Am vergangenen Wochenende hatte das Wetter die gesamte Aufmerksamkeit für sich beansprucht. Vom Verlad des Rennwagens am Donnerstag, bis Samstag, tief in die Nacht, schüttete es wie aus Eimern. Und wenn es dies für kurze Zeit mal gerade nicht tat, nieselte es bei dickem Nebel. Für Bruno Weibel ist eine Nasse Fahrbahn normalerweise ein Vorteil, denn seine Trommelbremsen sind gegenüber den Scheibenbremsen seiner Konkurrenten bei diesen Bedingungen nicht unbedingt ein Nachteil. In der Eiffel jedoch wird’s, wenn’s nass ist, richtig schmierig. Sogar seine Konkurrenten, der grosse Manfredo Rossi di Montelera (Rossi/Martini-Dynastie) und sein Landsmann Pierre Tonetti, normalerweise auf den Podestplätzen zu finden, kämpften mit der rutschigen Fahrbahn. 

So kam es, dass Bruno Weibel in der ersten Rennrunde an zweiter Stelle liegend aus den Schickanen kam, diese Position aber mit seinem schwächer motorisierten Auto nicht halten konnte. Am Ende konnte er aber einen sensationellen sechsten Gesamtrang ins Ziel bringen. Bei der anschliessenden Kontrolle des Rennwagens stellte sich jedoch einen Defekt an der Bremsleitung fest, sodass bis spät abends im Taschenlampenlicht und bei regennassem Zeltboden gearbeitet werden musste.

Am Sonntag machte das Wetter dann auf eitel Sonnenschein, wohl um die Gemüter milde zu stimmen. Somit musste das Auto auf "trocken" umgerüstet werden, was beim Lotus 20 Formel Junior von 1961 zum Glück keine grosse Geschichte ist.

Am Ende konnte Bruno Weibel auch im Sonntagsrennen seine Klasse gewinnen und wurde "overall", also über beide Rennen des Wochenendes und alle Klassen der Formel Junior Gesamt-Fünfter. 

Somit ist er in der Europameisterschaft der Formel Junior, der FIA Lurani Trophy, ein Rennen vor Schluss führend, gleichauf mit dem Italiener Daniele Salodini. Jedoch mit bitterem Beigeschmack. Salodini würde nämlich, bei gleicher Punktzahl, aufgrund seines älteren Wagens, die Meisterschaft gewinnen. Das wäre nichts als fair, würde er nicht seine unlauteren Spielchen treiben, denn bei den vergangenen drei Veranstaltungen liess er seinen Rennmechaniker in seinem Ersatzwagen starten, um bei einem Sieg, aufgrund der Anzahl gestarteter Autos, die volle Punktzahl zu erhalten. Nach drei Runden stellt der Mechaniker den Ersatzwagen jeweils im Parc Fermé ab und kümmert sich wieder um die Rennbetreuung seines Chefs.

Unter diesen Umständen stellt sich für Weibel die Frage, ob es Sinn macht, die lange und teure Reise an das letzte Rennen der Saison nach Estoril, Portugal, anzutreten, um um den Europameister-Titel zu kämpfen. Zum Glück bleibt bis Oktober noch etwas Zeit, um eine Strategie auszuarbeiten, denn einfach klein beigeben kommt für Weibel nicht in Frage.