Faustball
Wie aus Simone Estermann Simone Eicher wurde

Am Sonntag starten die Schlieremer NLA-Frauen in die Saison. Zuletzt musste der achtfache Schweizer Feld-Meister sportlich untendurch. Simone Eicher über die Herausforderungen, die nicht verdienten Millionen und ihren Namenswechsel.

Rainer Sommerhalder
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Simone Eicher auf dem Faustballplatz in Schlieren – ihrer zweiten Heimat.

Simone Eicher auf dem Faustballplatz in Schlieren – ihrer zweiten Heimat.

Rainer Sommerhalder

Simone Estermann ist im Schweizer Faustball eine Marke. Wieso findet man keine Simone Estermann mehr auf der Kaderliste des Faustballclubs Schlieren?

Simone Eicher: Weil ich Ende März geheiratet habe.

Sie hätten Ihren Namen behalten können!

Ja, das hätte ich tun können. Wir haben aber entschieden, dass wir, wenn wir heiraten, auch gleich heissen wollen. Und bei Eicher gegen Estermann war eigentlich klar, welcher Name gewinnt.

Wieso?

Eicher ist schliesslich auch eine Marke im Schweizer Faustball und kürzer. Aber immerhin sind meine Initialen gleich geblieben.

Ihr Mann ist also auch Faustballer?

Er war ebenfalls lange in der Nationalmannschaft und hat sogar noch einige Länderspiele mehr bestritten als ich.

Dann hat es während eines Länderspiels gefunkt?

Nein, 2005 am deutschen Turnfest in Berlin, das ich mit der Frauen-Mannschaft seines Vereins bestritt. Gekannt haben wir uns schon ewig, aber dort haben wir uns ein wenig besser kennen gelernt und gemerkt, dass wir uns gegenseitig ganz interessant finden.

Was hat mit der Heirat ausser dem Namen für Sie noch geändert?

Bis jetzt eigentlich nichts (lacht). Einen neuen Namen zu haben, ist schon genug schwierig.

Im Oktober geht es auf Hochzeitsreise. Wohin?

Nach Costa Rica.

Perfekt getimt zwischen Sommer- und Wintermeisterschaft! Bewusst?

Ja. Während der Saison wäre es für beide ein Stress gewesen.

Welche Frage stellen Ihnen Ihre Mitspielerinnen derzeit am häufigsten?

Ob ich schwanger bin.

Und sind Sie es?

Nein, mein Bäuchlein ist angegessen.

Würde eine Schwangerschaft das Ende Ihrer Faustball-Karriere bedeuten?

Kommt darauf an, wie man Karriere genau definiert. Etwas zurückstecken würde ich schon, aber nicht komplett aufhören.

Ihr Vereinspräsident hat Sie als Jahrhunderttalent bezeichnet. Sind Sie die beste Schweizer Faustballerin aller Zeiten?

Nein, das sehe ich nicht so. Ich bin eine der besten, aber nicht die beste. Es gibt zum Beispiel noch Irène Schönenberger, deren Karriere ziemlich parallel mit meiner verlief. Wir haben alle Erfolge der Schweizer Nationalmannschaft gemeinsam gefeiert.

Sie können in Ihrer Sportart noch so gut sein, ein Sportstar werden Sie in der Öffentlichkeit nie!

Nein, aber das ist okay so.

Es stört Sie nicht?

Nein, dazu hätte ich die Sportart wechseln müssen.

In einer anderen Disziplin könnten Sie mit so viel Talent inzwischen Millionärin sein!

Könnte ich, aber ich weiss nicht, ob ich dann glücklicher wäre. Ich glaube nicht, dass ich es schätzen würde, wenn ich kaum mehr einen Schritt tun könnte, ohne dass mich Journalisten verfolgten.

Sie investieren unglaublich viel in diesen Sport, engagieren sich im Verein, im Nationalteam und im Verband. Was ist Ihr Lohn dafür?

Ich habe sehr viele Kollegen gefunden. Meine besten Freunde kommen aus dem Faustball. Es ist sehr familiär und ich fühle mich total wohl. Ich verbinde extrem viele schöne Erlebnisse mit dem Faustball.

Wird Simone Eicher nochmals Schweizer Meisterin?

Das wäre schön. Ich kann es so nicht versprechen, derzeit haben wir sportlich eher eine schwierige Phase. Aber von hinten angreifen ist einfacher, es ist alles möglich.

Sie trauen es dem Team zu?

Wenn wir unser Potenzial abrufen und Konstanz hinbringen, dann können wir um den Titel mitspielen. Moment schaffen wir es noch nicht ganz.

Welches waren die emotionalen Highlights Ihrer Karriere?

Natürlich der Weltmeistertitel, das war absolut grossartig. Aber auch der EM-Titel zu Hause war emotional ein extremes Ereignis. Die Momente, in denen wir mit einer guten Mannschaftsleistung unser Potenzial voll und ganz abrufen konnten, bleiben am längsten haften. Solche Erlebnisse kann mir niemand nehmen.

Gibt es noch Ziele in der Karriere? Sie haben ja schon alles gewonnen!

Eben dieser Schweizer-Meister-Titel mit Schlieren (lacht).

Gibt es einen Fahrplan, wie lange die Karriere noch dauern wird?

Nein, das hängt auch von Faktoren ab, die ich nicht alle beeinflussen kann. Solange ich mich in der Mannschaft und im Verein wohlfühle, werde ich diese Zeit investieren. Wenn es einmal für mich nicht mehr stimmen sollte, werde ich auch den langen Anfahrtsweg nicht mehr auf mich nehmen. Einen Zeitplan will ich aber sicher nicht festlegen.

Aber alle fürchten die Zeit nach Simone Eicher. Wird Frauen-Faustball in Schlieren Sie überleben?

Es gibt ja hier auch junge Spielerinnen. Die müssen dann halt in die Bresche springen. Es schadet ja nichts, wenn auch andere Verantwortung übernehmen.

Sie hegen keine Befürchtungen?

Es ist dann halt einfach anders ohne mich. Es muss nicht besser und nicht schlechter sein.

Welche Ziele gibt es in Ihrem Leben?

Ich bin nicht ein Mensch, der sich extrem viele Ziele vornimmt. Meine Lebenspläne gehen eh nie auf, ich bin inzwischen diesbezüglich flexibel geworden. Irgendwann ist sicher eine Familie ein Thema (lacht) – aber nicht gerade heute oder morgen. Ich muss im Leben einfach immer ein wenig eine Herausforderung haben.

Wie würden Sie sich charakterisieren?

Ich bin ehrgeizig und auch ein wenig ungeduldig. Ich lebe gerne, habe es gerne gemütlich und bin unternehmungslustig.

Ungeduldig und gemütlich – passt das zusammen?

Doch, doch. Ich kann einfach nicht eine Woche lang am Strand liegen und nichts tun. Ich würde aber nicht sagen, dass ich deswegen ein ungemütlicher Mensch bin.