Wie schafft sie es nur, alles unter einen Hut zu bringen? «Man muss halt flexibel sein», sagt Karin Hug.

Und angefressen. Vom Fussball infiziert in einem Mass, wie es vermutlich dem einen oder anderen Profi gut anstünde. Wenn diese nämlich mit dem Training fertig sind und zu Hause die Beine hochlagern, ist für Karin Hug noch lange nicht Schluss. Ihr Job ist es, als Leiterin des Internats im Campus der Grasshoppers dreizehn Fussballtalente zu betreuen. 15 bis 18 Jahre jung, und alle mit dem Ziel, den Sprung in die erste Mannschaft zu schaffen und das Hobby zum Beruf zu machen.

Kein Job mit Stempeluhr

So, wie dies Karin Hug gelungen ist. Nicht als Fussballerin zwar, aber eng verbunden mit der Sportart, der sie seit 1982 verfallen ist. «Als 13-Jährige hat mich der WM-Final zwischen Italien und Deutschland so sehr fasziniert, dass mich der Fussball richtig gepackt hat», sagt die Tochter einer Italienerin und eines Deutschen.

Seit sechseinhalb Jahren ist sie mit Leib und guter Seele die Chefin im Wohnheim der jungen GC-Kicker. Vom Morgen bis zum Abend, an sechs von sieben Tagen in der Woche. «Man muss die Menschen lieben, wenn man so etwas macht», sagt Hug.

Immerhin ist ihr Arbeitsweg minim, denn mit ihrem Mann und den beiden Kindern lebt sie in einer Wohnung im Campus. Ihr Ehemann ist in seiner Freizeit Juniorentrainer bei einem Klub in der Nähe und daher mit dem nötigen Verständnis dafür ausgestattet, dass sich die Tätigkeit seiner Frau nicht mit der Stempeluhr regeln lässt. Manchmal jedoch wird sie für ihren Aufwand besonders entschädigt. «Als meine Jungs Nassim Ben Khalifa, Haris Seferovic und Pajtim Kasami U17-Weltmeister wurden, war dies ein unglaublicher Moment», sagt Hug.

Auf den Einzelnen zugeschnitten

Im Internat ist sie die Ansprechperson für die Spieler, die mit ihren kleinen und grossen Sorgen zu ihr kommen. Sie sorgt dafür, dass die Lebensmittel für das Frühstück vorhanden sind und übernimmt die Reinigung der Bettwäsche. Es ist aber beileibe nicht so, dass sie ihren «Buben» gleich alle Arbeit abnimmt. Sie schaut, dass die Spieler den Ämtliplan einhalten und ihre Zimmer aufräumen. «Wir legen grossen Wert auf ihre Selbstständigkeit», sagt Hug. Weil es in den Zimmern keinen Fernseher hat, treffen sich die Youngsters am Abend im Aufenthaltsraum.

In der Regel wird im Campus dreimal am Morgen und täglich abends trainiert. Die einen besuchen die Schule in Niederhasli und holen dort am Mittwochnachmittag nach, was sie während der Morgenlektionen verpasst haben. Andere lernen in Zürich an der United School of Sports oder am Gymnasium Rämibühl.

Die Schule ist auf jeden Einzelnen zugeschnitten, sodass die Konzentration auf den Fussball gewährleistet ist. «Wenn am Samstag das Spiel vorbei ist, fahren die Spieler nach Hause. In die Ostschweiz, ins Luzernische, in den Aargau, in die Romandie oder nach Deutschland», sagt Hug, für die es selbstverständlich ist, den Kontakt zu den Eltern – und gewiss auch zum Trainerstab von GC – zu pflegen.

Am Wochenende als Scout

Wer nun glaubt, Karin Hug gönne sich dann ein bisschen Ruhe, täuscht sich. «Am Wochenende scoute ich», sagt sie lächelnd. «Sie schaut sich Juniorenspiele an und sorgt immer mal wieder dafür, dass ein Talent den Weg zu GC findet. Dass sie dafür ein brillantes Auge hat, hat sie schon zu jener Zeit bewiesen, als sie noch für den FC Zürich auf Talentsuche war. Adrian Nikci hatte sie einst in Uster entdeckt, und dass Ricardo Rodriguez und Marco Schönbächler das FCZ-Trikot trugen und tragen – auch daran hat sie einen grossen Anteil. Nicht, dass sie damit aufschneiden will; man musste ihr diese Namen schon aus der Nase ziehen.

Nach den Kleinen warten dann die Grossen. «Ich schaue mir jedes GC-Heimspiel in der Super League an», sagt Hug. «Und ich fiebere mit.» Sie hat einen guten Draht zu den Erstteamlern und rechnet damit, dass es ihnen in der Rückrunde besser läuft, als im Herbst. «Johann Vogel wird mit seiner Reife der ruhende Pol sein», sagt Hug, mahnt aber gleichwohl zu Geduld mit dem jungen Team. «Das Gras kann nicht schneller wachsen, wenn man daran zieht.»