Die ersten Runden wurden schon gedreht. Seit zwei Wochen herrscht in Urdorf wieder Eiszeit. Auf der Kunsteisbahn Weihermatt ist die neue Saison gestartet. Auf jener Anlage, die wie keine zweite für das Sportangebot in Urdorf steht. Curlinghalle, Tennis- und Fussballplätze, Hallen- und Freibad sowie eine grosszügige Zentrumshalle runden dieses ab und bieten fast alles, was das Sportlerherz begehrt. Kurz, Urdorf ist das Limmattaler Sportdorf.

Das lässt sich die Gemeinde einiges kosten. Darum hätte vor zehn Jahren nicht viel gefehlt und die eislaufbegeisterten Urdorfer müssten sich heute andernorts nach einer Anlage umschauen, auf der sie ihrer Leidenschaft nachgehen können. Damals stand die Kunsteisbahn kurz vor dem Aus. Der Gemeinderat wollte die Anlage schliessen, weil sie für eine Gemeinde wie Urdorf mit seinen etwas mehr als 9000 Einwohnern nicht mehr finanzierbar sei. Ein jährlich von den Steuerzahlern zu deckendes Betriebsdefizit rund 350 000 Franken war den Behörden zu hoch. Am 21. Oktober wurde an der Urne über das Schicksal der Kunsteisbahn und damit wohl auch über jenes der Urdorfer Eissportvereine befunden. Das Votum war deutlich. Mit 1920 zu 1461 Stimmen unterstützten die Stimmberechtigten eine Einzelinitiative aus den Reihen von Eishockey- und Eislaufclub, die 4,5 Millionen Franken für die Sanierung der Kunsteisbahn forderte.

Über den Berg war die altehrwürdige Weihermatt damit aber noch nicht. Es zeigte sich, dass die 4,5 Millionen Franken für die Sanierung nicht reichen werden. Deshalb wurde zwei Jahre später nach einem emotional geführten Abstimmungskampf über einen Zusatzkredit von 2,1 Millionen Franken abgestimmt. Dieses Mal fiel das Votum wesentlich knapper aus. Mit lediglich 147 Stimmen mehr gelang es den Befürwortern, das Geschäft durchzubringen.

Weitsichtige Planung

Und so steht die Kunsteisbahn, deren Eröffnung vor 51 Jahren Urdorf endgültig den Ruf als sportbegeisterte Gemeinde einbrachte, noch heute. Die Weichen für das grosszügige Sportanlagenangebot wurden allerdings schon einige Jahre vorher gestellt. Bereits 1954 sprach sich die Gemeindeversammlung für einen Kredit von 700 000 Franken für den Kauf von
91 067 Quadratmeter Boden in der «Weihermatt» aus. Der damalige Gemeindepräsident Jakob Schälchli sprach dabei erstmals öffentlich davon, dass dieses Land für Sportanlagen besonders geeignet sei.

Es waren die Jahre, in denen in Urdorf einige Sportgrossanlässe die Massen in ihren Bann zogen. Geschätzte 15 000 Zuschauer liessen es sich 1949 nicht nehmen, die tollkühnen Motorradfahrer auf ihrem Rundkurs im Bodenfeld anzufeuern. Das vom Motorsport-Club «Züri» organisierte Rennen war ein voller Erfolg. «Nun, am Erfolg lässt sich nicht zweifeln. Ganz unerwartet bescherte uns dieser Sonntag einen feinen Frühlingstag. Das trug dazu bei, dass eine Zuschauermenge, die man auf gut 15 000 Personen schätzen darf, beinahe die ganze Strecke wie einen Wall umgab», notierte die «NZZ».

Auch die wenige Jahre später durchgeführten nationalen Gehermeetings und das das vom Moto-Club Urdorf organisierte Motocross-Spektakel im Reppischtal fanden regen Zuspruch. «Obschon das vergangene Wochenende mit Veranstaltungen aller Art stark belastet war, verzeichnete das nationale Motocross im Reppischtal, das vom Moto-Club Urdorf mit viel Geschick aufgezogen wurde, einen schönen sportlichen und finanziellen Erfolg. Die Hauptsache aber war wohl, dass diese für Zürich neue Sportart im ersten Anlauf zahlreiche begeisterte Anhänger gefunden hat. Dafür war wohl in erster Linie das forsche Fahren des Zürchers Fredy von Arx verantwortlich, der nicht weniger als fünf von insgesamt sechs Rennen bestritt und dabei viermal als Sieger gefeiert werden konnte», hiess es in der Berichterstattung.

