«Von all den sieben Jahren, seit ich die Mannschaft trainiere, ist dieses das schlimmste», beklagt Goran Ivelj. Der Coach der ersten Mannschaft des FC Dietikon spricht damit die angespannte Personalsituation in seinem Team an. Anderthalb Wochen vor dem Meisterschaftsstart in der 2. Liga interregional bringt Ivelj kaum eine komplette Mannschaft auf den Platz. Denn in der Sommerpause haben viele Spieler den Verein nach dem Abstieg aus der 1. Liga verlassen, darunter Stammtorhüter Christian Baumgartner, der zurück nach Schaffhausen geht, und Goalgetter Luca Dimita, den es zu Glattfelden zieht. Und mit Neto, Timo Todzi und Andrei Herlea gehen gleich drei Leistungsträger zum FC Tuggen in die Promotion League.

Viele Baustellen

«All diese Abgänge haben uns schon überrascht», gibt Ivelj zu. Vor allem, weil ein Teil der Spieler noch laufende Verträge gehabt habe. Besonders prekär ist die Lage auf der Torhüterposition. Dort fällt Sven Gammel, letzte Saison der zweite Torwart hinter Baumgartner, aufgrund einer Viruserkrankung aus. Die Verantwortlichen haben sich daher auch schon überlegt, auf A-Junioren zurückzugreifen. Ivelj ist allerdings skeptisch: «Die meisten von ihnen sind einfach noch nicht so weit, um in dieser Liga bestehen zu können.»

Doch die Frage, wer zum Meisterschaftsauftakt im Tor stehen wird, ist nicht die einzige, die Ivelj derzeit beschäftigt. Er muss sich auch auf diversen Verteidigerpositionen etwas einfallen lassen. Denn Defensivspezialist Stephane Eba Eba fällt aus, da er im ersten Spiel gesperrt ist. Zudem muss Ivelj auf die beiden Verteidiger Dejan Miljkovic und Tiago Ribeiro verzichten. Während Ivelj bei Miljkovic mit einer Rückkehr im September rechnet, kann Tiago Ribeiro wegen eines Kreuzbandrisses wohl erst in der Rückrunde wieder mittun. Auch vor der Abwehr ist die Situation angespannt. So muss beispielsweise Stürmer Gianni Biafora verletzungsbedingt passen und wird wohl frühestens im September wieder einsatzbereit sein. Und selbst mit denjenigen Spielern, die eigentlich spielen könnten, kann der Coach nicht so trainieren, wie er sich das gewünscht hätte. Denn einige sind noch in den Ferien.

Angesichts dieser Umstände überrascht es wenig, dass Ivelj die 0:2-Niederlage im Testspiel gegen den Zweitligisten Wettingen vor einer Woche nicht allzu hoch bewertet. «Mir ging es vor allem darum, dass die Jungs ein Spiel über 90 Minuten bestreiten konnten», sagt Ivelj. «Auch wenn wir nicht in Bestbesetzung antreten konnten.» In der Mannschaft spielten einige Junioren mit. Ein zusammengewürfeltes Team also, was auf dem Feld deutlich zu sehen war. Vielversprechende Angriffe versandeten aufgrund von Missverständnissen, und defensiv wurden die Dietiker von den forschen Wettingern einige Male in Verlegenheit gebracht.

Zwei Rückkehrer

Doch es gibt auch Erfreuliches zu vermelden. Der Verein konnte Zivko Cajic und Naim Haziri zurückholen. Beide hatten bis vorletzte Saison in Dietikon gespielt, ehe sie sich für einen Vereinswechsel entschieden. Nun werden sie ihren Ex-Club verstärken. «Das sind zwei sehr gute Spieler», sagt Ivelj.

Er will allerdings noch einen Goalgetter holen. Und auch auf den anderen Positionen besteht Handlungsbedarf. Trotz des Zeitdrucks will Ivelj jedoch nicht voreilig handeln. «Wir wollen Spieler holen, die auch charakterlich bestehen», sagt der Dietiker Trainer. Spieler, die notabene einen grossen Teil der Vorbereitung verpasst haben. Doch das ist nicht Iveljs Hauptsorge: «Die werden sich schnell in die Mannschaft integrieren.»