Es dauert keine zwei Minuten, bis es beim Einspielen tönt: «Das tut verdammt weh! Ein Spiel von euch kann nicht länger als fünf Minuten dauern – länger hält das niemand aus!», sagt Naim Haziri. Der Ex-Profi vom FC Dietikon blickt dabei ungläubig auf seinen Unterarm, der schon ordentlich gerötet ist. Sogleich erntet er von Raphael Candreia und Egzon Redzepi Zuspruch. Es ist die erste von vielen Überraschungen, welche die Fussballer während ihres Trainingsbesuchs bei den Dietiker NLA-Faustballerinnen erwartet. «Es tat auch uns am Anfang weh», sagt Miriam Preisig tröstend.

20 Minuten früher. Die Fussballer haben die Steinmürli-Turnhalle gefunden. Wie ist die Wahl für diesen aussergewöhnlichen Anlass auf sie gefallen? «Wir wurden gezwungen», sagt Candreia und lächelt dabei hilflos. Co-Trainer Carmelo Giamboi hat die sich gerade in der Winterpause befindenden Spieler per Telefon dafür aufgeboten. Sie sollten es nicht bereuen, was ihnen allerdings erst viel später bewusst werden würde. Denn die «Hand Gottes» nachzuahmen schmerzt zunächst, wie eingangs erwähnt.

Faustball ist für die drei Neuland. «Ich habe mir auf Youtube einige Videos angeschaut – die Spieler sind ziemlich parat», hat der 19-jährige Candreia festgestellt. Der acht Jahre ältere Haziri weiss immerhin, dass «das draussen auf dem Rasen» gespielt wird. Für Redzepi (18) ist es die Begegnung mit einer gänzlich unbekannten Art. Er tritt beim Trainingsmatch dann auch den Beweis an, dass sein sportliches Talent sich auf den Fussball konzentriert. Während des Trainingsspiels reklamiert er einen herrenlosen Ball mit dem typischen «Leo» für sich. Seine Fussballteamkameraden, die in der anderen Mannschaft spielen, lachen sich ein Loch in den Bauch. Dann verstummen die Lacher plötzlich: Redzepi hat ein Ass geschlagen.

Während sie zu Beginn noch durch rohe Kraft brilliert haben, finden sich die drei immer besser mit der Hand zurecht. Es ist erstaunlich, wie sich die Rollen im Vergleich zum Fussballplatz ähneln: Haziri findet Gefallen am Trickreichtum, Candreia am Kämpfen auf der Seitenposition. «Das macht Spass», stellt er bald fest, und ergänzt in der Euphorie: «Ich glaube, wir müssen mit Fussball aufhören.» Wenig später korrigiert er: «Wir sind wirklich schlecht.» Eine weitere Ähnlichkeit zum Fussball zeigt sich bald: Die Dietiker lassen an der Leine genauso viele Möglichkeiten aus wie vor dem Tor.

Trotzdem: Das Eis ist endgültig gebrochen. Evelyn Preisig, Captain der Faustballerinnen, lobt: «Die machen das richtig gut.» Sie fragt, in welcher Liga der FCD spielt. Die 2. Liga interregional ist ihr nicht vertraut, genauso wenig, wie Geld für das Ausüben ihres Sports zu erhalten. Fremd ist ihr aber auch der Neid darauf. Die Lehrerin Preisig stellt den Gästen im Anschluss an die Trainingseinheit ein gutes Zeugnis aus: «Sie sind begabt.» Ob diese Einschätzung Taktik ist? Schliesslich steht bald der Gegenbesuch auf dem Programm. In der Januarkälte auf dem Kunstrasen.