Fussball-Provinzposse in Dietikon: Es geht um gestohlenes Material, nicht ausbezahlte Spielprämien und Vertrauensmissbrauch. Dabei spielte einer der Hauptakteure einst bei GC mit Grössen wie Richard Nuñez, Mladen Petric, Ricardo Cabanas und Stephan Lichtsteiner zusammen. Der Nigerianer Alfred Emuejeraye gilt in der Saison 2003/2004 mit zwanzig Jahren als eines der grössten Stürmer-Talente Afrikas. Damals sagt er zum «Tages-Anzeiger»: «Der Hardturm ist für mich nicht mehr als ein Stopp, um nach Spanien oder in eine andere grosse Liga zu kommen.» Jetzt streitet er mit dem 2. Liga-interregional-Klub FC Dietikon um 1600 Franken.

Spesen oder mehr?

«Der FC Dietikon schuldet mir vier Spielprämien. Ich wurde für den Oktober nicht bezahlt», sagt Alfred. «Deshalb habe ich den Klub verlassen.» «Das stimmt nicht», entgegnet FCD-Sportchef Pietro Iellamo. «Ich habe keine Ahnung, was er da erzählt. ‹Herr Alfred› hat sich nicht korrekt verhalten. Er hat plötzlich gesagt, er sei Profi und müsse einen Lohn bekommen. Ich habe ihm dann klargemacht, dass der FC Dietikon keine Löhne zahlen kann. Er kam nicht mehr ins Training und war unauffindbar. Nicht mal sein Berater hat ihn noch erreicht.»

Pietro Iellamo: «Der FC Dietikon kann keine Löhne bezahlen.»

Pietro Iellamo: «Der FC Dietikon kann keine Löhne bezahlen.»

Die ursprüngliche Abmachung sei deutlich weniger üppig gewesen: «Wir hatten mit ihm einen Vertrag. Wir bezahlen ihm ein Abonnement für den Zug und Spielprämien», sagt der FCD-Sportchef. Er beziffert diese auf weniger als hundert Franken. Alfred dagegen spricht von einem Betrag zwischen 300 und 400 Franken pro Match. Iellamo sagt: «Es ist möglich, dass noch Spielprämien offen sind. Aber Alfred ist einfach gegangen und er hat Material im Wert von etwa 1000 Franken nicht zurückgebracht.» Damit konfrontiert kann sich Alfred nur an ein Leibchen erinnern: «Das bringe ich ihm am Donnerstag zurück, wenn er es haben will.»

Alfred ist wohl einer der einzigen 2. Liga-Kicker mit eigenem Fanvideo.

Jetzt spielt er beim Rakitic-Klub

Seit März spielt Alfred für den NK Pajde aus Möhlin, der vom Vater des FC-Barcelona-Spielers Ivan Rakitic präsidiert wird. Der Nigerianer sagt: «Ich würde zwar lieber beim FC Dietikon spielen, weil ich in Spreitenbach wohne und es für mich näher wäre.» Am Samstag traf Dietikon ausgerechnet auf Pajde, Alfreds neue Mannschaft musste sich dabei gleich mit 2:5 geschlagen geben. Nach dem Spiel herzen sich Alfred und sein ehemaliger Trainer Goran Ivelj. Dieser scherzt: «Alfred, mein Freund! Wenn wir dich hätten, würden wir alles gewinnen!» Die Herzlichkeit überrascht: Laut Alfred musste Pajde 1000 Franken Ablösesumme an Dietikon bezahlen. Der FCD-Sportchef bestätigt die Summe nicht, lässt aber durchblicken, dass er Geld von Pajde bekommen hat.

Goran Ivelj kann immer noch gut mit Alfred.

Goran Ivelj kann immer noch gut mit Alfred.

Einst verletzte er Ricardo Cabanas

Dabei gab es Zeiten, in denen Alfred das Zweihundertfache wert war. 2003, als GC letztmals Meister wurde. Als «Stinkstiefel», also als schwierig zu führender Spieler, gilt er bereits damals. Im Probetraining grätscht er den damaligen Captain Ricardo Cabanas um und erhält vom Boulevard den Spitznamen «Test-Rüpel». Einen Vertrag erhält er trotzdem, doch das Gastspiel dauert nur drei Monate. Grund: Alfred verweigert die Einwechslung durch den damals gesperrten Marcel Koller. Die Anweisung erhält er vom damaligen Assistenten und heutigen Interimscheftrainer des Rekordmeisters: Carlos Bernegger.

Unstete Karriere

Später sollen er und drei weitere Spieler den nigerianischen Fussballverband vor dem Final eines U23-Turniers erpresst haben. Sie würden nur auflaufen, wenn sie je 4000 Dollar erhielten. Alfred spielt danach in Singapur, China, Wohlen oder Rapperswil. Lange bleibt er nie. Alfred ist heute 34 Jahre alt. Der Hardturm ist tatsächlich nur ein Stopp. Aber ein ganz anderer als in seinen Träumen.