Stav Jacobi steckt seit Jahren viel Geld ins Frauenteam von Volero Zürich. Als Investor sieht er sich trotzdem nicht. «Ein Investor erwartet für sein Engagement einen finanziellen Gewinn. Das tue ich nicht», sagt der 49-jährige Multimillionär. Eine «Herzensangelegenheit» ist das Team für den Verwaltungsrats-Präsidenten der Volero Zürich AG, welche die Elite-Abteilung der Frauen leitet. «Wenn mich jemand fragt, wieso ich mein Leben so lebe, dann finde ich dafür keine vernünftige Antwort», sagt Jacobi, «aber ich fühle nirgends sonst so intensiv wie im Volleyball». Erwartungen hegt der Unternehmer in der Immobilien- und Ölbranche aber durchaus. Jacobi sagt, dass Volero in dieser Saison die Möglichkeit habe, die Champions League zu gewinnen. «Bisher war dies unmöglich. Jetzt wäre es keine Sensation mehr, denn wir haben die Voraussetzungen geschaffen.»

Ein letzter Schritt fehlt zum Erreichen des Finalturniers der besten vier Teams. Im heutigen Rückspiel gegen die Türkinnen von Vakifbank Istanbul in der Saalsporthalle (20.00 Uhr) muss ein Sieg her. Das Hinspiel vor zwei Wochen ist in jeder Hinsicht eine enge Angelegenheit. Die Schweizerinnen realisieren nach fünf Sätzen insgesamt nur einen Punkt weniger und verlieren letztlich mit 13:15 im Tiebreak. Wobei der Begriff «Schweizerinnen» bei Volero nicht gerade grosszügig ausgelegt wird: Gegen Istanbul kommt keine der drei Kaderspielerinnen mit Schweizer Pass zum Einsatz. Diese sind jeweils in den nationalen Wettbewerben am Werk, wo der Serienmeister seit Januar 2012 in 141 Meisterschafts- und Cup-Partien ungeschlagen ist.

Leihgeschäfte als Geldquelle

«Wir leisten uns zwei Mannschaften, eine für internationale Spiele und eine für die Partien in der Schweiz», erklärt der ehemalige Spitzenvolleyballer Jacobi, der 2002 beim damaligen NLB-Verein aus Zürich das Zepter übernimmt. Bei Volero unter Vertrag stehen noch bedeutend mehr Spielerinnen als die 15 Frauen im Kader. Um das jährliche Budget von rund 3 Millionen Franken – alleine 700 000 für die Champions-League-Kampagne – stemmen zu können, basiert das Geschäftsmodell auf Transfers. Spielerinnen werden an andere europäische Spitzenklubs ausgeliehen, erklärt Jacobi. Dafür muss man sich im internationalen Rampenlicht präsentieren können. Neben der Champions League bietet sich hier vor allem die jährliche Klub-WM an. Diese wird von der Firma Eventcourt AG organisiert, zuletzt dreimal in Folge in Zürich. Präsident der Eventcourt AG ist Stab Jacobi, wodurch sich der Finanzierungskreislauf schliesst. So ist auch garantiert, dass Volero für die nächste Austragung im Spätsommer in der philippinischen Hauptstadt Manila erneut ein Freilos erhält, falls es als Champions-League-Sieger nicht ohnehin dabei ist. Jacobi sagt, dass «die Marke Volero Zürich im Ausland bereits jetzt besser etabliert ist als in der Schweiz».

Seit einem Jahr auch bei GC

Stav Jacobi strahlt mit seinem einmaligen sportlichen Erfolg längst über die Vereinsgrenzen hinaus. Seit letztem Herbst sitzt der Jurist, der noch zu Zeiten der Sowjetunion in die Schweiz kam, um seine berufliche Karriere voranzutreiben, im Exekutivkomitee des Volleyball-Weltverbandes. Im Mai 2015 lässt er sich zudem in den Verwaltungsrat der GC-Fussballer wählen. Bei GC ist Jacobi für die Aussenbeziehungen verantwortlich. Er sagt, er sei noch immer in der «Lernphase». Wer sich vom Engagement des finanziell potenten «Russen» vor allem schnelles Geld erhofft hat, wird enttäuscht. «Erstens bin ich kein Roman Abramowitsch und zweitens bin ich in Denken und Vorgehen längst ein Schweizer geworden», sagt Jacobi. Will heissen, anstatt den GC-Laden mit grosser Kelle aufzumischen, unternimmt der erfolgreichste Vereinsvorsitzende im Schweizer Sport zuerst einmal eine Beobachtungstour in der Welt des Fussballs.

Wie sich sein Fussball-Engagement vom «Lebenswerk Volleyball» unterscheidet, macht Jacobi rasch deutlich. Auf die Frage, wie es sei, nun auf zwei Hochzeiten zu tanzen, antwortet der 49-Jährige: «Ich tanze nur auf einer Hochzeit. Auf jener von GC sitze ich nur.» Am Tag des Zürcher Derbys FCZ - GC vor knapp zwei Wochen zieht es Jacobi vor, sein Volero zum Auswärtsspiel in den Neuenburger Jura nach Les Breuleux zu begleiten, obwohl es dort um nichts geht und der Sieger feststeht. Bei GC sei er mit dem Kopf präsent, dennoch hat er bereits Spuren hinterlassen. «Im Sport muss man sich an Regeln halten, das gilt auch für einen Verwaltungsrat. Nicht zuletzt, weil wir die Emotionen aus den VR-Entscheidungen herausgenommen haben, hat GC ein skandalfreies Jahr hinter sich», bilanziert Jacobi. Er kennt es nicht anders.