Fast wäre die Forderung von Urdorfs Yvan Yanez erfüllt worden. Der zum (soliden) Verteidiger umfunktionierte ehemalige Torjäger schien den Mund in Zug etwas vollzunehmen: «Und jetzt ein Stängeli», stellte er klar – nach dem fünften Treffer seines Teams in der 54.Minute. Bis zur Schlusssirene legten die «Stiere» tatsächlich noch drei Tore nach zum Schlussresultat von 8:4, ein Stängeli wäre etwas zu viel des Guten gewesen. Acht Urdorfer Treffer in einem 2.-Liga-Match, wann hatte es das letztmals gegeben? Die Frage ging an Routinier Sandro Duttweiler, der sich nicht daran erinnern konnte. Doch er hat eine solche Torflut der «Stiere» schon einmal miterlebt: Am 1.Dezember 2007 besiegten sie Küsnacht 8:6, Duttweiler war damals Assistenztrainer von Andi Wismer. Übrigens: Am Ende jener Saison hatten die Limmattaler, die den Gang in die 3.Liga antreten mussten, exakt gleich viele Zähler auf dem Konto wie jetzt.

Überzeugende Gastspieler

Massgeblich zum hohen Resultat in Zug beigetragen hat Cédric Ammann. Der eigentliche Elite-B-Spieler der ZSC Lions traf dreimal. Artig fragte er nach dem dritten Tor einen Schiedsrichter, ob er den Puck behalten darf. «Mein erster Hattrick in der 2.Liga, daran werde ich gern erinnert», erklärte Ammann nach dem Match. Mit sechs Treffern in ebenso vielen Matches ist er der effektivste Urdorfer Stürmer. Wegen der Terminkollisionen mit seinem Stammverein kann er nur sporadisch beim EHCU eingesetzt werden. Er bedauere das. «Es macht Spass hier zu spielen», hält er fest und führt aus, dass er durchaus ein Mitspracherecht habe, wenn es darum geht, wo er eingesetzt werde. Gleiches gilt für seinen Teamkollegen und Sturmlinienpartner Philipp Hensler, der gegen die Zuger in seinem zweiten Match für die Urdorfer zwei Assists buchte.

Urdorf-Goalie Florian Wassmer pariert den Penalty.

Urdorf-Goalie Florian Wassmer pariert den Penalty.

«Am Anfang mussten sie zu uns kommen, mittlerweile wollen sie», hielt Trainer Dani Hüni mit Blick auf die beiden Gastspieler fest. Ihm war die Befriedigung anzusehen. Die fünf Niederlagen in Serie mit einem Torverhältnis von 9:40 zuvor waren auch an ihm nicht spurlos vorübergegangen. «Wir haben heute so gewonnen, wie wir vorher einige Male verloren haben: Die Höhe des Resultats täuscht», analysierte er – eine positiv verkehrte Welt für sein Team also. Aus dem Skore leitete er treffend ab: «Um ein Spiel zu gewinnen, brauchen wir einen überragenden Goalie und viele Tore.» Tatsächlich zeigte sich Torhüter Florian Wassmer von seiner besten Seite, hielt auch einen Penalty.

Und die Offensivabteilung zeigte sich ungewohnt effektiv. Die Zentralschweizer schossen wohl mindestens doppelt so häufig auf das Tor der «Stiere», der Unterschied bestand in der Kaltblütigkeit. Besonders erwähnenswert war in diesem Zusammenhang Thomas Wigger, der nach einer Daumenverletzung seiner Bestform näher ist. Er bestach durch seinen enormen Willen, der durch die bessere körperliche Konstitution eher zum Tragen kommt. Sein unbändiger Glaube an die (Tor-)Chance brachte dem Kämpfer zwei Treffer ein. Neben Cédric Ammann glänzte auch Tobias Landis mit drei Punkten (1 Tor/ 2 Assists), womit er mit seinem Bruder (1/1) gleichgezogen ist an der Spitze der teaminternen Skorerwertung: Beide weisen elf Zähler auf.

Richtungsweisende Matches

Der fünfte Saisonsieg kommt zu einer besonders günstigen Zeit: In den kommenden drei Partien warten direkte Konkurrenten im Kampf gegen die Abstiegsrundenteilnahme. Im Match vom kommenden Samstag in Biasca coacht Thomas Heldner das Team, weil Dani Hüni die Reise arbeitshalber nicht mitmachen kann.