Squash
Vitis Schlieren gewinnen den Titel, an den niemand mehr glaubte

Vitis Schlieren kann trotz der Verletzung des Teamleaders den Schweizer-Meister-Titel gewinnen

michel sutter
Merken
Drucken
Teilen
Die Meistermacher Tarek Shehata, Daniel Hoffmann, John Williams und Manuel Wanner (v.l.) freuen sich zusammen mit HeidiLocher, der Inhaberin vom Vitis-Sportcenter, über den dritten Titel in den vergangenen vier Jahren. zvg

Die Meistermacher Tarek Shehata, Daniel Hoffmann, John Williams und Manuel Wanner (v.l.) freuen sich zusammen mit HeidiLocher, der Inhaberin vom Vitis-Sportcenter, über den dritten Titel in den vergangenen vier Jahren. zvg

Gross war der Jubel bei den Schlieremern am vergangenen Samstag in der Squashhalle Vitis. Sie hatten im Playoff-Final Pilatus Kriens besiegt und damit die Schweizer Meisterschaft gewonnen. Es ist der vierte Meistertitel für Vitis in den vergangenen vier Jahren.

Damit endet die schwierige und turbulente Saison von Vitis Schlieren doch noch mit dem Titel. Ein Triumph, mit dem kaum mehr jemand gerechnet hatte. «Es ist wie ein Traum!», schwärmt Captain John Williams. «Es ist wirklich alles zu unseren Gunsten gelaufen.»

Noch vor zwei Monaten sah die Gemütslage bei Williams und seinen Schlieremer Teamkollegen ganz anders aus. Damals war die Playoff-Qualifikation für Vitis in weite Ferne gerückt. Die Schlieremer hatten mit 1:3 gegen Uster verloren und belegten nur Rang 6, der nicht zur Qualifikation für die Endrunde gereicht hätte. Noch fünf Runden verblieben in der regulären Saison und die Luft für die Schlieremer war sehr dünn geworden. «Wir mussten fast jede Begegnung gewinnen, um noch in die Playoffs zu kommen», sagte Williams, der zu diesem Zeitpunkt noch mit einer Fussverletzung zu kämpfen hatte und der Mannschaft nicht helfen konnte – mitunter ein Grund für die bis zu diesem Zeitpunkt wenig überzeugende Saison von Vitis, das letztes Jahr als Dritter locker in die Playoffs einzog.

Kleines Wunder

Die nächste Begegnung gegen das drittplatzierte Vaduz hätte schon eine mögliche Vorentscheidung bringen können. Doch Vitis besiegte das ersatzgeschwächte Vaduz mit 3:1 und wahrte sich damit die Chancen auf den Titel. Dann geschah ein kleines Wunder. Ende Februar merkte der eigentlich schon abgeschriebene Williams, dass sich sein Fuss besser anfühlte. «Wir begannen zu diskutieren, ob es sinnvoll wäre, dass ich die eine oder andere Partie bestreiten würde», sagt er. Der 43-Jährige gab sein Comeback und Vitis kam wieder in die Spur. Einzig die Begegnung gegen den späteren Finalgegner Pilatus Kriens verloren die Limmattaler. In der letzten Runde schlugen sie Pythons Kriens mit 4:0 und qualifizierten sich doch noch für die Playoffs. «Da war auch sehr viel Glück dabei», gibt Williams zu.

Fünf Wochen später startete der Kampf um den Meistertitel. Für Williams war das ein Segen. «Ich hatte ja keine Spielpraxis», sagt er. «Und in meinem Alter erholt sich der Körper nicht mehr so schnell.» In den freien Wochen konnte er wieder neue Kraft tanken.

Dann kam der Playoff-Halbfinal gegen die Grasshoppers, welche die reguläre Saison als Tabellenführer beendet hatten. Mental waren die Schlieremer im Vorteil, da sie überhaupt keinen Druck verspürten, wie Williams sagt: «Ich habe den Jungs das Gefühl gegeben, dass sie nichts zu verlieren haben.» Eine Strategie, die aufging: Vitis schlug die Grasshoppers deutlich mit 3:1. Ähnlich war die Ausgangslage im Final gegen Kriens. Weil die Schlieremer in der regulären Saison gegen den gleichen Gegner noch mit 0:4 unter die Räder geraten waren, konnten Williams und seine Kollegen befreit aufspielen. Zwar unterlagen Manuel Wanner und Tarek Shehata ihren Gegenspielern, doch John Williams und Daniel Hoffmann konnten ihre Partien gewinnen. Da bei einem Unentschieden die Anzahl gewonnener Sätze zählt und Vitis diesbezüglich mit 7:3 führte, konnte es von Kriens nicht mehr abgefangen werden und die Überraschung war perfekt. «Wir haben an unsere Chance geglaubt», frohlockt Williams.

Nun geniessen die Schlieremer ihren Erfolg, bevor sie sich auf die nächste Saison vorbereiten – womöglich mit neuen Gesichtern. «Wir sind auf der Suche nach einem starken Ausländer», verrät Williams. «Das dürfte dank diesem Erfolg jetzt nicht schwieriger werden.» Er selbst will ab nächster Saison etwas kürzer treten und nur noch die Hälfte aller Partien bestreiten. Captain der Schlieremer Mannschaft will er aber bleiben.