Karin Gutersohn ist eine Frau, die entschlossen und mutig handelt. Dafür gibt es verschiedene Beispiele. Als sie vor zehn Jahren genug davon hatte, dass ihr sportliches Hobby Fussball viele Wochenenden «wegfrass» und fixe Trainingszeiten erforderte, wechselte sie kurzerhand zum Ausdauersport. Anstatt für das Frauenteam des FC Dietikon dem Ball nachzujagen, lebte sie künftig ihre Bewegungslust sportlich aus. «Ich fahre gerne Velo und renne gern», sagte sie sich und entschied sich ... für Triathlon. Was war mit Schwimmen?

Schwimmkurs mit 30 Jahren

«25 Meter», so schätzte Gutersohn, «schaffte ich damals so knapp.» Ein bisschen mager für eine erfolgreiche Triathlonkarriere. Doch die Limmattalerin zögerte nicht lange.

Ab in den Schwimmkurs – mit 30 Jahren. Dank viel Trainingsfleiss und Talent ging es nicht lange, bis Karin Gutersohn erstmals bei einem Wettkampf am Start stand. «Im Schwimmen nehme ich mir jeweils die Zeit, die ich brauche», sagt sie.

Die Weiningerin spezialisierte sich auf die Olympische Distanz, die Kurzform des Triathlons, bei der sie jeweils rund zweieinhalb Stunden im Einsatz steht.

In diesem Sommer allerdings wollte Gutersohn «einmal versuchen, ob es auch länger geht». Sie meldete sich für den Ironman70.3 am 15. August in Wiesbaden an. 1,9 Kilometer Schwimmen, 90 Kilometer Velostrecke mit 1500 Höhenmetern und 21,1 Kilometer Laufen warteten auf die Zürcherin – die halbe Ironman-Distanz.

Das Experiment lief gut, beinahe schon perfekt. Trotz strömendem Regen und nicht ohne Krise unterwegs lief die 40-Jährige in ihrer Altersklasse (Frauen 40 bis 44 Jahre) nach 5 Stunden und 54 Minuten im Ziel ein.

Und qualifizierte sich mit dieser Zeit beim allerersten Wettkampf über die längere Distanz gleich für die Weltmeisterschaft in Clearwater, Florida. «Ich habe nie auch nur einen Gedanken an die Weltmeisterschaft verloren», sagt die Limmattalerin, die vor allem auf ihre Halbmarathonzeit von 1.48 Stunden zum Abschluss des anstrengenden Rennens stolz ist.

Hart wars beim Velofahren. «Ich sass bei Kilometer 75 bachnass auf dem Velo und dachte mir, jetzt habe ich es gesehen. Da kam zum Glück das Ortsschild Wiesbaden und die Motivation war wieder da.»

Respekt vor Radstrecke

Motiviert ist die Projektleiterin in einem Architekturbüro auch für das heutige WM-Debüt in Florida. Ein Rangziel setzt sie sich indes nicht.

1800 Athletinnen und Athleten werden bei Sonnenaufgang an der Westküste des Sonnenstaats in den Golf von Mexiko stürzen, 80 davon in Gutersohns Kategorie. «Die Teilnehmerinnen kommen aus der ganzen Welt. Ich freue mich extrem auf diese internationale Stimmung.» Die einzige Schweizer Konkurrentin kennt sie nicht persönlich.

Respekt hat Gutersohn vor der absolut flachen Velostrecke. Sie bevorzugt Terrain- und damit auch Rhythmuswechsel. «Ich bin selber gespannt darauf, ob ich so lange immer hochtourig fahren kann.»

Debüt im Salzwasser

In Clearwater wartet auch eine weitere sportliche Premiere auf Karin Gutersohn: Es ist ihr erster Triathlon, der im Meer gestartet wird. Aber die toughe Ausdauerathletin wird selbst diese Herausforderung schaffen, denn schliesslich hat sie auch den Schwimmkurs erfolgreich absolviert.