Akrobatik
Unter den Fittichen des «Akro-Gurus»: Dietikons Sportakrobaten trumpfen auf

Seit Anfang Jahr trainieren in Dietikon unter der Leitung von Jörg Stucki eine Handvoll Sportakrobaten. Im Juni gab es bereits den Vize- und Schweizer-Meister-Titel bei den gemischten Paaren der Junioren.

Fabian Kleeb
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Behält alles im Auge: «Akro-Guru» Jörg Stucki (in Blau). Kleeb

Behält alles im Auge: «Akro-Guru» Jörg Stucki (in Blau). Kleeb

«Kein Platz mehr zwischen den Zehenspitzen und der Linie, den Rücken ganz gerade!», so tönt es kurz vor Trainingsbeginn beim Einstehen in der Turnhalle des Zentralschulhauses. Beinahe militärische Disziplin ist gefordert. Stefan Seiler, Trainer des Kunstturn-Nachwuchses, gibt die Anweisungen und leitet das Einturnen. Überall muss die korrekte Haltung eingehalten werden, der kleinste Fehler wird bemerkt und sofort korrigiert. Anschliessend teilen sich die jungen Turner in zwei Felder. In der einen Hallenhälfte trainieren die Kunstturner, auf der anderen die Sportakrobatinnen und -akrobaten.

«Die unermessliche Vielfalt, Eleganz und Dynamik machen die Sportakrobatik so faszinierend», sagt Jörg Stucki, ehemaliger aktiver Sportakrobat und Trainer der seit April existierenden Dietiker Abteilung. «Man turnt gemeinsam mit einem lebendigen Menschen und nicht mit einem toten Gerät», beschreibt Stucki seine Passion weiter.

Sehr engagiert und wohlwollend streng leitet der als «Akro-Guru der Schweiz» bekannte Winterthurer die Trainingseinheit. Dreimal wöchentlich für jeweils zwei Stunden trainieren die Sportakrobaten hart für ihren Erfolg. Wie so häufig hat Dario Speidel (Jg. 1996) heute ein besonders strenges Programm, zumal er gleich mit zwei Juniorinnen trainiert. Einerseits mit Vanja Dunkel (2001), also der Partnerin, mit welcher er den zweiten Platz an den Schweizermeisterschaften holte. Und andererseits bietet der muskelbepackte Speidel Schweizermeisterin Alisha Thaller (2001) die Möglichkeit, mit ihm zu üben, denn ihr Partner Raffael Koch trainiert in Appenzell.

Eigentlich ist es unmöglich, was die Dietiker Sportakrobaten innert wenigen Monaten erreicht haben. Diesen Satz hörte Jörg Stucki häufig in letzter Zeit. Dennoch sagt er rückblickend: «Wir gingen an die Schweizer Meisterschaften, um zu gewinnen.» Mit mehreren, teils ganztägigen Trainingseinheiten am Wochenende, einer Choreografin aus Deutschland, Turngewändern aus Moskau, und von Sportakrobat Dario Speidel geschnittene Musik wurde das Unmögliche geschafft.

Neben den zwei siegreichen Akrobatinnen und Speidel nehmen weitere drei Sportakrobatinnen am Training teil. Sie sind noch etwas jünger aber gleichwohl ehrgeizig und lassen den KTV Dietikon hoffen, dass der Schweizer-Meister-Titel keine Eintagsfliege war. Jörg Stucki möchte mit seinen Schützlingen noch so gerne an einer EM oder WM teilnehmen. «Das Potenzial ist vorhanden, ich schätze die Möglichkeiten auf 50:50», meint er dazu.

Am Ende sind sowohl die Junioren als auch die Trainer total verschwitzt und ausgepumpt. Zwei Stunden intensives Training sind vorüber, Pausen waren selten und dauerten maximal zwei Minuten. Dieser grosse Aufwand wird sich in Zukunft mit Sicherheit bezahlt machen.

Das nächste Mal wird die Truppe von Lehrmeister Stucki an den Zürcher Meisterschaften antreten, anschliessend findet im Mai in Winterthur ein internationaler Wettkampf statt, bei dem möglicherweise die aktuellen Weltmeister dabei sind. Dazwischen ist provisorisch geplant, dass das kleine Team im Februar nach Prag reist, um weitere Wettkampferfahrung zu erhalten.