Das Wichtigste vorweg: Dietikon hat die Partie gegen den Nachbarn nicht absichtlich abgeschenkt. Der Aufsteiger in die 2.Liga interregional war schlichtweg blutleer und liess sich nach einem guten Start mit einem Pfostenschuss von Dabic (12.) vom leidenschaftlichen Urdorf den Schneid abkaufen – 0:4. FCD-Trainer Goran Ivelj grummelte während der letzten Minuten etwas wie «Das verdirbt die ganze Saison», während wenige Meter nebenan gejubelt wurde.

Urdorf schaffte nach einer fantastischen zweiten Saisonhälfte mit 21 Zählern (Platz zwei in der Rückrundentabelle hinter United Zürich) den noch Anfang April nach drei Niederlagen zum Auftakt kaum mehr für möglich gehaltenen Verbleib in der 2.Liga. In der Endabrechnung sieht das sogar richtig souverän aus: Die «Stiere» belegen mit 32 Zählern Rang acht mit nur fünf Punkten Rückstand auf das fünftklassierte Wiedikon.

Trainer Röbi Rhiner: Der Unabsteigbare

Urgestein Adrian Vogel unkte: «Da haben wir ja sogar zu viele Punkte geholt – wir mussten gar nicht zittern.» Hätte Lokalrivale Dietikon nicht nach 45 Jahren den Aufstieg geschafft, wäre die Urdorfer Auferstehung die herausragende Begebenheit der zu Ende gegangenen Fussballsaison in der Region.

Ein Mann untermauerte dabei seinen Legendenstatus als «Unabsteigbarer»: Trainer Röbi Rhiner, der von 2006 bis 2009 die Dietiker Reserven dreimal en suite in der 3. Liga gehalten hatte. Jetzt ist ihm sein Meisterstück gelungen. Konfrontiert mit den 21 Punkten in der Rückserie wirkte Rhiner geradezu erschrocken: «Das ist ein sehr hoher Wert», sagte er fast etwas demütig. Dass er als letzten Akt dieser Geschichte einer aussergewöhnlichen Leistung seinen früheren Verein Dietikon ohrfeigte, genoss er still.

Urdorfs Mut wird belohnt

Am Morgen hatte er noch mit den Veteranen des FCD gespielt. Zum Schluss verkündete Rhiner wenig überraschend, dass er weitermacht. «Mit dieser geilen Truppe würde ich auch in die 5.Liga gehen», sagte er überschwänglich. Vergessen war seine zögerliche Haltung noch vor Wochenfrist. Eine wichtige Bezugsperson für Rhiner ist der langjährige Co-Trainer Remo Agosti, der mit an Bord bleibt. Das Glück stand dem Duo gestern auch im Unglück Pate: Cedric Ekomo verletzte sich während der ersten Minuten. Der für ihn eingewechselte Mate Batur erzielte das richtungsweisende 0:1 mit einem herrlichen Schlenzer von halbrechts in die entfernte obere Torecke (30.).

Die Geschichte der Partie ist erstaunlich schnell erzählt: Nach dem 0:1 entgegen dem Spielverlauf war die Partie gelaufen. Dietikon fehlte der Biss. Urdorf wurde mutiger und dominierte die zweite Halbzeit phasenweise. Und wieder bewies Trainer Rhiner bei einer Einwechslung ein gutes Händchen: Ronaldo Baumann betrat in der 62. Minute den Platz. Wenig später hämmerte er den Ball an der schlecht postierten Freistoss-Mauer der Dietiker vorbei zum 0:2. Bei den beiden letzten Treffern zeigte Leandro Cicolecchia nochmals seine ganze Klasse als Konterstürmer und verwertete jeweils eiskalt. Man darf gespannt sein, ob der eigentlich zu den Senioren abgewanderte Ex-NLB-Akteur (sechs Saisontreffer) auch in der kommenden Spielzeit ab und zu in die Hosen steigt. Die Dietiker Abwehr inklusive des zuvor so starken Jure Karadza stellte sich besonders beim 0:4 schwach an. Es war ein unwürdiger Abschluss der Gastgeber vor der Rekordkulisse von offiziell 567 Zuschauern, die der hervorragenden Inszenierung des Vereins mit Schlemmen, Supporter-Apéro und Spielen gefolgt waren.

So oder so: Unter dem Strich bleibt eine 2.-Liga-Saison, die in die Geschichtsbücher beider Teams eingeht. Dietikon spielt nach 1966 wieder höher als in der 2. Liga, Urdorf erstmals überhaupt während dreier aufeinanderfolgender Saisons in dieser Spielklasse.