Eishockey
Urdorf gewinnt Limmattaler Irrsinns-Derby

Die Urdorfer «Stiere» besiegen die Wings im 14. Derby mit 8:6 in der 3. Liga. Die Partie war im ersten Drittel atemberaubend, insbesondere vonseiten des vermeintlichen Underdogs. Urdorf wurde zu Beginn regelrecht an die Wand gespielt.

Raphael Biermayr
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Urdorfs Thomas Wigger (10, Vordergrund) checkt Limmattals Damian Bräm vor Goalie Sandro Fischer
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Limmattals Damian Bräm scheitert an Urdorf-Goalie Sandro Fischer, im Hintergrund Marcel Weinmayr
Limmattaler Eishockeyderby
Urdorf Jubel über den achten Sieg im 14. Derby
Urdorfs Colin Wiederkehr (hinten) und Nicolas Gamper

Urdorfs Thomas Wigger (10, Vordergrund) checkt Limmattals Damian Bräm vor Goalie Sandro Fischer

Raphael Biermayr

Durchatmen. Endlich. Nach 20 Minuten zum ersten Mal. Das Limmattaler Derby zwischen den Wings und Urdorf war im ersten Drittel schlichtweg atemberaubend. Insbesondere vonseiten des vermeintlichen Underdogs. Wer daran gezweifelt hatte, dass die Wings noch immer von Luft und Leidenschaft leben würden, sah sich getäuscht. Sie spielten Urdorf an die Wand. Nie zuvor in der neuzeitlichen Derbygeschichte zeigten sie spielerisch eine derart starke Vorstellung. Urdorf wusste sich zu Beginn nur mit tumber Gewalt zu wehren, was zu Strafen führte. Aus drei Überzahlsituationen machten die Gastgeber bis zur 8. Minute drei Tore – Neuzugang Fabian Meier, Dino Boner und Derby-Gesamt-Topskorer Cyrill Hruby trafen, dazwischen verwertete Roland Hofmann cool zum 1:1. EHCU-Goalie Sandro Fischer rief zu seinen Mitspielern etwas hier nicht Zitierbares, das so viel bedeutet wie: «Ihr könnt mich gern haben.»

Wings verpassen höhere Führung

Sie erhörten ihn nicht. Also musste er selbst ran. Der überragende Ken Walliser – der «Mittwochmann» kann nur an diesem Tag für die Wings ran, weshalb das Derby am diesem Tag ausgetragen wurde – scheiterte genauso an ihm wie Boner. Das «perplexe» Urdorf (Trainer Dani Hüni) konnte in der Offensive nur auf Einzelaktionen und auf das Glück hoffen. Und tatsächlich: Sandro Ungricht schlenzte nach einem Solo herrlich zum 3:2, 72 Sekunden später schoss Peter Frenzel Teamkollege Sandro Duttweiler an, der Puck fand den Weg zum 3:3. Diese beiden Treffer sollten alles ändern, auch wenn Alexander Marty nach einem herrlichen Pass des starken Altmeisters Hani Weber noch zum 4:3 traf. Die sieben Treffer in 20 Minuten waren ein Derby-Rekordwert. Und der defensive Irrsinn hielt in der Folge an – im Mittelabschnitt fielen gleich viele Tore.

Urdorf schlägt zurück

Die Gäste kamen wie Berserker über die Wings. Mit 5:2 gewannen sie den Abschnitt. Die «Stiere» spielten jetzt intelligent und aufsässig und liessen sich durch nichts von ihrem Weg zum Erfolg abbringen. Das Forechecking, das während der ersten 20 Minuten gefehlt hatte, war der Schlüssel zum Erfolg. Insbesondere gegen die «Saurier-Abwehr» der Wings mit Lolo Bertschmann (45) und Jürg Dietiker (38). Der Zweitgenannte leistete sich in der Überforderung einen schlimmen Fehlpass, Thomas Wigger bedankte sich mit dem 4:4 (22.). In der Folge kassierte Dietiker zwei Strafen, von denen Urdorf eine nutzte: Routinier Sandro Duttweiler schloss zum 6:8 ab.

EHCU beweist Disziplin

Es sprach nichts dafür, dass dies der letzte Treffer der Partie sein sollte. Doch der EHCU bewies im Schlussdrittel, dass er diszipliniert die eigene blaue Linie halten kann. «Das war anstrengend, aber gut. Die Emotionen überbordeten nicht, tipptopp», sagte Sandro Duttweiler keuchend nach der Partie. Cyrill Hruby vermisste die hohen Wellen von einst etwas. «Früher war noch etwas los hier», sinnierte er, nippte an seinem Bier und sagte dann: «Unter dem Dach schlagen wir zurück!» Am 10.Dezember treffen die beiden Teams auf der überdachten Weihermatt in Urdorf aufeinander. Die Rollenverteilung? Gibt es nicht mehr, solange der Irrsinn Regie führt.