Curling

Weltmeisterin Carmen Schäfer: «Das Problem war nicht das Kleid»

Das Weltmeisterteam mit Janine Greiner (ganz links) und Carmen Schäfer (Mitte) sowie Alina Pätz aus Urdorf (Zweite von rechts), Mirjam Ott (Zweite von links) und Carmen Küng (ganz rechts) an den Sport Awards im vergangenen Dezember.

Das Weltmeisterteam mit Janine Greiner (ganz links) und Carmen Schäfer (Mitte) sowie Alina Pätz aus Urdorf (Zweite von rechts), Mirjam Ott (Zweite von links) und Carmen Küng (ganz rechts) an den Sport Awards im vergangenen Dezember.

Carmen Schäfer aus der Fahrweid und Janine Greiner aus Weiningen holten sich im vergangenen Jahr an der Weltmeisterschaft im kanadischen Lethbridge die Goldmedaille. Nun sprechen sie über die Olympische Spiele und «Stöggelischuhe».

Carmen Schäfer und Janine Greiner, wie sind Sie mit dem bisherigen Saisonverlauf zufrieden?

Carmen Schäfer: Wir wollten uns für die EM und die WM qualifizieren. An der EM waren wir, jetzt wollen wir noch an die WM.
Janine Greiner: Es war durchzogen – Gutes hat sich mit weniger Gutem abgewechselt. Wenn wir jetzt noch einen Endspurt hinlegen können, dann ist es gut.

An der EM resultierte für Sie als Weltmeisterinnen «nur» Rang5.

Schäfer: Klar hatten wir eine Medaille im Visier. Aber die fünf ersten Teams waren extrem eng beieinander. Zudem waren die Verhältnisse sehr schwierig, und das Quäntchen Glück, das man eben braucht für eine Medaille, hat uns auch gefehlt.
Greiner: Der fünfte Rang hat letztlich dem entsprochen, was wir gespielt haben. Für eine Medaille hätten wir deutlich besser sein müssen.

Inwiefern ist es ein anderes Gefühl, als amtierende Weltmeisterinnen aufzutreten?

Schäfer: Die Erwartungen an einen selber sind schon sehr hoch. Aber es ist auch ein schönes Gefühl. Und es kann ein Vorteil sein, weil der Titel den Gegnerinnen Respekt einflösst.
Greiner: Man spürt aber auch deutlich, dass sich alle extra Mühe geben, um gegen die Weltmeisterinnen zu gewinnen. Ich habe das vor der Saison nicht so krass erwartet.

Hat der historische WM-Titel aus dem Vorjahr in Kanada für Sie etwas verändert?

Schäfer: Reich geworden sind wir leider nicht. Ich komme gerade von der Arbeit. Aber sicher hatten wir unmittelbar vor und nach der WM mehr öffentliche Auftritte – das hat sich aber schnell wieder gelegt.
Greiner: Und ich komme gerade aus der Waschküche. Dass sich der Rummel gelegt hat, ist tipptopp für mich – mehr brauchte ich gar nicht.

Und vonseiten der Sponsoren?

Schäfer: Ein, zwei neue Engagements haben sich durch den WMTitel ergeben.

Könnten Sie es sich leisten, im Hinblick auf die Olympischen Spiele nächstes Jahr in Sotschi Vollprofi zu werden?

Greiner: Finanziell wäre dies wohl möglich. Wir haben aber untereinander abgemacht, dass das jede für sich entscheiden soll, sollten wir uns für Sotschi qualifizieren. Ich persönlich möchte auf jeden Fall anderthalb Tage pro Woche arbeiten.
Schäfer: Für mich ist die Arbeit im Büro auch ein wertvoller Ausgleich und eine Ablenkung vom Sport.

Wo steht eigentlich der WM-Pokal?

Schäfer: Wir haben einen Ring, einen Stein und eine Medaille für unseren WM-Titel erhalten. Den Pokal mussten wir nach der Siegerehrung wieder abgeben. Der wäre auch viel zu gross gewesen, um ihn ins Flugzeug zu nehmen.

Ist Sotschi schon ein Thema für Sie und Ihr Team?

Schäfer: Seit wir in Vancouver als vierte die Medaille knapp verpasst haben, ist Sotschi ein Thema für uns. Diese Olympiamedaille wollen wir noch abholen.
Greiner: Wir möchten uns natürlich gern schon im Frühling via Punkteliste fix für Sotschi qualifizieren.

Diesbezüglich sieht es gut aus.

Schäfer: Ja, im internen Punkteranking liegen wir klar vor Bern und Aarau. Sollten wir den Meistertitel gewinnen, sieht es sehr gut aus für uns mit der direkten Qualifikation.

Je nach dem müssten Sie allenfalls im Oktober noch Trials gegen eines der beiden genannten Teams bestreiten.

Schäfer: Ja, das ist möglich. Da wir die Trials auf sicher haben, werden wir uns aber nach der Beendigung der Saison im April so oder so auf die nächste Saison vorbereiten, als wäre Olympia fix. Unsere Planung hinsichtlich Topform ist ganz auf Februar 2014 ausgerichtet.

Vorher wollen Sie aber noch den Schweizer-Meister-Titel gewinnen?

Greiner: Auf jeden Fall, da ja nur der Schweizer Meister an die WM Mitte März nach Riga fahren darf. Und da wollen wir hin.

Am Wochenende steht der erste Teil der Swiss League in Schaffhausen an, eine Woche darauf der zweite in Wetzikon – sind Sie bereit?

Schäfer: Wir haben zwar seit der EM alle etwas gekränkelt, aber ich denke, das wird gut kommen. Die Saison läuft wie geplant.
Greiner: Wir werden es nach den ersten Steinen wissen.

Am Glynhill Ladies International in Glasgow haben sie am Wochenende die Viertelfinals verpasst, Flims hat das Turnier gewonnen. Was war los?

Schäfer: Wir haben die falsche Partie verloren. Dafür haben wir den Consolation Cup der Teams gewonnen, die sich nicht für die Viertelfinals qualifizieren konnten.
Greiner: Immerhin etwas.

Während Carmen Schäfer im letzten Spiel dieses Consolation Cup krank im Bett lag übernahmen Sie, Janine Greiner, wieder einmal die Rolle des Vize-Skip. Wie war das?

Greiner: Es ging ja um nichts mehr in diesem Spiel – aber es war lustig. Allerdings gehe ich gerne wieder wischen (Janine Greiner spielt auf der Position 1, Anm. d. Red.).

Anlässlich der Credit Suisse Sport Awards, wo Davos als Team des Jahres nominiert war, traten Sie für einmal im Abendkleid auf. Wie fühlen Sie sich in solch edler Robe?

Schäfer: Das Problem war nicht das Kleid, sondern die hohen Schuhe. In Turnschuhen und Jeans fühle ich mich wesentlich wohler. Aber wenn wir Olympiasieger werden, und noch einmal als Team des Jahres nominiert werden, ziehe ich die Schuhe und das lange Kleid gern wieder an.
Greiner: Geht mir ähnlich. Ein-, zweimal im Jahr finde ich es cool im Abendkleid. Sonst fühle ich mich in Jeans auch wohler. Für eine Olympiasiegesfeier würde ich mir aber sogar neue hohe Schuhe kaufen.

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