Wenn Roger Federer nicht gerade einen neuen Schläger testet, Serena Williams mit einem extravaganten Kleid den Centre-Court betritt oder Novak Djokovic in Wimbledon seine Schuhe wechseln muss, weil er unerlaubterweise Schuhe mit Noppen auf der Seite trug, ist die Ausrüstung der Tenniscracks kaum je ein Thema.

Doch die Materialauswahl ist ein wichtiger Bestandteil einer erfolgreichen Tenniskarriere, bei dem viele Fehler begangen werden können. Der Spieler muss sich viele Fragen stellen, zum Beispiel: Worauf soll bei der Schuhauswahl geachtet werden? Soll das Racket kopf- oder grifflastig sein? Wie hart wird der Schläger bespannt und mit welcher Saite? Im fünften Teil der LiZ-Serie wollen wir mit dem Jungprofi Nathan Schmid aus Aesch das Thema Material genauer unter die Lupe nehmen.

Saiten
Die Auswahl der richtigen Bespannung ist eine wahre Kunst. Je nach Spielart, Belag, der Höhe des Spielorts und dem Wetter variiert die Kraft, mit der die Schläger bespannt werden. Zudem gibt es unzählige verschiedene Saiten, die alle Vor- und Nachteile für die unterschiedlichen Spielstile der Akteure mit sich bringen.

Nathan Schmid bespannt seine Rackets normalerweise mit 25,5 Kilogramm Zugkraft. Je nach Bedingungen kann die Härte um plus/minus zwei Kilogramm variieren. Auf Sand bespannt er seine Rackets tendenziell etwas härter, in der Halle eher mit weniger Gewicht. Bereits nach wenigen Stunden Spielzeit nutzt sich die Saite stark ab.

Für die rund 20 Stunden Training pro Woche und die Matches am Wochenende verbraucht Schmid daher im Schnitt vier Bespannungen. Dies, obwohl der 18-Jährige eine harte Saite spielt, die vergleichsweise lange hält. In einem Jahr muss der Aescher seine Rackets daher an die 200-mal frisch bespannen. Jedes Mal benötigt er dafür rund zwölf Meter Saite, also beinahe zweieinhalb Kilometer in einem Jahr.

RacketsWenn es um Tennisrackets geht, ist Nathan Schmid eine Ausnahme. Seit mittlerweile vier Jahren spielt er mit demselben Modell (nicht demselben Schläger) und ist damit zufrieden. Das ist ungewöhnlich, denn normalerweise tüfteln die Tenniscracks permanent an ihrem Spielgerät.

Die einen versuchen mit manuell angebrachten Bleistreifen, die Balance des Schlägers optimal auf den eigenen Spielstil abzustimmen, und andere testen in regelmässigen Abständen die neusten Technologien der Hersteller. Unterschiede gibt es bei den Tennisrackets vor allem beim Gesamtgewicht und bei der Gewichtsverteilung.

Kopflastige Schläger, bei denen der grössere Teil des Gesamtgewichts im Schlägerkopf liegt, ermöglichen einen schnelleren Schwung. Grifflastige Rackets sind hingegen besser für die Kontrolle. Der Limmattaler sieht das nicht so eng. «Mir muss der Schläger einfach gut in der Hand liegen. Ob der jetzt kopf- oder grifflastig ist oder zehn Gramm schwerer, spielt für mich keine Rolle.»

Schmids Racket wiegt 304 Gramm. Das ist vergleichsweise leicht. Der Schläger des tschechischen Top-10-Spielers Tomas Berdych soll beispielsweise 380 Gramm wiegen. Vier Schläger nimmt Schmid jeweils in die Trainings und an die Turniere mit. Diese benutzt er rund ein halbes Jahr, dann ist der Rahmen verbraucht. Pro Jahr benötigt Nathan Schmid also etwa acht Rackets.

Overgrips
Als Overgrips werden die dünnen und elastischen Griffbänder bezeichnet, die über dem Griffband, das vom Hersteller angebracht wurde, montiert werden. Dank derer rutscht der Schläger auch mit schwitzigen Händen nicht aus der Hand.

«Ich wechsle die Overgrips praktisch in jedem Training, sicher aber vor jedem Match. Das ist zwar ziemlich extrem, aber ich hasse es, wenn ich den Schläger nicht richtig halten kann», erklärt Schmid, der pro Jahr über 400 Overgrips verbraucht. Mittlerweile ist das Wechseln der Bänder für den Limmattaler zu einem festen Ritual während der Matchvorbereitung geworden.

Kleider
50 Paar Socken, 40 T-Shirts und 10 Hosen - das ist der Inhalt von Nathan Schmids Kleiderschrank. Das klingt nach viel zu viel, aber der Eindruck täuscht. Während eines Matches wechselt Schmid ein- oder zweimal das Shirt und trägt zudem je nach Temperatur eine Schirmmütze und ein Schweissband.

Hinzu kommt, dass er stets zwei Paar Socken anzieht. «So fühle ich mich besser und auf harten Belägen werden die Schläge besser abgedämpft», sagt er. Kein Wunder also hat der 18-Jährige stets eine Kleidertasche dabei, wenn er den Platz betritt.

Schuhe
Vier verschiedene Paar Schuhe braucht Nathan Schmid für Trainings und Wettkämpfe. «Ich habe einen Matchschuh, einen fürs Tennistraining, einen fürs Konditionstraining und einen Laufschuh», erklärt er. Hinzu kommt noch, dass im Sommer auf den Sandplätzen andere Schuhe benötigt werden als in der Halle.

Auf den rutschigen Sandplätzen trägt der Aescher schwerere Schuhe mit einem besseren Profil, damit er einen besseren Stand hat. In der Halle sind die Schuhe hingegen leichter, dafür ist die Dämpfung auf dem harten Hallenboden umso wichtiger. Während der Sandsaison verbraucht der Limmattaler im Schnitt drei Paar Schuhe, im Winter sind es gar fünf.

Pro Jahr kommen so acht Paar Tennis- und zwei Paar Laufschuhe zusammen.

Verschiedenens
In seiner Tennistasche hat Nathan Schmid noch mehr Material. Immer mit dabei ist ein kleiner, gelber Ordner; sein «geheimes Matchbüchlein». Darin notiert er sich die Analysen zu seinen Gegnern und die Match-Taktik. Ebenfalls nicht fehlen darf der Medikamentenbeutel. «Dort habe ich verschiedene Salben, Schmerzmittel, einen Kühlspray, Tapes und Pflaster drin.

So kann ich kleinere Blessuren selber behandeln», erklärt er. Auch stets in der Tasche sind Springseil und Teraband, die er jeweils zum Aufwärmen benötigt, sowie Verpflegung: Isostar-Tabletten, Energieriegel, Bananen, Magnesium und Vitamine.