Curling
Thomas Lips ist der Hoffnungsträger der deutschen Curler

Zwei Jahre lang hat der Urdorfer Thomas Lips erfolgreich das Russische Frauenteam trainiert. Doch wegen unterschiedlichen Zukunftsvorstellungen wurde die Zusammenarbeit beendet und Lips hat in Deutschland angeheuert.

Fabio Baranzini
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Ein Bild aus vergangenen Zeiten: Thomas Lips als Coach der Russinnen.

Ein Bild aus vergangenen Zeiten: Thomas Lips als Coach der Russinnen.

KEYSTONE

Die Olympischen Spiele in Sotschi. Sie waren das grosse Ziel von Thomas Lips, dem damaligen Trainer der Russischen Frauennationalmannschaft. Extra für diesen Event war der Urdorfer 2012 verpflichtet worden. Er sollte die Russinnen zu ernsthaften Medaillenanwärterinnen machen. Das ist ihm gelungen, denn unter seiner Leitung holte das Team von Skip Anna Sidorowa den EM-Titel und die Goldmedaille an der Universiade. Doch ausgerechnet beim Höhepunkt im eigenen Land wollte es nicht klappen. Die Russinnen belegten nur den neunten Platz unter zehn Nationen. «Wir haben eigentlich gut gespielt, aber unsere Fehler hatten jeweils gravierende Auswirkungen. Unser Ziel haben wir in Sotschi klar nicht erfüllt», blickt Lips zurück.

Die Russen wollten Lips behalten

Kurz darauf kam es zum Gespräch mit dem Russischen Verband. Es ging um die Frage, ob der Vertrag mit Lips, der Ende Februar ausgelaufen wäre, um einen Monat verlängert wird, damit der 44-Jährige sein Skip auch an der WM noch betreuen kann. Das Arbeitsverhältnis wurde verlängert und Lips holte mit den Russinnen die Bronzemedaille – die erste Curling-WM-Medaille überhaupt für Russland.

Nach der WM gingen die Vertragsverhandlungen in die zweite Runde. «Die Russen wollte unbedingt weiter mit mir zusammenarbeiten und haben mir einen Vertrag vorgelegt», erzählt Lips. Er sei mit einigen Punkten nicht ganz einverstanden gewesen und habe einen Gegenvorschlag präsentiert, so der Urdorfer weiter. Doch auf diesen Vorschlag wollten die Russen nicht eingehen. «Es lag nicht am Geld, sondern an den Vorstellungen über die künftige Ausrichtung des Curlingsports. Die Russen denken zu kurzfristig, immer nur von einem Grossanlass zum nächsten, und planen nicht über vier Jahre hinaus. Das ist meiner Meinung nach der falsche Ansatz», erklärt der Limmattaler.

Damit war klar, dass die – ausgenommen von den Spielen in Sotschi - sehr erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen Thomas Lips und den Russischen Curlerinnen zu Ende geht. Lange musste der Erfolgstrainer, der als aktiver Spieler drei EM-Medaillen gewonnen hatte, aber nicht auf ein neues Angebot warten. Der Deutsche Curlingverband, mit dem Lips seit längerem in Kontakt stand, klopfte an: Als Bundestrainer soll Thomas Lips die Deutschen in einigen Jahren wieder an die Weltspitze führen. Ein langfristiges Engagement also, das den Geschmack des 44-Jährigen traf. «Ich spürte genau, was der Verband will, und das deckte sich mit meinen Vorstellungen.»

Entscheid steht noch aus

Damit war der Entscheid gefallen: Thomas Lips wird ab sofort die deutschen Curling-Nationalteams der Männer und Frauen betreuen. Die Trainerjobs beim dänischen und südkoreanischen Verband, für die sich Lips ebenfalls beworben hatte, sagte er ab. Ob er in Deutschland allerdings tatsächlich längerfristig als Trainer arbeite kann, ist noch nicht ganz klar. Vorerst hat Lips einen Vertrag bis Ende Jahr unterschrieben, da die Zukunft des Curlingsports in Deutschland noch nicht gesichert ist. Erst im Oktober entscheidet der Deutsche Olympische Sportbund, ob der Curlingsport im Hinblick auf die Spiele in Pyeongchang 2018 unterstützt wird oder nicht. «Ich kann mir eigentlich nicht vorstellen, dass eine Wintersportnation wie Deutschland den Curlingsport einfach so absägt. Aber man weiss ja nie», äussert sich Lips vorsichtig.

Dennoch ist er guten Mutes, dass seine Zukunft in Deutschland liegen wird. Die Aufgabe reizt ihn, denn erstmals wird er kein Spitzenteam trainieren, sondern hat die Möglichkeit, ein solches zu formen. «Meine Aufgabe ist daher eine ganz andere. Ich muss viel mehr an den Grundlagen arbeiten», sagt Thomas Lips.

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