Eishockey
Urdorf kommt gegen Sursee mit einem blauen Auge davon

Der Leader in der 3. Liga schwächelt gegen Sursee. Schliesslich resultiert ein 5:4-Erfolg nach Verlängerung. Nach dem Spiel haderte der EHCU-Trainer Dani Hüni: «Soll ich zufrieden sein oder soll ich unzufrieden sein?»

Raphael Biermayr
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Urdorfs Dominik Erb hält dem überragenden Goalie Sandro Fischer einen Gegenspieler vom Leib. rab

Urdorfs Dominik Erb hält dem überragenden Goalie Sandro Fischer einen Gegenspieler vom Leib. rab

Limmattaler Zeitung

Bei Kaffee und Keksen rattert es in Dani Hünis Kopf. Der Trainer des EHC Urdorf sitzt einige Minuten nach der Schlusssirene im schmucken Stadionrestaurant der Eishalle Sursee. Gegenüber sitzt Assistenztrainer Tom Schlegel. Hüni macht einen missgelaunten Eindruck. Die Frage, die ihn umtreibt, formuliert er im Verlauf des Gesprächs gleich selbst: «Soll ich zufrieden sein, dass wir noch zwei Punkte geholt haben oder soll ich unzufrieden sein, dass es nicht drei wurden?» Daraus lässt sich ableiten, dass der EHCU-Trainer haderte. Als er wenig später nach einer kurzen Pause das Positive von diesem Abend aufzählt («Kollektiv», «Wille», «Zweiten Punkt unbedingt gewollt»), scheint die Welt in Anbetracht einer leichten, üblichen «Überrelativierung» wieder in Ordnung zu sein. Als Schönfärber will sich der ehemalige Assistenztrainer des Frauennationalteams aber nicht verstanden wissen. Zum Schluss entfährt ihm: «...es nimmt mich schon mit.»

Zwei-Tore-Vorsprung vergeben

Man durfte mehr erwarten vom Leader aus dem Limmattal, gleichwohl er vom ersten Aufeinandertreffen anlässlich der «Dach-Premiere» in Urdorf gewarnt war (2:1). Die «Stiere» gaben sich angesichts eines halsbrecherischen Forecheckings eingeschüchtert, allen voran Captain Sebastian Hauser, der zwei der fünf Icings im Startdrittel infolge Überhastung verursachte. Die Urdorfer waren auch im Mittelabschnitt oft einen Gedankengang zu langsam. Es bedurfte eines Energieanfalls von Hauser, damit es auch nach 40 Minuten remis stand, Samuel Kuoni verwertet seine Vorlage fünf Sekunden vor Drittelende zum 2:2. Nach Wiederbeginn folgte die grosse Show von Thomas Wigger. Mit zwei Soli – eines per Backhand ins Lattenkreuz, eines mittels Tänzchen abgeschlossen – brachte er die Gäste vermeintlich auf die Siegerstrasse.

Die Reaktion der Surseer fiel heftig aus, Urdorf kassierte Strafe um Strafe und konnten erst mit der dritten Sirene wieder durchatmen. Goalie Sandro Fischer war Dank, dass es «nur» 4:4 stand. In der 49. Minute zeigte er wohl eine der grössten Paraden seiner Karriere, als er es schaffte, bereits geschlagen mit den Schonern voraus zu hechten und Tim Distel den Jubel im Hals stecken zu lassen.

Kurzen Prozess in Overtime

In der Verlängerung vergab der überragende Hans Schnyder eine gute Möglichkeit, ehe die «Stiere» zum Powerplay antraben konnten. Im Gegensatz zu vorher zeigten sie sich nun abgebrüht: Wigger gewann das Bully, Hauser zog ab, Raphael Studer verwertete den Abpraller zum Siegtreffer. Urdorf war mit zwei Punkten und einem blauen Auge ansprechend bedient.

Bedient ist auch Dani Hüni im Restaurant. «Nimm du», sagt er zu Assistenztrainer Tom Schlegel, und schiebt ihm die Kekspackung hin. Schlegel greift zu, schildert seine Eindrücke («Kollektiv», «Gegner gut organisiert», «Schwierig zu spielendes Team») und kommt mit jedem Wort seinem Fazit näher. Mit dem letzten Keks streicht er schliesslich die nachhaltigste Erkenntnis dieses Abends heraus: «Solche Spiele sind wichtig für die Charakterbildung.»