Blick über die Bezirksgrenze
Tim und Nick wollen hoch hinaus: Die Watter Brothers auf Kurs

Die Boardercross-Talente Tim und Nick Watter konnten sich in der letzten Saison auf höchsten Niveau etablieren. Der ältere Bruder Tim war gar Teilnehmer an den Olympischen Spielen in Sotchi. Zusammen wollen sie an Olympia 2018 voll durchstarten.

Irene Müller
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Der diesjährige Olympia-Teilnehmer Tim Watter (links) und sein Bruder Nick Watter sind bereit für die Saison.

Der diesjährige Olympia-Teilnehmer Tim Watter (links) und sein Bruder Nick Watter sind bereit für die Saison.

Irene Müller

Beide skaten und snowboarden für ihr Leben gern und haben laut Trainer auch noch denselben Fahrstil. Nein, Tim und Nick Watter aus Hausen am Albis sind keine eineiigen Zwillinge, man sieht ihnen nicht einmal zwingend die Familienzugehörigkeit an. Trotzdem verbindet die beiden Brüder über die Freundschaft hinaus eine grosse Leidenschaft zum Boardercross.

Beide fahren mittlerweile auf hohem internationalem Niveau und haben noch viel vor. Tim, der ältere der Brüder, konnte sich dieses Jahr trotz Probleme mit dem Knie sogar für die Olympiade in Sotschi qualifizieren und verpasste dort nur mit Pech den Viertelfinal. Vor zwei Jahren hatte sich der mittlerweile 22-Jährige im letzten Rennen der Saison eine Verletzung im Knie zugezogen, die ihm seither immer wieder Mühe bereitete. Diesen Juni noch unterzog er sich der voraussichtlich letzten Operation und hofft jetzt auf eine erfolgreiche Saison, in der er sich im Weltcup wieder vorarbeiten kann. Obwohl er in der letzten Saison trotz ständiger Trainingsunterbrüche alles andere als den Anschluss verloren hatte, rechnet er dieses Jahr noch nicht mit einem Podestplatz. «Das Ziel ist es, bis zwei Jahre vor den nächsten Olympischen Spielen zuvorderst mitfahren zu können, vorher ist das noch eher unrealistisch.»

Auch der fast vier Jahre jüngere Nick Watter möchte sich demnächst in der Weltcup-Klasse etablieren. Bisher startete er «nur» an interkontinentalen Rennen.

Tim Watter im Interview.

Nicht in die Wiege gelegt

Man könnte denken, die Familie Watter sei eine total snowboardverrückte Familie, in der man die Kinder, sobald sie gehen konnten, auf das Schneebrett gestellt hatte. In Wahrheit war es aber der junge Tim, der mit zarten sechs Jahren beim Vater zu quengeln begann, er wolle unbedingt Snowboard fahren. Da die Eltern selbst keine Ahnung davon hatten, schickten sie ihn in die Snowboardschule, wo Tim bereits zum ersten Mal auffiel. Sein Leiter riet ihm damals, er solle mindestens zwei Wochen im Jahr in den Schnee und ja nicht aufhören mit dem Snowboarden.

Es hat sich für ihn ausgezahlt. Zuerst im Freestyle Team, konnte er sich Tim mit 16 Jahren überraschenderweise für die Junioren Olympiade im Boardercross qualifizieren. Als er letzte Saison an den Winterspielen in Sotschi teilnehmen durfte, war das ein riesiges Highlight für ihn: «So eine Piste bin ich noch nie gefahren. Man hatte keine Sekunde, in der man sich mal sammeln und kurz geradeaus fahren konnte. Es kam ein Element nach dem anderen und die Sprünge waren riesig.»

Nick Watter im Interview.

Der Bruder als Vorbild

Ob es den jüngeren Nick nervt, (bis anhin noch) ständig im Schatten des Bruders zu stehen? «Es war vor allem schon immer ein Ansporn, dem grossen Bruder bei den Rennen zuzuschauen. Ich habe immer alles bei ihm abgeschaut und wollte unbedingt so gut werden wie er», so Nick. Dass sie nun öfters zusammen an Wettkämpfen teilnehmen, finden beide überhaupt nicht seltsam, sondern freuen sich sehr darüber. «Wenn wir vor einem Rennen im Stress sind, helfen wir einander, das Material vorzubereiten. Wir funktionieren dann wie im Team», so Nick, «Auch während des Rennens ist es witzig, mit Tim zu fahren, weil wir uns dann immer gegenseitig aufstacheln.» Und Tim fügt hinzu: «Ich fahre gerne mit Nick. Wir können uns gut gegenseitig motivieren und anspornen.»

Die Gebrüder Watter ergänzen sich optimal.

Watter-Duell im Final

Beide Brüder träumen davon, an den nächsten Olympischen Spielen ganz vorne mitfahren zu können. «Das Allergrösste wäre natürlich zusammen einen WM-, oder Olympia-Final bestreiten zu dürfen», sind sich die Zürcher einig. Bisher war das schon einmal an den Schweizer Meisterschaften der Fall. Aber auch da haben sie sich nichts geschenkt, denn beide wollten den Sieg. Eine Ausnahme betont Tim aber: «Wenn Nick beispielsweise unbedingt einen gewissen Rang für eine Qualifikation erreichen müsste, dann würde ich ihn gewinnen lassen.»

In der in loser Folge erscheinenden Rubrik «Blick über die Bezirksgrenze» stellt die LiZ Sportler sowie Vereine aus der Nachbarschaft vor.