wegen des gloriosen Comeback-Kampfs von Muhammad Ali, ist der erste Gedanke. Doch Hüni erklärt: «Es gibt einen Film mit diesem Titel, eine Abenteuerkomödie. Da geht es darum, dass die Helden von einem Fettnäpfchen ins andere treten - und am Ende wird alles gut.» Worte eines Dschungelkönigs.