Durch den Sonnenschutz dringt eine Stimme. «Ein Schweizer eben: immer pünktlich.» Sladjan Selakovic steht im Schatten an einem Tisch und begrüsst auf «seinem» Juchhof II. Der 42-Jährige aus Birmensdorf ist hier wie zu Hause. Kein Wunder: Abwart Novica Stanojevic steht ihm sehr nah. «Als ich in die Schweiz kam, machte er mich mit dem FC Jugoslavija vertraut», erklärt Selakovic. Stanojevic war sozusagen sein Entdecker.

Aus FC Jugoslavija wird FC Srbija

Der Verein heisst heute FC Srbija. Die Umbenennung sei erfolgt, weil die weiteren Teilrepubliken des früheren Jugoslawien eigene Vereine im Zürcher Fussballverband FVRZ gehabt hätten, wie der Stürmer erklärt. Die Namensänderung habe den Wegzug einiger Altgedienter zur Folge gehabt. Die Schlieremer Legende Milan Ristic beispielsweise trainiert die Ex-Jugoslavija-Veteranen heute als Untersektion in der AC Palermo Zurigo.

Frischer Wind wird zu Erfolgssturm

Auf der anderen Seite hielt ein frischer Wind Einzug. Ein Wind, der bis heute zu einem Erfolgssturm anschwoll. In der zu Ende gegangenen Saison gehörte Srbija zu den erfolgreichsten Klubs: Aufstieg der ersten und zweiten Mannschaft, Regionalmeister und Cupfinalist mit den Veteranen. Torjäger Selakovic war an allen Erfolgen beteiligt. Er spielte darüber hinaus auch für die Senioren.

Aufstieg des Fanionteams

Der Aufstieg des Fanionteams in die 2. Liga ragt heraus. Für den Spieler mit der Nummer neun eine grosse Befriedigung: «Letztes Jahr war ich traurig, nachdem uns nur ein Punkt zum Aufstieg gefehlt hatte. Doch ich habe mich wie die ganze Mannschaft aufgerafft und neu motiviert.» Gegen das Jetzt-erst-recht-Prinzip hatte auch Schlieren nichts auszurichten. Im letzten Match demütigten die Serben die Limmattaler geradezu: Beim 12:1-Sieg steuerte Selakovic drei Treffer bei. Es ist der zweite Aufstieg in die 2. Liga für Selakovic: Mitte der 1990er-Jahre glückte ihm Gleiches mit Jugoslavjia.

Schweizer Tugenden als Basis

Der Grund für den Erfolg? «Schweizer Tugenden», nennt sie Selakovic. «Spielerisch waren wir schon vorher gut. Aber wir waren unorganisiert und undiszipliniert – das hat sich mittlerweile geändert», erklärt der Limmattaler, der beruflich als «Allrounder» für den Unterhalt des Clubs Baur au Lac zuständig ist.

Neuer Präsident mit klarem Plan

Verantwortlich für das Umdenken sei der neue Präsident Slobodan Arsenijevic. «Er übernahm den Verein vor zwei Jahren mit einem Plan, der zum Erfolg führen soll. Dieser beinhaltet auch einen internen Strafenkatalog, beispielsweise bei Unpünktlichkeit.»

Fairplay kann noch verbessert werden

Was die äussere Wahrnehmung anbelangt, steht es um die Disziplin der Serben – bei denen auch Afrikaner mittun – nicht besonders gut. In der Team-Fairplay-Wertung des FVRZ liegt der Aufsteiger auf Platz 66 von 72. «Wer um den Aufstieg spielt, muss mehr kämpfen», lautet die Erklärung des Routiniers Selakovic. Die Geschehnisse im Rückrundenmatch gegen seinen früheren Verein Birmensdorf schürten Vorurteile gegen das «Juchhof-Team». Die Limmattaler verliessen nach Tumulten «wegen nicht gewährleisteter Sicherheit» den Platz vorzeitig. Die Ereignisse werden von den Partien unterschiedlich geschildert. Im Schiedsrichterrapport nach jenem Match wurde Selakovics Verhalten als «aggressiv» vermerkt, aber nicht näher darauf eingegangen. Der Stürmer erklärt: «Ich war gegenüber meinen Mitspielern laut. Der Schiedsrichter sagte, wir hätten drei Minuten Zeit, uns wieder aufzustellen, sonst würde er das Spiel abbrechen. Ich musste die Spieler kommandieren. Andernfalls wären wir dran gewesen», schildert er.

Captain und Autoritätsperson

Captain Selakovic ist eine Autoritätsperson im Team. Wegen seines Alters, aber auch wegen seiner Einstellung. Er ist fit und sieht noch immer aus wie eine Figur aus einem Winnetou-Film, wenngleich die Haare etwas angegraut sind. Nach seinem geräuschvollen Abgang in Birmensdorf im Frühling 2008 spielte der Goalgetter für Adliswil (3. Liga) und Uster (2.), bevor er zum FC Srbija fand, wo er jetzt den dritten Frühling erlebt. Einige Mitspieler sind jünger als seine Töchter Sanela (23) und Sandra (21). Die haben die elterliche Wohnung mittlerweile verlassen, um in eine WG zu ziehen. Das sei hart für Selakovic gewesen, «doch sie müssen sich irgendwann auf das Leben vorbereiten», sagt er.

Sohn nicht mit Fussballvirus infiziert

Zu Hause erhalten bleibt dem Ehepaar Selakovic der 8-jährige Sohn Aleksandar. Der macht gegenwärtig keine Anstalten, in die sportlichen Fussstapfen des Vaters zu treten. «Fussball mag er nicht, sondern Gokartfahren. Am liebsten würde er in die Formel eins und der neue Vettel werden. Leider ist die Aufstiegsprämie bei Srbija nicht so hoch, um das finanzieren zu können», scherzt Selakovic. Geld in Form von Spielerentschädigungen sei im Verein bislang kein Thema gewesen. Das könnte in der Zukunft anders aussehen, geht es nach Selakovic: «Wenn wir uns in der zweiten Liga halten, können wir vielleicht die interregionale Liga anpeilen.»

Wohl noch eine Saison

Dass sich der Limmattaler Torschützenkönig der Saison 2006/07 auch dieser Herausforderung stellen würde, ist unwahrscheinlich. «Eine Saison spiele ich noch, danach kann ich mir eine andere Aufgabe vorstellen, vielleicht Sportchef», sagt er. Einen Wunschkandidaten zur Verpflichtung hat er schon für die nähere Zukunft: Dietikons Zivko Cajic. «Ich kenne die Familie gut, die Söhne haben als Kinder zu mir aufgeschaut. Es wäre ein schöner Abschluss, mit dem erwachsenen Zivko zusammenzuspielen.»