Faustball
Schlierens Melissa Steiner holt zum grossen Schlag aus

Melissa Steiner, die 25-jährige Abwehrspielerin des FBS Schlieren, wurde erstmals für die Nationalmannschaft aufgeboten. Mit den Limmattalerinnen will sie in der heute beginnenden Hallen-Meisterschaft für Furore sorgen.

Fabio Baranzini
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Nach dem Trauma nun den Traum erfüllt: Melissa Steiner gehört zur Belle Étage des Schweizer Frauenfaustballs.

Nach dem Trauma nun den Traum erfüllt: Melissa Steiner gehört zur Belle Étage des Schweizer Frauenfaustballs.

zvg

Einmal für die Schweizer Nationalmannschaft spielen. Das ist der Traum von Faustballerin Melissa Steiner, die seit vier Jahren für den FBS Schlieren spielt. Im Sommer 2011 schien es nur noch eine Frage der Zeit zu sein, bevor sie ihr Debüt im Dress der Schweizer Nati geben würde. Steiner war in Topform und eilte mit Schlieren von Erfolg zu Erfolg. Doch just in diesem Moment schlug die Verletzungshexe zu.

Im Europacup-Spiel gegen Neusiedl/Zaya (Österreich) kugelte sich Steiner die Hüfte aus und gleich wieder ein. Vier Monate musste sie pausieren. Doch besser wurde es nicht. Einziger Ausweg war eine Operation und weitere sechs Monate Pause.

Niveau noch nicht ganz wieder erreicht

Heute kann Melissa Steiner wieder schmerzfrei spielen. Doch obwohl sie seit fast zwei Jahren daran arbeitet: Das Spielniveau vor ihrer Verletzungspause hat sie noch immer nicht ganz erreicht. Umso überraschter war sie, als sie ein Telefonat von Marcel Eicher, dem Co-Trainer der Schweizer Nati, erhielt. «Als ich hörte, wer am anderen Ende war, hoffte ich natürlich auf ein Aufgebot», sagt Steiner und als sie weiter erzählt, beginnen ihre Augen zu leuchten.

«Ich zögerte keine Sekunde und sagte sofort zu. Es wäre eine Wahnsinns-Ehre, für die Schweiz zu spielen. Ich dachte schon, der Zug sei nach der Verletzung abgefahren.»

Karriere eigentlich bereits beendet

Dass sie mit 25 Jahren den Sprung in die Nationalmannschaft schafft, ist nicht selbstverständlich. Die Abwehrspielerin, die im kleinen Dorf Bettwiesen in der Nähe von Wil SG aufgewachsen ist und ihre ersten Faustballerfahrungen im Nachbarort Affeltrangen gesammelt hat, hatte ihre Faustball-Karriere eigentlich schon vor Jahren beendet. Während ihrer Ausbildung zur medizinischen Praxisassistentin spielte sie beim NLA-Verein Ettenhausen. Doch das Klima im Team stimmte nicht mehr und Steiner legte ihr Karriere auf Eis. Eineinhalb Jahre stand sie nicht mehr auf dem Faustballfeld, sondern ausschliesslich als Turnerin in der Halle. Dem Turnsport war sie während ihrer Zeit als Faustballerin stets treu geblieben.

Praktikum in Zofingen, WG in Bern

Doch dann kam die Anfragaus Schlieren. Ihre ehemaligen Vereinskolleginnen Patricia Koruna und Monika Thalmann, die in der Zwischenzeit für Schlieren spielten, suchten eine Spielerin für eine Meisterschaftsrunde. Melissa Steiner sagte sofort zu. «Schlieren war früher immer mein Angstgegner gewesen. Sie waren so erfolgreich, dass sie für mich unerreichbar schienen.» Es blieb jedoch nicht bei diesem einen Einsatz für Schlieren. Die Limmattalerinnen wollten Steiner fix in ihren Reihen wissen und so wurde die Aushilfsspielerin innert kurzer Zeit zur Stammspielerin.

Mit dem Wechsel nach Schlieren lancierte Melissa Steiner nicht nur ihre Laufbahn als Faustballerin neu, sondern wagte auch einen beruflichen Neustart. Sie holte die Berufsmatura nach und nahm das Studium zur Physiotherapeutin in Angriff. Momentan absolviert sie ein dreimonatiges Praktikum im Spital Zofingen und wohnt während dieser Zeit in einer WG in Bern. «Es gefällt es mir gut in Bern und ich habe super WG-Gspänli, mit denen ich jede Woche joggen gehe», so Steiner, die auch regelmässig mit dem Bike unterwegs ist. Im Winter hält sie sich zudem mit Skifahren und Snowboarden fit.

Auftakt gegen Embrach und Diepoldsau

Mit dem FBS Schlieren trainiert sie derzeit lediglich einmal pro Woche. Im Januar soll ein zweites Faustball-Training folgen. Schliesslich will sich Melissa Steiner für einen Einsatz an der WM im nächsten Sommer empfehlen. Zuerst folgt aber die Hallenmeisterschaft mit Schlieren und auch dort haben Steiner und ihre Teamkolleginnen Grosses vor. «Zum ersten Mal seit 2011 sind wir alle fit. Entsprechend wollen wir um den Titel spielen.» Nach dem Verpassen der Finalrunde in den letzten beiden Saisons, soll heute mit Siegen gegen Embrach und Diepoldsau der Aufbruch in bessere Zeiten eingeläutet werden.