Handball
Verkehrte Limmattaler Welt in der 2. Liga

Die eigentliche zweite Mannschaft des HC Dietikon-Urdorf steht der ersten vor der Sonne. Während das Team mit Ambitionen auf den Aufstieg in letzter Zeit strauchelte, konnte der «Plauschbetrieb» Sieg an Sieg reihen.

Pascal Del Negro
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Als Leader ins 2015: Der HC Limmat mit Trainer Muzi Dogru (vorn, im Shirt des HC Dietikon-Urdorf).

Als Leader ins 2015: Der HC Limmat mit Trainer Muzi Dogru (vorn, im Shirt des HC Dietikon-Urdorf).

Roland Jaus

Dass der HC Dietikon-Urdorf an zweiter Position steht und damit um den Aufstieg mitspielt, ist keine Überraschung. Denn bis und mit letzter Saison spielte der HCDU noch in der 1. Liga. Dass hingegen der HC Limmat vor Dietikon-Urdorf steht und mindestens den Jahreswechsel über von der Tabellenspitze grüsst, ist schon eher eine Erwähnung wert.

Seit der HCDU abgestiegen ist, spielt die zweite Mannschaft nun unter dem HC Limmat, denn es dürfen nicht zwei Mannschaften vom selben Verein in der 2. Liga spielen. Entsprechend nah sind sich die beiden Teams: Die meisten Spieler kennen sich bereits seit Jahren. Rund die Hälfte des HC Limmat spielte schon einmal in der ersten Mannschaft des HCDU – und die Mannschaften teilen sich donnerstags im Training die Dietiker Stadthalle.

Als es Ende Oktober zum mit Spannung erwarteten ersten Derby kam, waren die Rollen klar verteilt. Auf der einen Seite das Fanionteam, das die Tabelle souverän anführte. Auf der anderen Seite Limmat, das in der ausgeglichenen Gruppe wenige Punkte vor den Abstiegsrängen lag. Entsprechend verlief die Partie. Obwohl sich Limmat lange tapfer wehrte, resultierte letztlich ein klarer 24:17-Sieg für Dietikon-Urdorf. Die Handball-Hierarchie im Limmattal schien klar zu sein.

Im Plauschmodus an die Spitze

Doch seither drehte Limmat auf und gewann sechs der letzten sieben Partien. Derweil konnte Dietikon-Urdorf von fünf Spielen nur gerade deren zwei gewinnen. So kommt es, dass Limmat plötzlich einen Punkt vor dem «grossen Bruder» steht. Das war so nicht zu erwarten, oder?

«Jein», sagt HCDU-Sportchef Dominik Hari, «die erste Mannschaft versucht ein junges Team aufzubauen, das in die 1. Liga aufsteigen und dort mithalten kann. Die Spieler der zweiten dagegen haben viel Erfahrung – diese hat sich bisher ausbezahlt. In der Direktbegegnung hat man jedoch gesehen, dass die erste Mannschaft sehr viel Potenzial hat.»

Einer, der beide Teams sehr gut kennt, ist Sascha Schoenholzer. Er spielt in der laufenden Saison für Limmat, früher war er lange Jahre Spieler und auch schon Trainer des Fanionteams. Er sagt zur Situation: «Wenn man die beiden Kader vor der Saison verglich, war dieses Szenario durchaus denkbar. Wenn man allerdings die Trainingsintensität vergleicht, ist es doch überraschend. Denn im Prinzip steht der ‹Plauschbetrieb› momentan vor dem ‹Leistungsbetrieb›. Aus Sicht des Vereins ist das natürlich nicht die Idee.»

Wer würde wo spielen?

Der erwähnte «Plauschbetrieb» in Ehren: Angesichts der NLB-Erfahrung vieler Akteure relativiert sich dieser. Und auch wenn sie teilweise etwas kürzertreten und im Training nur selten vollzählig sind, geben sie im Spiel trotzdem alles. «Wir sind immer noch ehrgeizig wie vor 20 Jahren», hat Routinier Schoenholzer festgestellt.

Er fügt aber hinzu: «Wir sind uns auch bewusst, dass sich die Situation schnell wieder ändern kann.» Als Beispiel dient das jüngste Match gegen Volketswil, das Limmat zu Hause mit 26:29 verlor. So kurios die Tabellensituation anmutet: Für den HCDU ist sie optimal. Denn es würde keine Rolle für die Zusammensetzung der Mannschaften in Zukunft spielen, welche der beiden aufstiege – oder?

Sportchef Hari sagt dazu: «Grundsätzlich ist es natürlich immer gut, wenn eines unserer Teams aufsteigt. Die Spieler der zweiten Mannschaft wollen allerdings mehrheitlich einfach noch spielen, ohne Ambitionen. Bei einem allfälligen Aufstiegs Limmats müssten wir zusammensitzen und schauen, wer in welchem Team spielen würde.»

«Wollen kein Kanonefutter sein»

Sportchef Hari nimmt den Druck heraus: «Klar, das langfristige Ziel ist der Aufstieg. Wir setzen die Mannschaft aber nicht unter Druck. Die Idee wär es, eine Mannschaft aufzubauen, die in den nächsten drei Jahren aufsteigen und in der 1. Liga auch mithalten kann – wir wollen kein Kanonenfutter sein.»

Auch Sascha Schoenholzer sagt: «Im Falle eines Aufstiegs müsste man schauen, welche Zusammenstellung Sinn macht, wer überhaupt dazu bereit wäre. Klar ist, dass es mit dem momentanen Aufwand der zweiten Mannschaft in der 1. Liga nicht reichen würde. Daher müsste man die Teams mischen – sonst würde es keinen Sinn machen.»

Bis es so weit ist, dauert es allerdings noch eine Weile, Limmat hat noch acht Spiele ausstehend, Dietikon-Urdorf noch deren neun. Hari sagt: «Die Rückrunde ist noch lang, da kann noch sehr viel passieren.» Das zweite Derby vom 28. Februar dürfte umso spannender werden.