Nach der erneuten Niederlage steckten Urdorfs Präsident Sandro Agosti und sein Trainer Andi Wiederkehr im Sportplatz-Restaurant die Köpfe zusammen. Die beiden Macher des sportlich kriselnden FCU halten in ihrer Analyse der Vorrunde den Ball bewusst flach. Sandro Agosti hat mit dem FC Urdorf schon zu viel erlebt, als dass er jetzt in Panik machen würde. In den 90er-Jahren hielt er als Goalie der 1. Mannschaft den Kasten rein, seit einem Dutzend Jahren steht er seinem Lieblingsverein als Präsident vor. In dieser langen Zeitspanne erlebte er selten einmal eine ruhige Saison. Meistens spielten die «Stiere» um den Auf- oder dann kämpften sie gegen den Abstieg. Allein seit 2003 wechselten die Limmattaler sechsmal die Liga. Zuletzt im Sommer 2013, als sie aus der 2. Liga abstiegen. Zurück im Unterhaus mühen sich die «Stiere» aktuell in der zweiten Saison ab. «Natürlich habe ich von dieser Saison mehr erwartet», gibt Agosti unumwunden zu. 11 Punkte aus ebenso vielen Partien und keine reelle Chance mehr auf einen vorderen Platz in der Tabelle, das sei schlicht zuwenig. Auch für einen Verein wie den FC Urdorf, der nur schon aufgrund der Defizite bei der Infrastruktur (Stichwort: Kunstrasen, fehlender) den Nachbarvereinen immer stärker hinterher hinkt. Nach der Vorrunde nur fünf Zähler Vorsprung auf einen Abstiegsplatz – das gehe gar nicht.

Welches sind die «eigenen Stärken»?

Man müsse ein richtiger Dorfverein bleiben und sich auf die eigenen Stärken besinnen, hört man immer wieder im Urdorfer Umfeld. Nur: welches sind diese «eigenen Stärken»? Der FC Urdorf hat keine eigenen A-Junioren mehr, die Trainingspräsenz in der so wichtigen Vorbereitungszeit im Sommer war dem Vernehmen nach lausig, es kommen Spieler zu spät zur Teambesammlung am Sonntagmorgen. Agosti kritisiert die Arbeit seines Trainers Andi Wiederkehr nicht. Er sagt nur: «Uns fehlen richtige Teamleader. Leute wie früher Galindo, Vogel und Böhler.» Mit solchen Spielertypen im Team wäre, so glaubt der Präsident, vieles anders.

«Wir müssen jetzt durchschnaufen. Und dann mit einer harten Vorbereitung die Basis für eine gute Rückrunde legen.» So das Rezept von FCU-Trainer Andi Wiederkehr gegen den Blues im Dorf. An den drohenden Fall in die 4. Liga will weder er noch Präsident Agosti auch nur einen einzigen Gedanken verschwenden. «Im Frühling habe ich das Kader wieder komplett, dann sehen wir einen anderen FC Urdorf», macht sich Wiederkehr selbst Mut. Ein wenig Hoffnung auf bessere Zeiten verheisst ein Blick zurück. Vor einem Jahr spielten die «Stiere» eine ähnlich schwache Vorrunde und verbesserten sich gleichwohl noch auf den vierten Schlussrang.

Den Schluss des gestrigen Fussballvormittags verbrachten Präsident und Trainer auf dem Chlösterli in gemütlicher Runde bei strahlendem Sonnenschein. Da schienen die sportlichen Probleme für einen Augenblick ganz weit weg.

Spielverlauf

Das gestrige 1:3 gegen den Tabellenzweiten Thalwil II war nicht nur Urdorfs vierte Pleite in der Meisterschaft in Serie. Es war auch die vierte Niederlage im fünften Heimspiel der Saison. Die einmal mehr ersatzgeschwächt angetretenen «Stiere» verschliefen den Start in das letzte Spiel vor der Winterpause komplett. Dass das Skore bei Halbzeit nur bei 0:2 aus ihrer Sicht stand, lag vor allem an den Gästen. Die gingen mit ihren Chancen fast schon fahrlässig um. Die Urdorfer kamen gegen die nonchalanten Thalwiler durch Joker Pimenta zwar auf 1:2 heran (66. Minute), zu mehr reichte es nicht mehr. Den Schlusspunkt setzten die abgeklärten Gäste mit einem herrlichen Kontertreffer zum 1:3 in der 90. Minute.