Curling
Weltmeisterlicher Empfang für die Goldmedaillengewinner

Glocken, Rasseln und Geklatsche: Kaum durch die Schleuse marschiert, werden die Curling-Weltmeisterinnen lautstark in der Ankunftshalle des Terminal 2 begrüsst.

Patrick Pensa
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Ein Blitzlichtgewitter prasselt auf die WM-Heldinnen nieder, während sie durch ein Besen-Spalier laufen. Familie, Freunde und Fans umarmen ihre glorreichen Heimkehrer. Eben erst gelandet, ringen die Athletinnen noch nach Worten.Carmen Schäfer sagt: «Jetzt realisiere ich erst, was wir erreicht haben.» Darauf wird sie von ihrem Bruder in die Arme genommen. Die Spielerinnen sind überwältigt vom Empfang. Schon während des Turniers hätten sie viele SMS erhalten und deshalb gewusst, dass einige Leute mitfiebern. Aber dass so viele Personen an den Flughafen kommen würden, hätten sie nicht erwartet.

Während sich die ganze Schweiz über den Erfolg freut, kann das Limmattal besonders stolz sein. Im Team von Skip Mirjam Ott waren nicht weniger als vier Akteure aus der Region vertreten.

Thomas Lips: Der Taktiker

Der Urdorfer Thomas Lips wechselte auf diese Saison hin als Coach zum Team Davos. Anfangs gab es noch Abstimmungsprobleme, deshalb misslang auch die EM-Qualifikation völlig. Ab Dezember hätten sie aber harmoniert und es sei immer besser geworden.

An der WM hat Lips zusammen mit Nationaltrainer Andreas Schwaller die Taktik zurechtgelegt. Besonders gegen Schweden eine Herausforderung. «Nach den Niederlagen in dieser Saison mussten wir etwas Neues ausprobieren», sagt Lips, der das Team im ersten Playoff-Spiel sehr offensiv spielen liess. Trotz Niederlage ein Erfolg, wie er sagt. «Die Leistung steht im Vordergrund und nicht das Resultat. Wir waren schon sehr nahe dran.»

Für den Final dann abermals ein Wechsel. «Wir wollten nicht mehr so aggressiv spielen, mehr abwartend und dann zuschlagen, wenn wir eine Chance haben. Zudem hat Sigrisson schon einmal in einem wichtigen Spiel gepatzt. Ich wusste, dass sie nervös sein wird», sagt der 42-Jährige. Tatsächlich ging die Taktik auf und die Fachpresse schrieb vom hochstehendsten Frauenfinal der Geschichte. Lips freute sich vor allem, dass seine Spielerinnen im Final ihr volles Potenzial ausschöpfen konnten.

Carmen Schäfer: Die Prophetin

«Ich wusste, dass Mirjam den letzten Stein macht», sagt Carmen Schäfer bestimmt. Im Final sei nicht alles perfekt gelaufen, aber sie hätten sich als Team super ergänzt. Zudem hätten sie sich von Beginn an in Kanada wohlgefühlt. Und ganz wichtig für die Curlerinnen: «Das Eis war gut.» Jetzt will Schäfer erst einmal ein bisschen sein und den Titel geniessen. Im Gegensatz zu ihren Teamkolleginnen hat sie vorgesorgt. Sie hat auch heute noch frei und kann sich in der Fahrweid von der Weltmeisterschaft erholen.

Alina Pätz: Die Beobachterin

So gut hat es Alina Pätz nicht. Die Studentin, die als Ersatzspielerin mit in Kanada war, muss heute bereits wieder die Schulbank drücken. Trotzdem: will sie WM nicht missen. «Ich konnte unheimlich profitieren, auch wenn ich nur einmal kurz gegen Tschechien auf dem Eis war», sagt die Urdorferin. Als Ersatzspielerin versuchte sie, alles Organisatorische für das Team zu erledigen, damit dieses sich auf das Spiel konzentrieren konnte. Die Partien sah sie von der Trainerbank aus. «Zusehen ist viel schlimmer, als selbst spielen», sagt die 22-Jährige, die in den nächsten Tagen vor hat, die Weltmeisterschaft der Männer in Basel zu besuchen.

Janine Greiner: Die Schreiende

Ebenfalls keinen freien Tag hat Janine Greiner aus der Fahrweid, die auf der ersten Position spielt. Sie kann noch nicht glauben, was das Team erreicht hat. «Erst wenn ich die Bilder sehe, wird mir unser Erfolg bewusst.» Wann im Turnier sie das erste Mal an einen Titel gedacht hat, kann sie nicht beantworten. «Es war so ein langes Turnier. Wir haben immer nur von Spiel zu Spiel geschaut.» Dass sie die Schwedinnen besiegen können, hat sie nie bezweifelt. «Ich wusste, dass wir mit einer guten Leistung eine Chance haben.» Auch in dem entscheidenden Moment vor Otts letztem Stein war sie sicher. «Die Nervosität war auf einmal weg. Ich wusste, dass uns Mirjam mindestens ins Zusatzend spielt», sagt sie. «Dann haben wir nur noch ‹gegeusst› und geschrien und sind uns in die Arme gefallen.» Greiner will jetzt die eisfreie Zeit geniessen und hofft, dass die Männer von dem Frauenerfolg angestachelt sind.

Das Team Davos wird sich in einem Monat zur Teamsitzung treffen. Dann werden die Weichen für die Zukunft gestellt. Fernziel sind die Olympischen Spiele 2014. Im Idealfall bleibt das Team in der gleichen Zusammenstellung und auch mit Coach Thomas Lips bestehen. Ganz im Sinne des Leitsatzes: «Never change a winning team.»