Spiel des Lebens
Überraschung auf dem Zimmer - «das traf mich völlig unvorbereitet»

Sprinter Steven Gugerli aus Urdorf über seinen ersten Einsatz für die Schweizer Staffel über 4×100 Meter im Jahr 2012 in Finnland.

Raphael Biermayr
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Steven Gugerli (beim Zentrum in Urdorf) mit einer Abbildung vom Staffelhalbfinal an der EM 2012.

Steven Gugerli (beim Zentrum in Urdorf) mit einer Abbildung vom Staffelhalbfinal an der EM 2012.

«Beim Morgenessen im Hotel hatte ich das Gefühl, dass ich nicht laufen würde später. Im Gegensatz zu den anderen Läufern hatte ich keinerlei internationale Erfahrung. Der Trainer fragte, wie wir uns fühlten. Natürlich sagten alle: gut. Er sagte, wir sollten aufs Zimmer gehen, er müsse sich noch Gedanken zur Aufstellung machen und uns die Entscheidung später mitteilen.

Auf dem Zimmer unterhielten Rolf Malcolm Fongué und ich uns über die Situation. Auch da ging ich davon aus, dass der Trainer Rolf laufen lassen würde, damit wir das Minimalziel an diesen Europameisterschaften, den Final, sicher erreichten. Dann kam der Trainer zu uns aufs Zimmer und sagte: ‹Steven, du läufst.› In diesem Moment spürte ich eine krasse Nervosität – das traf mich völlig unvorbereitet.

Meine Gedanken kreisten um die Fragen: Wie werde ich mich verhalten? Kommt es gut? Im Hotel und auf der Fahrt auf den Einlaufplatz dachte ich noch darüber nach. Kaum angekommen, war jede Nervosität verschwunden, die Konzentration und die gewohnten Abläufe setzten sofort ein. Klar, der Druck war deutlich höher als bei einem Wettkampf in der Schweiz. Aber letztlich ist es immer derselbe Job auf der dritten Position in der Staffel: Den Stab nehmen, laufen, den Stab weitergeben.

Das Stadion in Helsinki war erstaunlich gut gefüllt, die finnischen Fans gingen ziemlich ab. Wahrscheinlich auch, weil der Gastgeber selbst eine Staffel stellte. Der Lauf gelang uns problemlos. Wir erreichten den Final als Zweite hinter Deutschland souverän, ich hatte meinen Job gut gemacht.

Im Gegensatz zu den andern war ich Newcomer und rutschte erst spät in das Staffelprojekt. Deshalb war ich noch nicht richtig in diesem Team integriert. Doch nach diesem Lauf wussten die Jungs, dass sie sich auf mich verlassen konnten.»