Fussball
Vaso Vasic und sein Streben nach Glück

Der GC-Goalie Vaso Vasic erinnert sich an den steinigen Weg in die Super League. Er weiss aus eigener Erfahrung, dass es neben harter Arbeit auch eine Portion Glück braucht, um seine Träume verwirklichen zu können.

Fabian Sanginés
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Vaso Vasic vor und in dem alten Hardturm
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Ein Trauerspiel: Vaso Vasic vor der Hardturm-Ruine: «Das war einmal das geilste Stadion der Schweiz.»
Ein Trauerspiel: Vaso Vasic vor der Hardturm-Ruine: «Das war einmal das geilste Stadion der Schweiz.»

Vaso Vasic vor und in dem alten Hardturm

Fabian Sanginés

Mit ein wenig Schmerz und ganz viel Wehmut blickt Vaso Vasic auf die Baustelle, wo früher das altehrwürdige Hardturm Stadion stand. «Das war einmal das geilste Stadion der Schweiz, es jedes Mal weh, wenn ich hier vorbeilaufe», sagt er. Zumindest bei letzterem Abschnitt dürfte der 24-Jährige bei weitem nicht alleine dastehen.

Es ist nicht unbegründet, dass Vasic enttäuscht ist vom Anblick der Zürcher Pfingstweidstrasse 136, schliesslich trainierte er als Jugendlicher täglich zweimal direkt nebenan. Wo damals das Förrlibuck-Trainingsgelände für Junioren und die erste Mannschaft der Grasshoppers stand, ist heute fast schon meterhohes Gras und zwei bewohnte Mobilheime, geschätzte Baujahre 1734, zu finden.

Der ehemalige serbische U21-Nationaltorhüter erinnert sich gerne an diese Zeit zurück: «Es war schon ein einmaliger Spirit zwischen den Nachwuchsteams, den wir im Förrlibuck erlebten. Wir trafen uns an freien Mittwoch Nachmittagen schon Stunden vor dem Training in der Kabine und diskutierten über Fussball.»

Eine Welt zusammengebrochen

Vasic erlebte auch noch den Umzug auf den GC-Campus, bevor er im Sommer 2008 zum FC Winterthur in die Challenge League transferiert wurde. «Für mich ist damals eine Welt zusammengebrochen, denn mein Traum war immer, für GC in der ersten Mannschaft zu spielen», erzählt der 1.86 Meter hohe Schlussmann.

Er brauchte eine Zeit um zu begreifen, dass der Schritt in die zweithöchste Spielklasse des Landes keiner zurück, sondern wichtig für seinen Reifeprozess war. Dieser setzte sich fort, als er 2012 zu YF Juventus in die 1. Liga wechselte, weil ihn, das grosse Talent und einst jüngste Challenge-League-Stammtorhüter kein Team mehr wollte.

Im Nachhinein betrachtet Vasic seinen halbjährigen Abstecher zum Zürcher Amateurklub als «eine der besten Zeit meiner Karriere». Dort tankte er neues Selbstvertrauen, welches ihn via FC Schaffhausen zurück nach Hause brachte, zurück zu seinem geliebten Grasshopper Club Zürich.

«Wenn ich jemals ein Buch schreiben müsste, dann würde ich es darauf beruhen, dass man niemals aufgeben sollte. Es lohnt sich, für seinen Traum alles zu geben, auch wenn man immer das nötige Glück benötigt», so der charismatische Schlussmann.

Gerne verwendet er eine Anekdote aus der Champions-League-Qualifikation von vergangenem Sommer, seinem Startelf-Debüt vor 25 000 Zuschauern Lille, um zu untermauern, wie wichtig Glück in einer Fussballkarriere sein kann. «Der erste Schuss vom Gegner landete im Lattenkreuz, ich war chancenlos.

Danach wurde ich lange Zeit kaum mehr geprüft, was für einen Ersatzgoalie (damals war Davari die Nummer 1, Anme. d. Red.) das Schlimmste ist, schliesslich will man sich ja auszeichnen.» Dann aber kam der Knackpunkt kurz nach der Pause: «Ryan Mendes stand auf knapp acht Meter alleine vor mir, ich halte den Ball. Alle reden von einer tollen Parade, dabei ist klar: wenn er den Ball richtig trifft, ist es ein Tor und keiner spricht von mir.»

«Ein Geschenk Gottes»

Auch deshalb ist Vasic Bescheidenheit wichtig, er will sich nichts darauf einbilden, dass er derzeit als Nummer 1 im Tor steht. «Ich war zur richtigen Zeit am richtigen Ort, es hätte auch viele andere treffen können.» So fährt er einen Volvo S70, Baujahr 1999, meidet das Rampenlicht, wie Events wo er mit Models über den Laufsteg stolzieren soll, und träumt auch noch nicht von einer internationalen Karriere.

Denn Vasic weiss, wie schnelllebig das Fussballbusiness ist, er konzentriert sich einzig darauf, dass irgendwann die Davari-Vasic Diskussion beendet ist. Bis dahin trainiert er hart und erfreut sich zwischendurch am sportlichen Glück, das für ihn «ein Geschenk Gottes» ist.