Leichtathletik
Trainer von Amaru Schenkel: «Das Richtige gut machen»

Der Trainer von Amaru Schenkel blickt auf Olympia zurück. Er sieht für seinen Athleten vor allem Chancen in der Distanz über 200 Meter. Schenkel selbst zieht jedoch die Disziplin über 100 Meter vor.

Christoph Merki, London
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Sprinter Amaru Schenkel (Archiv)

Sprinter Amaru Schenkel (Archiv)

Keystone

Das enttäuschende Abschneiden des Dietikers Amaru Schenkel an den Olympischen Spielen mit dem Ausscheiden nach dem Vorlauf über 200 Meter warf Fragen auf. War eine mentale Blockade der Grund für seine Blockade im Oberschenkel? Bekannt für seine Vorliebe für Spektakel, liess der 24-Jährige nach dem Rennen unmissverständlich durchblicken, dass er eigentlich die Distanz über 100 Meter vorziehen würde, sich in Zukunft auch lieber darauf konzentrieren wolle. Den A-Wert für die aufmerksamkeitsstärkste Disziplin hatte er nur um eine Hundertstelsekunde verpasst, den B-Wert folglich geschafft.

Sein Trainer Laurent Meuwly spricht Klartext: «Um überhaupt Chancen zu haben, an der Spitze mitzureden, muss eine Zeit unter 10 Sekunden her.» Schenkels persönliche Bestleistung liegt momentan bei 10,19 Sekunden, die zweitschnellste je gelaufene Zeit eines Schweizers. «Klar ist die Distanz über 100 Meter die Königsdisziplin und es ist mehr Testosteron im Spiel. Doch es hatte keinen einzigen Europäer im Final in London», gibt Meuwly weiter zu bedenken.

Meuwly bevorzeugt die 200 Meter

Anders über 200 Meter. Hätte Schenkel seine persönliche Bestleistung von 20,48 Sekunden um 11 Hundertstel unterboten, wäre er im olympischen Final gewesen. «In dieser Disziplin ist die Dichte weniger gross und somit die Chance auf eine gute Platzierung besser», weiss Meuwly. Ginge es nach ihm, würden zukünftig klar die 200 Meter im Vordergrund stehen. «Amaru hat bewiesen, dass er gute Zeiten laufen kann, jetzt muss der Fokus weg von der Zeit und auf Podestplätze gelegt werden. Meiner Meinung nach ist über 20 0Meter mehr möglich», fügt Meuwly an, «aber nur, wenn sich Amaru darauf einstellen kann.»

Bis anhin sei das Training als Kompromiss für beide Distanzen gestaltet worden. Jedoch gibt es im Vergleich zu den Frauen mit bis zu 70 Prozent bei den männlichen Athleten nur wenige, welche auch in beiden Distanzen an der internationalen Spitze dabei sind. Schenkel kann in beiden Disziplinen dereinst die schnellsten Zeiten eines Schweizers laufen, auf der internationalen Bühne sieht die Sache aber ein wenig anders aus.

«Im Training und in der Vorbereitung ist Amaru sehr konsequent, jetzt muss er noch bei der Fokussierung des Ziels konsequent werden», lässt Meuwly seinen Standpunkt betreffend der Disziplinenwahl durchschimmern. Auf Schenkels Äusserung an den EM in Helsinki, er fühle sich so gut in Form, dass er alles erreichen könne, habe der Coach zu ihm gesagt: «Ich weiss, dass du in Form bist, jetzt musst du nur noch das Richtige gut machen.»

Das Gespräch suchen

Dieses Jahr wird der Dietiker noch in Lausanne in der Distanz über 200 Meter sowie in Zürich und Berlin über 100 Meter an den Start gehen. Danach müsse das Gespräch gesucht werden. «Wir haben bis anhin immer gute Gespräche gehabt, das ist auch wichtig, dass es überhaupt funktioniert», hält Meuwly fest, er sei überzeugt, einen Konsens zu finden.

Letztlich sei die Strategie die letzte Hürde, um den Schritt an die Spitze erfolgreich meistern zu können. Hinsichtlich der Europameisterschaften des Jahres 2014 in Zürich gibt es sodann nur ein Ziel: einen Podestplatz. Stellt sich nur die Frage, in welcher der beiden Disziplinen.