«Hört man nichts?», fragt eine Richterin vom Beckenrand aus. Das Mädchen im Wasser schüttelt den Kopf, der zu einem grossen Teil von einer weissen Badekappe bedeckt ist – so wie bei allen Synchronschwimmerinnen an diesem Samstagmorgen. Dabei dröhnt die Musik aus den Lautsprechern. Doch unter Wasser ist sie offenbar nicht zu hören. «Dann musst du halt zählen», sagt die Richterin und zuckt mit den Schultern.

«Es ist wichtig für die Schwimmerinnen, die Musik auch unter Wasser zu hören», sagt Katja Knapp. «Aber sie müssen auch ohne Musik ihre Figuren zeigen können.» Katja Knapp gehört dem Vorstand des Schwimmclubs Limmattal an, einer der Mitorganisatoren des so genannten Testtages im Hallenbad Geroldswil, an dem die Synchronschwimmerinnen Tests in bestimmten Kategorien absolvieren und dabei von einer Jury bewertet werden. Einst war Knapp selbst Synchronschwimmerin, mittlerweile fungiert sie als Trainerin beim Schwimmclub Limmattal, von denen ein Dutzend Mädchen in Geroldswil teilnimmt. An diesem Samstag schaut sie ihrer Tochter zu, die ebenfalls am Testtag mitschwimmt. «Die Mädchen sind nervös», verrät Knapp. «Sie müssen alleine vorschwimmen, und sie sind ja noch sehr jung.»

Zwischen 8 und 16 Jahre alt sind die 54 Teilnehmerinnen, die heute auf den Testniveaus 2, dem einfacheren Level, bis 5 ihr Bestes geben. Sie zeigen auch Küren, bei denen einem schon vom Zuschauen die Luft wegbleibt. Da tauchen die Mädchen zum Beispiel erst ins Wasser, strecken die Beine in die Luft und drehen sich dann in einer Schraubbewegung langsam in die Tiefe. Nach ein paar Sekunden tauchen sie wieder auf, verharren in bestimmten Positionen im Wasser, bevor sie wieder abtauchen und mit den Beinen, die aus dem Wasser ragen, einen Spagat machen. «Synchronschwimmen ist sehr anspruchsvoll», sagt Knapp. Und sehr athletisch – deshalb trainieren die meisten Mädchen nicht nur im Wasser, sondern machen auch noch Geräteturnen oder Ballett. «So bekommen sie mehr Kraft und Beweglichkeit», sagt Knapp. Aber das ist noch nicht alles: «Sie müssen die ganze Kür noch auswendig lernen.»

Die Vorbereitung auf einen solchen Testtag, von denen es mehrere pro Jahr gibt, nimmt etwa einen Monat in Anspruch. Doch nicht alle Mädchen nehmen an allen Testtagen teil. «Es kommt darauf an, was ein Mädchen im Synchronschwimmen erreichen will», sagt Knapp. «Aber es geht auch darum, den Mädchen Selbstvertrauen zu geben und sie durch zu viele Testtage nicht zu demotivieren, wenn es ihnen nicht gut läuft. Schliesslich wollen alle an einem solchen Tag gut abschneiden.»

Einige von denen, die besonders gut sind, bleiben meist nicht lange beim Schwimmclub Limmattal. Viele wechseln im Alter von 10, 11 Jahren zu den Limmat-Nixen. «Bei uns im Schwimmclub ist das Synchronschwimmen ein Breitensport», erklärt Knapp.

Dafür ist der Zusammenhalt gross. Denn die Mütter der Schwimmerinnen engagieren sich auch hinter den Kulissen am Testtag. «Viele Mütter helfen mit oder fungieren als Richterinnen», sagt Knapp. «Da machen wirklich alle mit.»

Zurück zur Schwimmerin, die unter Wasser auf die Musik verzichten musste. Sie beginnt nochmals und zählt, so wie es ihr die Richterin aufgetragen hat. Die Bewegungen passen perfekt zum Takt der Musik. Das harte Training ist nicht umsonst gewesen.