Schlierens Trainer Paul Schärer mochte sich nach der Partie gegen Engstringen am Samstag nicht äussern. «Fragen Sie den Schiedsrichter», meinte er und spielte damit auf die Leistung des Unparteiischen an, die seiner Meinung nach ungenügend gewesen war. Richtig ist: Einige Entscheide fielen tatsächlich zuungunsten des Heimteams aus. So nach einer halben Stunde, als der Schlieremer Emanuele Preite nach einem Zweikampf mit Engstringens Cyrill Schmid im Strafraum zu Fall kam, der Schiedsrichter aber weiterlaufen liess. Oder in der 51. Minute, diesmal mit Salvatore Lombardo, der aufs Engstringer Tor zustürmte und dann nach einem Rencontre mit dem Engstringer Pascal Köstli fiel – eine Aktion, die von der Seitenlinie eher nach Foulspiel aussah, doch auch hier blieb die Pfeife des Schiedsrichters stumm.

Allerdings hatten die Schlieremer in diesem hart umkämpften, aber insgesamt fairen Derby auch zahlreiche Chancen liegen lassen. Etwa nach einer Stunde, als Preite, dem an diesem Abend zwei Treffer gelangen, den Ball knapp neben das Tor setzte. Oder eine Viertelstunde vor Schluss, als Captain Lukas Baur allein vor Engstringens starkem Schlussmann Andreas Bader vergab. Zudem schwächten sich die Schlieremer selbst. So wurde José Pedro Magalhaes des Feldes verwiesen, nachdem er seinem Gegenspieler den Ball angeworfen hatte. «Das war eine klare rote Karte», fand Baur und fügte hinzu: «Damit haben wir uns selbst aus dem Spiel genommen.»

Und so wollte Baur denn gar nicht erst dem Schiedsrichter die Schuld für die Niederlage in die Schuhe schieben. «Wir wussten, dass Engstringen eine starke Truppe hat», sagte er. «Der Engstringer Sieg geht in Ordnung.»

Ein Sieg, der für Roger Balmer den perfekten Einstand in der Meisterschaft bedeutete. Gegen Schlieren hatte der Trainer die Engstringer zum ersten Mal in der Liga gecoacht, nachdem er sie vergangene Woche im Cup gegen Langnau a/A in seiner ersten Partie zum Sieg geführt hatte. Dass er seinen ersten Ligasieg gleich im Derby feiern konnte, war ihm allerdings gleichgültig. «Mir ist es ziemlich egal, gegen wen wir spielen», sagte er. «Hauptsache, wir holen die Punkte.»

Und die brauchen die Engstringer dringend. Zuvor hatten sie nämlich in drei Partien nur einen Punkt geholt. Dass sie jetzt ausgerechnet in Schlieren ihren ersten Sieg feiern konnten, dürfte auch mit Balmers Trainingsplan zu tun haben. «Ich lege den Fokus darauf, dass sie kompakter stehen und eine hohe Laufbereitschaft zeigen», sagte der Engstringer Trainer. «Und das hat gegen Schlieren geklappt. Wir sind viel gelaufen.» Hinzu kam, dass die Engstringer vor dem gegnerischen Tor kaltschnäuziger agierten als zuletzt. So erzielten Cristiano Da Silva Fernandes mit seinem Heber und Doppeltorschütze Pascal Meier mit zwei Kontertoren aus wenigen Chancen drei Treffer.

Balmer wusste um das Potenzial

Diese sehenswerten Treffer seiner Mannschaft machten Balmer sichtlich stolz, der die Übernahme der ersten Engstringer Mannschaft als «grossen Reiz» bezeichnete: «Ich habe das Team natürlich schon vorher beobachtet und konnte sehen, dass es ein grosses Potenzial hat.» Zudem hätten ihm die Verantwortlichen gezeigt, dass sie unbedingt mit ihm zusammenarbeiten wollten, was ihn dann auch überzeugt habe.

Trotz der drei Punkte gegen Schlieren: Balmer hatte auch noch das eine oder andere zu bemängeln im Spiel seines Teams. «Wir haben viele Fehlpässe gespielt», monierte er, «und auch die Angriffsauslösung ist uns nicht so gut gelungen.» Und auch wenn seine Mannschaft das Derby gegen Schlieren gewonnen hatte, mochte er nicht euphorisch werden: «Wir haben noch viel Arbeit vor uns.»