Triathlon
Spektakuläres Experiment von Daniela Ryf am Ironman in Zürich

Wenn heute Sonntag der Ironman Switzerland über die Bühne geht, stehen 2650 Athleten aus 70 Nationen am Start – und mit ihnen eine Vielzahl herausragender Sportler, deren Namen zu den schillerndsten im Langstreckentriathlon gehören.

Richard Stoffel
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Daniela Ryf wechselt bei der EM am Samstag als erste Frau auf die Radstrecke.

Daniela Ryf wechselt bei der EM am Samstag als erste Frau auf die Radstrecke.

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Einen Tag vor ihrem Debüt über die Ironman-Distanz machte Ryf an den Kontinentalmeisterschaften mit 1,5 km Schwimmen, 40 km Radfahren (ohne Windschattenfahren) und 10 km Laufen mit einer überragenden Leistung auf dem Rad ihren Rückstand von der Schwimmstrecke schnell wett. Auf den drei Runden um Kilchberg fuhr sie einen Vorsprung von 3:48 Minuten heraus. Diesen konnte sie auf der abschliessenden Laufstrecke verwalten. Auf den Rängen zwei und drei folgten die Deutschen Ricarda Lisk (1:16 zurück) und Svenja Bazlen (2:35), die Olympiazweite Lisa Norden (Sd, 3:12) wurde Vierte. «Ich bin erstaunt von meiner Leistung im Vergleich zu den anderen, es zeigt, dass ich in Form bin», sagte Ryf. «Mir war das heutige Rennen wichtiger, der Ironman-Start am Sonntag ist nur ein Test», erklärte die 27-Jährige.

Einen Tag vor einem Ironman einen rund zweistündigen Wettkampf an der Leistungsgrenze zu absolvieren, widerspricht wohl allen Vorsätzen für eine erfolgreiche Potenzial-Ausschöpfung am darauffolgenden Tag über 3,8 km Schwimmen, 180 km Radfahren (mit Windschattenfahrverbot) und 42,195 km Laufen. Keine Frage aber ist, dass sich die Solothurnerin aktuell in Hochform befindet. Anfang Juni hatte sie den 70.3 Ironman Switzerland hochüberlegen mit Streckenrekord gewonnen. Und dabei unter anderem die ebenfalls von Brett Sutton trainierte Triathlon-Olympiasiegerin Nicola Spirig (3.) um über 21 Minuten distanziert. Damals hatte Spirig am Vortag allerdings ebenfalls einen Wettkampf absolviert.

Ursprünglich hatte Daniela Ryf, die in Rapperswil-Jona nur von zwölf Männern geschlagen worden war, ihren Einstand auf der Ironman-Distanz erst per September in Mallorca vorgesehen. Doch die überzeugende Entwicklung der letzten Monate, vorab auch ihre famose Form im Radfahren, haben die Planung aktualisieren lassen. Sutton meint nach den Eindrücken aus «seinem» neuen Triathlon-Trainingsdomizil St. Moritz: «Daniela hat im Training Parameter erreicht, die von anderen nicht einfach zu erreichen sein dürften.» Gleichzeitig will der renommierte australische Triathlon-Trainer Druck von der U23-Weltmeisterin von 2008 nehmen: «Am Sonntag wird nicht der Sieg von Daniela erwartet. Die Top 3 wären ein Topresultat für sie.»

Die zweifache Olympia-Teilnehmerin dürfte in Zürich in erster Linie von einem Trio gefordert werden. Und zwar von der ebenfalls von Sutton trainierten 24-jährigen Céline Schärer (im Vorjahr bei ihrem Ironman-Debüt Zweite in Zürich und vor einer Woche Schweizer Meisterin über die olympische Distanz) sowie von der 40-jährigen ungarischen Altmeisterin Erika Csomor (Ironman-Zürich-Gewinnerin 2012). Schliesslich wäre da auch noch Natascha Badmann, falls die 47-jährige Ausnahmeerscheinung auch tatsächlich erstmals in ihrer Karriere an der Startlinie des Ironman Switzerland steht. Die sechsfache Ironman-Weltmeisterin ist nur drei Wochen nach ihrem starken 6. Rang mit der besten Frauen-Radzeit an der Ironman-«EM» in Frankfurt in Zürich angemeldet. Zwei Langdistanz-Wettkämpfe innerhalb von nur drei Wochen entsprachen bislang alles andere als der Philosophie von Badmanns Trainer Toni Hasler. Badmann benötigt indes für eine weitere Teilnahme an der Ironman-WM in Hawaii am 11. Oktober noch einige Punkte fürs Kona Pro Ranking.

Bei den Männern wird sich in Zürich nach sieben Mal in Folge und insgesamt erstmals nicht der Name von Lokalmatador Ronnie Schildknecht in die Siegerliste eintragen. Der Zürcher zieht eine andere Saisonplanung durch und hat keine Punkte fürs Kona Pro Ranking aus einem Langdistanz-Wettkampf mehr nötig, um sich seine Teilnahme an der Ironman-WM vom 11. Oktober auf Hawaii zu sichern. Mit sieben Siegen in Folge im gleichen Ironman hatte Schildknecht im Vorjahr zudem eine Weltbestmarke erzielt.

Der Kampf um die Nachfolge von Ronnie Schildknecht ist damit eröffnet. Von den Teilnehmern in der Startliste überstrahlt der Australier Pete Jacobs (32) die Konkurrenz. Der Ironman-Weltmeister von 2012 hatte am letzten Sonntag bei der Challenge Roth aufgegeben. Er entschied sich deshalb kurzfristig für einen Start in Zürich. Aus Schweizer Sicht ruhen die Hoffnungen auf Jan van Berkel und Mathias Hecht.

Neu ist auch in Zürich ein Wellenstart eingeführt worden. Die schnelleren Schwimmer (unter 70 Minuten) starten bereits fünf Minuten nach den Profis, die um 6.45 Uhr auf die Strecke geschickt werden. Für den Rest des Feldes beginnt der Wettkampf um 6.55 Uhr.