Olympische Spiele
Tanja Schärer: «Ich weiss, dass es nicht gut kommt, wenn ich nervös bin»

Skiakrobatin Tanja Schärer ist trotz ihrer Verletzung guten Mutes nach Sotschi gereist. Die Urdorferin konnte sich während der letzten Wochen unbehelligt im Trainingslager im finnischen Ruka auf das konzentrieren, was ihr das Liebste ist: Springen.

Raphael Biermayr
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Skiakrobatin Tanja Schärer will in Sotschi ein Diplom erspringen.

Skiakrobatin Tanja Schärer will in Sotschi ein Diplom erspringen.

KEYSTONE

Wer sich für die Olympischen Spiele qualifiziert hat, steht im Rampenlicht. Ob er das will oder nicht. Die Urdorferin Tanja Schärer kam damit zwar schon 2010 in Berührung. Dieses Mal hat das Interesse aber weit grössere Dimensionen angenommen. Der Grund ist eine Trainingsverletzung und die damit verbundene widersprüchliche Kommunikation. Zunächst hiess es von Verbandsseite, ihr Fuss sei gebrochen. Das wäre wohl gleichbedeutend gewesen mit dem Aus für Olympia. Über die dann einsetzende Dynamik wunderte sich Schärer, die mit ihren Kollegen im Weltcupalltag meistens ein Schattendasein fristet. Sie weiss bis heute nicht, wie ein Onlineportal herausgefunden hat, dass Entwarnung gegeben werden konnte, kaum, dass sie mit einem Spezialisten gesprochen hatte. Sie erkannte, dass man ab einem gewissen Grad nicht mehr dafür verantwortlich sein kann, was über einen verbreitet wird.

Gefroren im Trainingslager

Ein positiver Effekt des medialen Gewitters: Es verzieht sich schnell. Die 24-Jährige konnte sich während der letzten Wochen unbehelligt im Trainingslager im finnischen Ruka auf das konzentrieren, was ihr das Liebste ist: Springen. Denn die Verletzung hat sich als Absplitterung am unteren Wadenbeinknochen herausgestellt, womit sie ihren Fuss stets voll belasten konnte. Psychisch habe sie ohnehin nie Probleme gehabt, Gespräche mit ihrem Mentaltrainer seien rein unterstützender Natur gewesen. «Mental ging es mir immer gut», hält sie fest. Dennoch habe sie der erste Versuch an der Schanze im Trainingslager Überwindung gekostet. «Nachdem alles gut gegangen war, dachte ich nicht mehr an den Fuss», schildert sie. Tapes von der Physiotherapeutin sorgen für die nötige Stabilität. Nur gegen die Kälte konnten die nichts ausrichten: Bei minus 25 Grad war der Spassfaktor zwischen den Sprüngen gering.

Überhaupt nicht nervös

Solche Temperaturen werden die Skiakrobaten in Sotschi kaum erwarten. Am Donnerstag flog das komplette Freestyle-Team in Richtung Schwarzes Meer. Nervosität verspürte Tanja Schärer am Vortag «überhaupt nicht», was sie als gutes Zeichen wertet: «Aus Erfahrung weiss ich, dass es nicht gut kommt, wenn ich nervös bin.» Ihr Ziel ist ein Diplomrang, also eine Klassierung in den ersten acht. Vor rund einem Jahr wurde sie im Weltcup an der Hauptprobe im Sotschi Dritte. Auf die Frage, ob eine solche Platzierung angesichts der erwartungsgemäss höheren Schwierigkeit der Sprünge kein Thema ist, entgegnet sie: «Eine Medaille ist grundsätzlich immer das Ziel.» Schärer selbst will einen schwierigeren Sprung mit drei Schrauben zeigen.

Längere Aufenthaltserlaubnis

Am 14. Februar gilt es für die Profisportlerin ernst. Sie ist die einzige Frau im Skiakrobatikkader. Drei Tage später sind die Männer an der Reihe. Vor vier Jahren hätte die Urdorferin vorher abreisen müssen, wegen der sogenannten 48-Stunden-Regel. Diese besagt, dass man nicht länger als zwei Tage nach dem letzten eigenen Wettkampf im olympischen Dorf bleiben darf. Diese Regel gelte immer noch, sagt Schärer, doch sie habe bis zum 20. Februar die Aufenthaltserlaubnis. «Weil wir auch sonst immer als Team unterwegs sind, darf ich die Jungs anfeuern gehen», erklärt sie.

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