An diesem Abend sitzt er an einem Tisch im Eingangsbereich der Zentrumshalle in Urdorf. Während Wittwer Rede und Antwort steht, müssen seine Teamkollegen draussen ein Lauftraining absolvieren. „Das mache ich ohnehin nicht so gerne“, sagt Wittwer und lacht.

Der 24-jährige Torhüter kann seinen Körper mittlerweile wieder voll belasten. Das ist für ihn ein grosser Fortschritt angesichts des Kreuzbandrisses, den er sich vor einem Jahr zugezogen hatte. Damals war Wittwer gerade im schwedischen Karlstad angekommen, einer Stadt, die über eine Unihockey-Mannschaft in der höchsten schwedischen Liga verfügt.

Für Wittwer ging damit ein Traum in Erfüllung. Sein Transfer nach Schweden in die weltbeste Liga war ein wahrer Glücksfall. Denn in Schweden geniesst Unihockey einen viel höheren Stellenwert als in der Schweiz. „In Karlstad besuchen im Schnitt 800 Zuschauer die Spiele“, sagt Wittwer. „In anderen Stadien sind es bis zu 3'000.“ Schweden habe im Playofffinal sogar eine Zuschauerrekord aufgestellt: über 18'000 waren bei einer Finalpartie dabei.

Vom hohen Interesse seitens der Zuschauer hatte Wittwer allerdings nicht viel. Denn fünf Tage, bevor die Meisterschaft begann, riss sein Kreuzband. Die Saison war damit gelaufen. Ein harter Schlag für den Torhüter. „Aber dank meines Glaubens wusste ich, wie ich mit solchen Gefühlen umzugehen hatte. Ich vertraute Gott und bekam einen tiefen Frieden“, erinnert sich Wittwer.

Der Badener kehrte in die Schweiz zurück. Und plötzlich wurde ihm bewusst, dass er in Schweden doch einiges vermisst hatte, was ihm hierzulande vor seinem Wegzug wichtig gewesen war. „In Schweden konnte ich zum Beispiel mein Studium in Medien- und Kommunkationswissenschaften nicht fortsetzen“, erinnert sich Wittwer. „Und auch meine Familie fehlte mir. Auch wenn ich für den Sport gern geblieben wäre, freute ich mich auf viele Dinge in der Schweiz.“

Zudem fand Wittwer bei seiner Rückkehr in die Schweiz Gefallen an der Freizeit, die er durch seine Verletzung bekommen hatte. „Ich spiele Unihockey, seit ich acht Jahre alt bin“, sagt er. „So ab 16 ist der Aufwand immer grösser geworden und viel anderes neben dem Unihockey ist oft zu kurz gekommen.“ Er habe sich immer grosse Ziele gesetzt, wollte unbedingt Titel gewinnen und in die Nationalmannschaft kommen. Doch sein Ehrgeiz habe ihn teils auch blockiert. „Ich habe mir damals sehr viel Druck gemacht.

Ich erinnere mich an eine Saison, in der ich mich voll auf Unihockey konzentriert habe“, sagt Wittwer und fügt hinzu: „Es war meine schlechteste Saison überhaupt. Meine Freude am Sport war komplett erfolgsabhängig.“ Ihm habe die nötige Lockerheit gefehlt, so Wittwer. Und die brauche er als Torwart nun mal, damit er gute Leistungen zeigen könne. Heute weiss er mit diesem Leistungsdruck umzugehen. „Ich habe zwar nichts an meinem Ehrgeiz eingebüsst, muss aber nicht unbedingt einen Titel holen, um glücklich zu sein.“, meint Wittwer.

Das wird bei Unihockey Limmattal, wo übrigens auch Jonas’ Bruder Lukas spielt, nächste Saison ohnehin nicht ganz einfach sein. Doch für Wittwer ist Limmattal zurzeit der passende Verein. „Ein wichtiges Kriterium war für mich, dass sie aufgestiegen sind und nun in einer sportlich attraktiven Liga spielen“, sagt Wittwer. „Zudem kenne ich einige Spieler von früher, zum Beispiel Etienne Benz oder Michael Hunziker, der die Mannschaft jetzt trainiert.“ Trotzdem: Worin liegt aus sportlicher Sicht der Reiz, zu einem 1. Liga-Team zu wechseln, wenn man zuvor bei einem Spitzenteam in Schweden unter Vertrag gewesen ist?

„Wir werden als Aufsteiger nächste Saison Aussenseiter sein“, erklärt Wittwer. „Und ich als Torhüter mag die Aussenseiterrolle viel lieber als die Favoritenrolle.“ Wittwer ist guten Mutes, dass Unihockey Limmattal für die eine oder andere Überraschung sorgen wird: „Vermutlich werden uns manche Gegner unterschätzen. Wir jedoch wissen genau, welches Potenzial in uns steckt.“