Die Ausgangslage schien wenig verheissungsvoll. Im dritten und letzten Teil der Qualifikation zählten für Uitikon-Waldegg nur noch Siege. Drei Plätze für die Finalrunde im März waren in Arlesheim noch zu vergeben. Titelverteidiger Adelboden (gesetzt), Genf und Zug waren bereits durch. Neun weitere Teams machten sich Hoffnungen.

«Wir wussten, dass wir jedes Spiel gewinnen müssen», umschreibt Uitikon-Waldeggs Christian Moser die Ausgangslage. Das Team hielt dem Druck stand. Obwohl die Limmattaler sogar noch den Umweg über ein Entscheidungsspiel gehen mussten.

Berner Wochenende

Im ersten Spiel bezwang Uitikon-Waldegg das Team Bern Zähringer II (Skip Michael Schifferli) mit 7:2. Es folgte ein 8:5-Sieg gegen Bern Inter (Stefan Häsler). Es ging weiter mit der Berner Woche: Im vermeintlich letzten Qualifikationsspiel wartete Bern Zähringer I mit Skip Bernhard Werthemann. Uitikon Waldegg brauchte unbedingt einen Sieg, um nach Punkten aufzuschliessen. Beim Stand von 8:8 ging es ins letzte End. Uitikon-Waldegg schrieb zwei Steine und siegte 10:8.

Damit lagen drei Teams punktgleich auf den Rängen vier, fünf und sechs. Doch nur zwei davon dürfen nach Schaffhausen an die Finalrunde fahren. Das Reglement schreibt für diesen Fall ein Entscheidungsspiel, ein sogenanntes Tiebreak, vor. In diesem standen sich erneut Uitikon-Waldegg und Bern Zähringer I gegenüber.

Übernachtung im Hotel als Belohnung

Spät in der Nacht war das Husarenstück vollbracht: Uitikon-Waldegg bezwang Zähringer I, das nur noch mit drei Spielern angetreten war, erneut. Diesmal mit 7:4. Die Freude war derart gross und die Zeit so weit fortgeschritten, dass sich das Team spontan für eine Übernachtung im Hotel entschied.

Uitikon-Waldegg spielte in Arlesheim mit Jean-Nicolas Longchamp als Skip, Manuel Ruch als Third, Mathias Graf als Second und Christian Moser als Lead. Die Qualifikation für die Finalrunde (3. bis 9. März) ist ein beachtlicher Erfolg. Die Mitstreiter um den Meistertitel besitzen allesamt Profi oder Halbprofi-Status, werden entsprechend gefördert und bestreiten internationale Turniere.

«Die Qualifikation für die Finalrunde wird immer schwieriger», sagt Moser, «früher durften noch zehn Teams antreten, heuer sind es nur noch sechs. Für uns ist das ein Riesenerfolg.» Ein Erfolg, der in der letzten Saison verwehrt blieb.

Keine Chance auf EM oder WM

In Schaffhausen kann Uitikon-Waldegg unbelastet antreten. «Wir wollen einfach so viele Spiele wie möglich gewinnen», sagt Moser, und fügt an: «Es wäre vermessen, von einer Medaille zu sprechen.» Selbst wenn Uitikon-Waldegg Schweizer Meister würde, könnte das Team die Schweiz nicht an internationalen Titelkämpfen wie EM oder WM vertreten. Dazu fehlen Uitikon-Waldegg, im Gegensatz zu den fünf Konkurrenten, die notwendigen Punkte aus internationalen Turnieren.

Und dennoch: Schaffhausen ist ein gutes Pflaster für die Limmattaler. Im November holten sie an der IWC-Trophy Rang zwei, ein Jahr zuvor sogar den Sieg. Vielleicht gelingt ja ein weiteres Husarenstück.