Tennis
Talent Nathan Schmid: Noch ein wenig Sand im Getriebe

Der 18-jährige Aescher Nathan Schmid steht mit Horgen mitten in seiner ersten NLB-Interclubsaison. Als N3-Spieler figuriert man in dieser Liga normalerweise auf den hinteren der sechs Einzelpositionen. Nicht so bei den Zürchern: Schmid ist die Nummer 2.

Fabio Baranzini
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Nathan Schmid ist bei seinem Verein Horgen an Nummer zwei gesetzt – Chance und Bürde zugleich. Foto: fba

Nathan Schmid ist bei seinem Verein Horgen an Nummer zwei gesetzt – Chance und Bürde zugleich. Foto: fba

Egal, ob man in der Halle oder auf Sand spielt, Tennis bleibt Tennis, könnte man denken. Doch das stimmt nicht ganz. Der Wechsel von den schnellen Hallenbelägen auf die langsame rote Asche ist eine Umstellung, die von vielen unterschätzt wird. Man muss auf Sand nicht nur anders laufen, weil man auf dieser Unterlage rutschen kann. Die ganze Spielweise verändert sich. Die Ballwechsel in der Halle sind im Schnitt nach drei oder vier Schlägen vorbei. Auf Sand muss man damit rechnen, dass die Ballwechsel doppelt so lange dauern. Entsprechend ist das Spiel auf Sand eine grosse körperliche Herausforderung und bietet, weil deutlich mehr Bälle geschlagen werden, viel mehr taktische Optionen. Slicebälle, Winkelschläge und viel Drall sind äusserst effektive Waffen auf Sand.

Seit Mitte April trainiert Nathan Schmid beinahe täglich auf der roten Asche, um sich möglichst schnell an die neue Situation anzupassen. «Das ist nicht ganz einfach, denn ich bin ein sehr offensiver Spieler, der schnell den Punkt sucht. Daher muss ich mich ein wenig zur Geduld zwingen», meint er. Schmid verbrachte zwei Wochen in Trainingslagern im Süden Europas. Zuerst in Nizza, dann in Albarella. Zurück in der Schweiz, musste er sich erst an die garstigen Wetterbedingungen gewöhnen. «Natürlich war es nicht immer schön. Aber das ist keine Entschuldigung, nicht auch bei acht Grad und leichtem Regen draussen zu trainieren», sagt er.

Schliesslich musste Schmid, der sich in der Wintersaison um beinahe 100 Plätze verbessern konnte und neu die Nummer 51 der Schweiz ist, so schnell wie möglich in guter Form sein. Am ersten Maiwochenende begann die neue Interclub-Saison – die ist für den jungen Limmattaler eine besondere Herausforderung. Zum ersten Mal spielt er in der zweithöchsten Schweizer Spielklasse.

NLB-Aufsteiger Horgen hat Schmid als Verstärkung verpflichtet. Als N3-Spieler figuriert man in dieser Liga normalerweise auf den hinteren der sechs Einzelpositionen. Nicht so in Horgen. Die Zürcher Equipe ist eines der nominell schwächsten Teams der Liga und so spielt Schmid auf Position zwei. «Als Nummer zwei zu spielen, hört sich super an. Doch es ist auch schwierig, denn die Gegner sind enorm stark», bilanziert Schmid nach den ersten beiden Runden.

Er spielte gegen Riccardo Sinicropi (ATP 575) und gegen Andriej Kapas (ATP 627). Beide Male schlug er sich achtbar. Zu mehr als ein paar Games reichte es jedoch nicht. Auch im Doppel konnte der 18-Jährige noch keinen Punkt holen. «Wenn du gegen so starke Gegner spielst, ist es extrem schwierig, den Rhythmus zu finden. Gerade wenn die Umstellung auf Sand noch nicht ganz geklappt hat», erklärt er.

Am bevorstehenden Wochenende spielt Schmid mit Horgen gegen die Old Boys Basel. Es ist ein wichtiges Heimspiel für Horgen, denn es geht darum, sich eine möglichst gute Ausgangslage für die entscheidende Phase der Saison zu verschaffen. Mit einem deutlichen Sieg wäre gar noch der zweite Gruppenrang möglich. Realistisch betrachtet wäre es aber bereits ein grosser Erfolg, wenn Horgen die momentan vor ihnen liegenden Basler überholen könnte. «Wir wussten, dass es eine sehr schwierige Saison werden würde. Dennoch wollen wir den Ligaerhalt schaffen», sagt Schmid, der neben seinen Einsätzen für Horgen parallel noch in der deutschen Meisterschaft engagiert ist.

Nach der Interclubsaison geht es für den Aescher weiter mit nationalen Preisgeldturnieren und der Schweizer Junioren-Meisterschaft Mitte Juli. «Dort will ich den Titel holen», sagt der Vizemeister des vergangenen Jahres.