Die Urdorfer waren längst auf den Geschmack gekommen. Dazu trug und trägt bis heute das rege Vereinsleben im Dorf bei. Der organisierte Sport begann sich in der Gemeinde schon früh zu entwickeln. Bereits 1899 wurde der Turnverein gegründet. Weil es keine Turnhalle gab, turnten die Mitglieder bis in die 1950er-Jahre im Freien, auf dem damaligen Schulturnplatz hinter dem Feuerwehrgebäude. «Dort befanden sich Reckgerüst, Stemmbalken und eine Sprunggrube. Bei ungünstiger Witterung turnte man im Turnschopf, einer Scheune neben dem Restaurant Frohsinn», schreibt Elisabeth Lüchinger in ihrer Gemeindechronik. Im Winter durften die Turner den Saal des Restaurants Krone nutzen, mussten im Gegenzug aber an zwei Abenden im Jahr für die Unterhaltung in der Wirtschaft sorgen.
Der Turnverein stand auch am Ursprung eines weiteren sportlichen Aushängeschilds des Dorfes. 1941 gründeten neun junge Männer, allesamt Turner, einen Eishockeyclub, um während den Wintermonaten nicht untätig zu sein. Gespielt wurde anfangs auf dem rauen Natureis des mittlerweile verschwundenen Lips-Weihers neben dem Restaurant Pappel. Der Name des Vereins lautete damals noch HC Blitz Urdorf. Geschuldet war er dem damals noch unüblichen Sponsoring. Denn Martha Ineichen offerierte dem Team Wollpullover unter der Voraussetzung, dass im Vereinsnamen der Urdorfer ihre «Blitz-Hühneraugenpflaster» irgendwie eingebaut würden.

Heisse Nachbarschaftsduelle

Als der Lips-Weiher nach heftigen Unwettern 1948 zugeschüttet wurde, stand der junge Verein bereits wieder vor dem Aus. Er konnte sich jedoch aufrappeln, fand auf dem Pausenplatz des 1952 eröffneten Schulhauses Bahnhofstrasse ein neues Spielfeld und und zog 1966 in die Weihermatt um. Das erste Spiel in der neuen Heimstätte – eine Partie gegen Ascona – wurde vor rund 1000 Zuschauerinnen und Zuschauern ausgetragen. Es folgten weitere denkwürdigen Begegnungen. So etwa am 5. Januar 1991, als es zum bislang grössten Publikumsaufmarsch auf der Kunsteisbahn Weihermatt kam. Der EHC Urdorf spielte damals in der 1. Liga und bekam es mit dem mehrfachen Schweizermeister HC Davos zu tun. 1299 Zuschauer wollten sich dies Spektakel nicht entgehen lassen. Bereits im zweiten Drittel musste der Grill abgeräumt werden, weil keine Wurst übrig geblieben war. Richtige Publikumsmagnete waren auch die Derbys gegen den EHC Dietikon, dem Vorgängerverein der heutigen Limmattal Wings.
Ebenfalls auf dem Eis zu Hause ist der 1966 gegründete Curling Club, der es wie der Eishockeyclub schaffte, über die Region hinaus für Furore zu sorgen. Während letzterer eine Reihe Profispieler hervorbrachte, zeichneten Limmattaler Curlingspielerinnen und -spieler gar immer wieder für internationale Erfolge verantwortlich. Aus dem einstigen Dorfclub ist heute der mitgliederstärkste Curlingverein der Schweiz geworden.

Auch abseits des Eises wurde in den vergangenen Jahrzehnten in Urdorf Spektakel geboten. Etwa, wenn sich der Handballclub Urdorf/Stapo und jener aus Dietikon gegenüberstanden. Bis Anfang 1993 sorgten die Derbys regelmässige für volle Zuschauerränge in der Zentrumshalle. Dann fusionierten die beiden Vereine zum HC Dietikon-Urdorf. Nationale Aufmerksamkeit erlangte das Dorf, als ihm 1984 die Ehre zuteil wurde, Startort der Tour de Suisse zu sein, als bislang einzige Gemeinde im Zürcher Limmattal. Aktiv mitgewirkt hat bei jenem Ereignis der 1920 gegründete Velo-Club Urdorf. Er existiert noch heute unter dem Namen Velo und MTB Club Urdorf. Auch er hat im Laufe seiner langen Geschichte zum Ruf der Gemeinde als Sportdorf beigetragen.

Gleiches gilt für den 1968 gegründeten FC Urdorf, der alle seine Spiele jeweils auswärts bestreiten musste, ehe 1972 der Fussballplatz Klösterli, wie man ihn damals noch schrieb, gebaut wurde. Zwei Jahre später kam in der Weihermatt ein zweites Feld hinzu. Wie die Eishockeyaner mussten auch die Fussballer zwischenzeitlich um den Verlust ihrer Heimat fürchten. Ende der 1980er-Jahre drohte dem Chlösterli das Aus. Die Gemeindeversammlung sicherte 1990 aber den Fortbestand des Platzes. Sie stimmte einem Tauschgeschäft zwischen der Gemeinde und einer Erbengemeinschaft zu, auf deren Land sich das Fussballfeld befand. Damit kam der FC Urdorf zu seiner heutigen Fussballanlage. Dort bildet er wie alle anderen in der Gemeinde aktiven Vereine junge Sportler aus und sorgt damit dafür, dass das Sportdorf seinen Ruf noch lange nicht verlieren wird.