Handball
So funktioniert der Wohlfühl-Kreislauf beim HCDU

Der HC Dietikon-Urdorf profitiert bei der Frauen-Hausse im Verein von seiner Atmosphäre. Der Verein profitiert davon, immer wieder altbekannte Gesichter zurückholen zu können, was wiederum junge Spielerinnen anlockt.

Raphael Biermayr
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Die Stimmung beim HC Dietikon-Urdorf ist hervorragend.

Die Stimmung beim HC Dietikon-Urdorf ist hervorragend.

Marco Wyttenbach

Es ist ein Zeichen des neuen Selbstbewusstseins im HCDU: Nach dem Aufstieg der Frauen in die 1. Liga fragte Grossklub GC Amicitia wegen einer Zusammenarbeit an. Die Limmattaler lehnten ab, sie wollen selbst etwas aufbauen. Neu stellen sie drei eigenständige Frauen-Aktivteams, was in der Schweiz bereits eine seltene Grösse ist.

Verkürzt dargelegt, sieht das Konzept des Vereins vor, dass die aktuelle erste Mannschaft den Platz in der 1. Liga solange verteidigt, bis die jungen Spielerinnen aus der zweiten Mannschaft (2. Liga) soweit sind, dieser Aufgabe gerecht zu werden. Der erfahrene Ausbildungstrainer Peach Rusert wechselt deshalb vom Fanionteam zu den Reserven. Das 1.-Liga-Team wird wie bislang von Marco Wyttenbach betreut.

Wie das Sauber-Team

Den 2.-Liga-Platz für die Limmattaler hat das sogenannte Legendenteam in der vergangenen Saison errungen, dank des souveränen Aufstiegs. Diese Equipe besteht aus ehemaligen Nationalliga-Spielerinnen, die ihre Wurzeln im HCDU oder seinen Vorgängervereinen haben. Obwohl diese Equipe kein Training bestreitet, spielt sie immer an der Spitze. Sie ist so dominant, dass sogar der Zürcher Handballverband ein Einsehen mit den Gegnern hat: Nach der Neuanmeldung als dritte Mannschaft hätte sie eigentlich in der 4. Liga anfangen müssen. Doch sie darf in der 3. Liga mittun, wie Karin Binder erklärt. Die «Legenden»-Spielerin ist im Vereinsvorstand und kümmerte sich interimistisch um die Organisation der Frauenabteilung.

Selbstbewusst sind sie nach den jüngsten Erfolgen im HCDU, grössenwahnsinnig indes nicht: Die beiden höchsten Ligen liegen ausser Reichweite für den Verein. Besonders befähigte junge Spielerinnen sollen wie bis anhin zu einem Grossverein wechseln, um sich weiterzuentwickeln. «Bei uns ist es wie im Sauber-Team: Wir bilden Talente aus und geben sie an Grössere weiter», sagt Binder.

Familiäre Atmosphäre

Im Gegensatz zum Formel-1-Rennstall setzen die Handballerinnen darauf, dass viele der Abgewanderten später wieder zum Verein finden und ihre Kontakte nutzen, um neue Spielerinnen zu werben. Das klappt gegenwärtig hervorragend. Das neuste Beispiel dieser Entwicklung ist Franziska Drack, die vom TV Uster (SPL 2) ins Limmattal wechselt. Sie ist WG-Mitbewohnerin der Aufstiegsheldin Olivia Yagura.

Die ist ein Paradebeispiel für den sich entwickelnden Wohlfühl-Kreislauf in der Frauenabteilung. Yagura kehrte 2014 nach neun Jahren bei höher klassigen Vereinen zurück zu ihrem Stammklub und rührte kräftig und erfolgreich die Werbetrommel dafür. Gleich fünf Bekannte aus früheren Vereinen fanden zum HCDU und bildeten die Stützen des Aufstiegsteams. Das überzeugende Argument von Dietikon-Urdorf ist nicht das Geld, sondern die familiäre Atmosphäre. «Bei uns soll jede den passenden Platz finden», sagt Binder.

Ein Umstand trübt die Freude der Frauen: Es herrscht Torhüterinnenmangel. Für die drei Teams stehen nur deren drei zur Verfügung. Die langjährige Keeperin Samira Gallo ist vom Pech verfolgt. Nach ihrem Kreuzbandriss Anfang der vergangenen Saison besteht der Verdacht, dass sie sich die gleiche Verletzung erneut zugezogen hat. Bleibt abzuwarten, ob die Überzeugungskünste der Spielerinnen ausreichen, um noch eine Torhüterin zu finden.

Männer mit drei Zuzügen: Hartes Training für den Ligaerhalt

Dominik Hari ist im Stress. Als Sportchef des HCDU führt er Gespräche mit möglichen neuen Spielern – und will sich daneben selbst als Spieler im 1.-Liga-Spieler versuchen. «Ich bin so fit wie noch nie», sagt er. Wie die Frauen sind auch die Männer in der vergangenen Saison aufgestiegen. Ihre Chancen auf einen Ligaerhalt werden aber geringer eingestuft. Die Limmattaler haben wohl nur eine Chance, wenn sie körperlich bereit sowie eingespielt sind. Trainer Jan
Sedlacek und seinem neuen Assistenten Muzi Dogru ist das bewusst. Sie bitten das Team aktuell dreimal wöchentlich zum Training, gemäss Hari sind die Einheiten sehr gut besucht. Mit dabei sind auch die neuverpflichteten Alessandro Grippa (Torhüter), Maurus Egger und Reto Caprani (beide Rückraum). Nicht mehr im Kader sind hingegen Olaf Blome (zweite Mannschaft), Thomas Wüthrich (Pause) und Fabian Lohner (Pause wegen Operation). (bier)

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