Am 11. März hat die kanadische Avenir-Gruppe offiziell erklärt, dass sie in Kloten aus- und beim HC Lausanne einsteigt. Eigentlich ist es nicht so kompliziert: Die Avenir Gruppe muss bloss einen Käufer für die Kloten Flyers finden. Das Problem: Die Kloten Flyers sind hoch defizitär. Das Geschäftsjahr sendet am 30. April und dürfte mit mehr als sieben Millionen Franken Verlust abschliessen.

Budgethilfe von den ZSC Lions

Logisch wäre die Übernahme durch die neuen Besitzer auf den 1. Mai. Aber diese neuen Besitzer gibt es noch gar nicht und wenn es sie dann gibt, übernehmen sie einen Klub, der alleine an Lohnsummen jeden Monat 800 000 Franken kostet. Geschäftsführer Matthias Berner hat zwar ein neues Budget erstellt – dabei hat ihm auch ZSC-General Peter Zahner geholfen – und rechnet künftig mit einem Defizit von «nur» noch drei Millionen.

Wer soll unter solchen Voraussetzungen die Kloten Flyers übernehmen? Der Geschäftsführer hat schon Ideen. Etwa einen Klub mit 34 Mitgliedern, die im Jahr je 34 000 Franken zahlen (die Zahl 34 vom Gründungsjahr 1934 abgeleitet). Das Problem dabei: die Idee gibt es nur auf dem Papier. Neu soll das Unternehmen wieder EHC Kloten heissen. Morgen Freitag gibt es ab 17 Uhr eine symbolische Rücktaufe von Kloten Flyers auf EHC Kloten und ein Volksfest im Stadion. Es ist die Taufe eines Phantoms und juristisch völlig belanglos.

Buchhalter Nötzli statt Superman

Matthias Berner, ein ausgewiesener Finanz- und Sanierungsspezialist, aber vom Typ her mehr «Buchhalter Nötzli» als ein charismatischer «Superman» (den es eigentlich braucht) ist die zentrale Figur geworden. Einerseits muss er Investoren finden, die bereit sind, Kloten von den kanadischen Besitzern zu übernehmen und die NLA-Existenz finanziell zu sichern. Andererseits muss er diese kanadischen Besitzer davon überzeugen, Kloten diesen neuen Investoren zum symbolischen Preis von einem Dollar zu überlassen und sich damit abzufinden, dass niemand bereit ist, etwas für den Klub zu bezahlen.

Arbeiten in zwei Schichten

So ist er zum «doppelten Matthias» geworden: Er arbeitet in diesen Tagen in zwei Schichten: am Vormittag geht er ins Büro und bis gegen 16 Uhr erledigt er die hiesigen Geschäfte. Ab 16 Uhr ist es dann möglich, mit den Besitzern drüben an der kanadischen Westküste, neun Zeitzonen entfernt, zu telefonieren und der Arbeitstag zieht sich so bis gegen 22.00 Uhr hin. Er muss jetzt auch noch die Arbeit von Sportchef Sean Simpson erledigen. Soeben hat er den Vertrag mit Timo Helbling aufgelöst (Helbling wechselt nun anstatt nach Kloten vom SC Bern zum EV Zug), den Simpson ausgehandelt hatte.

«Ich habe die Hoffnung nicht aufgegeben» sagt Matthias Berner. «Aber ich kann nicht sagen, wohin die Reise gehen wird.» Ein Blindflug eben. Ein Geschäftsführer, der am Tag in zwei Schichten arbeitet, ein Sportchef und Trainer, der «abgetaucht» ist und nichts mehr tut (Sean Simpson) – das sind die Piloten bei diesem Blindflug. Kein Wunder, dass es den Passagieren (den Fans, den Spielern, allen, denen Kloten am Herzen liegt) nicht wohl dabei ist. Denn mit dem Ende des Geschäftsjahres droht am 30. April der Treibstoff (das Geld) auszugehen.

Was passiert mit Simpson?

Eigentlich ist ja allen klar, dass es für Sean Simpson in Kloten keine Zukunft gibt. Aber er hat einen Vertrag, der noch zwei weitere Jahre läuft und für diese zwei Jahre stehen ihm rund eine Million Franken zu. Zahlen die Kanadier Simpson aus oder müssen das die neuen Besitzer tun? Auch das muss Matthias Berner noch regeln. Sean Simpson sagt: «Ich habe einen Vertrag. Das ist alles, was ich dazu sagen kann.»