Eishockey
Seltene «Gopferdami-Momente» für den Trainer Heldner

Urdorfs Thomas Heldner freut sich auf das Ende seiner Trainerlaufbahn, da er dann wieder mehr Zeit für die Familie hat. Der 44-Jährige ist mit seinem Team durch eine schwierige Saison gegangen, die für Urdorf hoffentlich noch ein Happy-End beschert.

Raphael Biermayr
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Trotz der meist negativen Resultate fand Thomas Heldner (Mitte) an seiner Aufgabe Spass.

Trotz der meist negativen Resultate fand Thomas Heldner (Mitte) an seiner Aufgabe Spass.

Raphael Biermayr

Sollte für den EHC Urdorf nach dem heutigen Abend die 2.-Liga-Saison überstanden sein, ist möglicherweise auch eine Trainerkarriere zu Ende. Nach nur fünf Monaten – aber freiwillig. «Fürs Erste ist Schluss, das Engagement in Urdorf war eine Ausnahme», sagt Thomas Heldner darauf angesprochen.

Die Zeit ist schneller verflogen als ohnehin schon im Leben des vielreisenden Geschäftsmanns und Familienvaters, seit er im Ende September binnen weniger Stunden nach der Anfrage zugesagt hatte, die Mannschaft zu übernehmen. Der einflussreiche Teil der Spieler hatte sich nach der Vorbereitung gegen François Wartenweiler ausgesprochen und diesem nach nicht mal einem halben Jahr die Lust am Weitermachen vergällt.

Weil daraufhin sowohl der Vorstand als auch das Team einen Nachfolger präsentierten, kam es zur absurden Situation einer Kampfwahl um den Trainerposten bei einem Abstiegskandidaten in der 2. Liga. Präsident Leimgruber gab schliesslich dem Mannschaftskandidaten Thomas Heldner den Vorzug. Man konnte das so deuten, dass er damit die volle Verantwortung für die Saison an die Spieler abtritt. Denn die Spielzeit begann in derselben Woche, in der sich diese Rochade abspielte.

Hohe Zielsetzungen anfangs Saison

Trotzdem sprach Heldner von der Playoffqualifikation – wenigstens nach aussen hin. Er wusste natürlich, dass man die Ziele immer hoch ansetzen muss, um damit in einer verunsicherten Mannschaft vielleicht eine positive Dynamik auszulösen. Er wusste aber auch um den Zustand des Teams und dass die Playoffs beinahe illusorisch sein würden.

Er gab sich die üblichen paar ersten Spiele Zeit, bis er die Leistungsfähigkeit einschätzen konnte. Kurz vor Weihnachten schliesslich nahm er angesichts der vielen schwachen Auftritte der Mannschaft Abschied vom formulierten Ziel. Das Verhindern der Abstiegsrunde steht seither im Urdorfer Missionsbuch. Dank zweier Siege zuletzt stehen die Chancen gut, dass das Vorhaben heute gelingt. Mit einem Punktgewinn in Luzern (20 Uhr, Eiszentrum) schafft es der EHCU aus eigener Kraft. Misslingt das, kann er darauf hoffen, dass nicht beide Kontrahenten, Bellinzona und Küssnacht am Rigi, ihre Matches nach 60 Minuten gewinnen.

Pleiten nagten über die Festtage

Wenn Thomas Heldner zurückblickt auf die intensive Zeit seiner ersten Trainerstation, macht er eine Leidenschaft aus, die er für seine Aufgabe entwickelt habe. «Wenns läuft, macht es natürlich umso mehr Spass», sagt er. Es lief selten. Doch die «Gopferdami-Momente», wie er sie nennt, seien gleichwohl rar gewesen. Die härteste Zeit diesbezüglich habe die Festtage betroffen, als die zuvor aufgestellte Pleitenserie lang nagen konnte.

Heldners Wesen als Trainer ist zwiespältig. Der feinsinnige Mensch ist während Spielen meist die Ruhe selbst. Es macht den Anschein, als ob er absichtlich leise sprechen würde, im Wissen, dass man solchen Menschen genauer zuhört. Diese Fähigkeit steht auch für einen Wesenszug: Distanz – zu sich selbst, aber auch zu einer Aufgabe. Es gelingt dem Walliser, sich abzugrenzen und auf die unmittelbare Aufgabe zu konzentrieren und so nicht Gefahr zu laufen, dauerhaft unter Stress zu geraten, wie beispielsweise sein Vor-Vorgänger Dani Hüni. Der Sport ist für den Ex-Profi ein Ausgleich zum restlichen Leben.

Das Donnerwetter in der Kabine

Dennoch gab es Momente, als er diese Distanz verlor. Dann trat beim früheren Nationalspieler der verletzte Stolz in den Vordergrund. In den Spielen gegen Bellinzona kriegten das einmal die Schiedsrichter und einmal die Mannschaft zu spüren. Im Tessin provozierte er mit einer eigentlichen Kindergartenaktion den Abbruch einer bereits verlorenen Partie. Er rechtfertigte das mit dem Schutz seiner Spieler vor der Willkür der Schiedsrichter.

Im Heimspiel hatte er nach 40 Minuten und einem 1:2-Rückstand ausgemacht, dass sein Team nicht bei der Sache war, und liess im Verbund mit Assistenztrainer Sandro Duttweiler ein Donnerwetter in der Garderobe los. «So etwas kann man höchstens zweimal pro Saison machen, mehr würde nichts bringen», hat Heldner festgestellt. Im erwähnten Fall nützte es: Urdorf gewann die Begegnung mit 3:2.

Heldner ist froh, wenn die Saison ein Ende findet. Es war nicht lang in seinem neuen Amt, ehe er die Erfahrung fast aller nebenberuflicher Trainer machte: Er verbrachte wesentlich mehr Zeit mit seiner Aufgabe, als er bei seiner spontanen Zusage angenommen hatte. So lebten er und seine Frau Sarah, die als Leiterin einer Tanzschule ebenfalls oft auch engagiert ist, während der letzten Monate gewissermassen eine Fernbeziehung. Mit diesem Begriff konfrontiert, überlegt der 44-Jährige, und sagt dann schmunzelnd: «Es ist ein bisschen wie früher, als ich jung war: Man wohnt zwar zusammen, aber man verbringt nicht viel Zeit miteinander.»

Diese Woche weilte die Familie in Adelboden in den Skiferien. Am Donnerstag verabschiedete sich Heldner allerdings für ein paar Stunden: Er fuhr nach Urdorf, um das Training zu leiten, bevor er sich wieder ins Berner Oberland aufmachte. «Wer A sagt, muss auch B sagen», sagt Heldner.