Skiakrobatik

Urdorfer Skiakrobatin: «Die Operation ist positiv für mein anderes Leben»

Tanja Schärer trainiert gegenwärtig noch auf der Wasserschanze in Mettmenstetten.bier/archiv

Tanja Schärer trainiert gegenwärtig noch auf der Wasserschanze in Mettmenstetten.bier/archiv

Es war ein Schock für die Tanja Schärer. Eine Operation an der Bizepssehne beim Schultergelenk zwingt die Urdorfer Skiakrobatin zu einer sechsmonatigen Pause. Damit ist die WM-Saison 2014/15 gelaufen, bevor sie überhaupt begonnen hat.

Die 25-Jährige konnte sich während der letzten Wochen damit auseinandersetzen. Schärers Pause wurde vom Verband Swiss-Ski erst am Ende der vergangenen Woche publik gemacht. Trotz des Dämpfers trainiert sie bis Ende August weiterhin auf der Wasserschanze in Mettmenstetten.

Tanja Schärer, werden Sie Ihre Karriere im Winter 2015 fortsetzen?

Tanja Schärer (wie aus der Pistole geschossen): Ich weiss es noch nicht, muss es aber auch noch nicht wissen. Die viele Zeit erlaubt es mir, abzuwarten, wie sich die Situation entwickelt. Den Aufbau werde ich jedenfalls genauso machen, wie wenn ich weiterspringen würde – ich lasse mir alle Möglichkeiten offen.

Sie klingen gefasst.

Ich konnte mich die letzten Wochen an die Situation gewöhnen. Am Anfang war es aber extrem hart für mich, die Tränen flossen, wenn ich daran dachte, dass ich die Saison verpassen werde. Das ständige Nachdenken darüber, was ich tun sollte, beeinträchtigte auch meine Trainingsleistungen.

Sie freuten sich vor allem auf die Weltmeisterschaften in österreichischen Kreischberg.

Das war das Schmerzhafteste daran. Für mich wäre es ein weiterer Höhepunkt gewesen. Und für die vielen Menschen in meinem Umfeld wäre es die einmalige Chance gewesen, mich an einer WM zu sehen, ohne weit reisen zu müssen.

Ihre Schmerzen dauern seit einem Trainingssturz im letzten Dezember an. Wie haben Sie das bis zum Ende der letzten Saison ausgehalten?

Die Olympischen Spiele standen vor der Tür, da wollte ich keine Diagnosen hören, deshalb ging ich auch nicht gleich zum Arzt. Ich muss dazu sagen, dass ich die Schmerzen weniger beim Springen als vielmehr im Alltag bemerke. Ich habe keine Kraft mehr im rechten Arm. Einen Ball werfe ich wie ein kleines Mädchen, schwere Sachen kann ich nicht mehr tragen – so kann es natürlich nicht weitergehen.

Warum liessen Sie sich nicht gleich nach Saisonschluss operieren?

Es dauerte länger, bis ein Arzt mir erklären konnte, warum eine Physiotherapie nichts hilft, und mir klar zu einer Operation riet. Die erste Diagnose von einem anderen Arzt war nicht präzise gewesen, weshalb ich noch eine Zweitmeinung einholte. Ausserdem hatte ich die Chance erhalten, bis Mitte September in meinem Lernberuf als medizinische Praxisassistentin zu arbeiten. Da wollte ich nicht sagen: Hey, ich fehle die meiste Zeit wegen einer OP. Die nächste Saison wäre sowieso nicht mehr zu retten gewesen.

In einem Interview im April sprachen Sie davon, die Berufsmatura nachholen zu wollen. Wird dieses Vorhaben von der Operation beeinträchtigt?

Nein. Ich war letzte Saison nicht gut vorangekommen mit meinen Vorbereitungen für die Aufnahmeprüfung. Deshalb entschied ich mich, die Prüfung erst im Frühling 2015 zu machen und Vorbereitungskurse zu besuchen. Dank der Sportpause habe ich jetzt mehr Zeit dafür. Die Operation ist zwar negativ für mein Sportlerleben, aber positiv für mein anderes Leben. Ich denke manchmal: Es musste so kommen.

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