Fussball
Schlieren in der Favoritenrolle, Birmensdorf in Lauerstellung

Vor dem 3.-Liga-Rückrundenstart geben sich Schlieren und Birmensdorf zurückhaltend. Wieso eigentlich? Beide Teams haben zum Auftakt alle Voraussetzungen, um auch in der zweiten Saisonhälfte um die Spitzenplätze mitzuspielen.

Raphael Biermayr
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Im Vorrundenmatch zwischen Schlieren (in Gelb) und Birmensdorf gingen die Emotionen hoch.bier

Im Vorrundenmatch zwischen Schlieren (in Gelb) und Birmensdorf gingen die Emotionen hoch.bier

Schlieren: Co-Leader, 22 Punkte

Der FCS machte in der Vorbereitung da weiter, wo er aufgehört hatte: 62 Tore erzielte die Torfabrik der Gruppe 2. Trainer Beat Studer lehnt es dennoch ab, das Wort Aufstieg in den Mund zu nehmen. «Ich habe den Jungs gesagt, dass wir nicht davon sprechen, das können sich die anderen Teams ja auch herausnehmen. Nur so viel: Wer am Ende besser ist als Schlieren, dem gratuliere ich.» Neue Töne, die nicht zum breitbrüstigen Sprücheklopfer passen. Ein Vorgehen mit Kalkül, hält er fest: «Wir wollen etwas Neues ausprobieren.»

Nach dem gehässigen Vorrundenmatch gegen Birmensdorf (1:1) wirft das zweite Aufeinandtreffen vom 9. Juni bereits seine Schatten voraus. Eine erste Wegmarke dürfte aber das Aufeinandertreffen mit dem gleichauf liegenden Niederweningen am 28. April sein. Die Auftaktpartie in Thalwil am Sonntag (11 Uhr, Im Brand) darf indes kein Problem darstellen. Auf die Rückrunde hin hat der FCS abermals hochkarätigen Zuwachs im Kader präsentiert: Mit Adrian Kraft und Thomas Baumann kommen zwei Spieler von Erstligist Wettswil-Bonstetten, mit Francesco Azzarito ein 2.-Liga-erfahrener Innenverteidiger, und mit Lule Alimi ein filigraner Mitstreiter aus vergangenen Dietiker Tagen von Trainer Beat Studer. Azzarito könnte das Herzstück werden auf dem Weg zur lang angestrebten Promotion. Der 23-Jährige wurde von Studer umgehend zum Captain ernannt. «Es gab Reibereien, denn Frenchi ist einer, der den anderen sagt, wenn ihm etwas nicht passt», erklärt Studer grinsend.

Die Abwehr war das Sorgenkind des spektakulären FCS. Dank dem lautstarken Heisssporn Azzarito, aber auch der ordnenden Hand von Routinier Baumann im Zentrum dürfte sie Entlastung erfahren. Nicht mehr im Kader steht Sladjan Peric, der den Verein in unbekannte Richtung verlassen habe.

Studer nervt, dass «die anderen Vereine nicht glauben, dass wir keinen Franken zahlen». Die Schlieremer bestehen darauf, dass sie dank der einnehmenden Figur Studer und allerlei Annehmlichkeiten (Trikotwaschen, kostenloses Material, Beitragsbefreiung und Weiteres) die Vielzahl an überdurchschnittlichen Spielern verpflichten können. Studer dreht den Spiess um: «Die anderen, die aufsteigen wollen, zahlen – wir nicht.»

Birmensdorf: Platz 5, 19 Punkte

Der FCB hat bereits einen Ernstkampf hinter sich. Die Pflichtaufgabe im Nachtragsspiel gegen Abstiegskandidat Thalwil erfüllte er souverän, wenn auch glanzlos und mit übertriebenen Emotionen (den Matchbericht finden Sie online). Das erste Rückrundenmatch findet am Sonntag auf der Engstringer Brunewiis statt (10.15 Uhr). Dass die Limmattaler dank alter Kontakte von Trainer Fabio Stiz einen Teil der Vorbereitung auf dem GC-Campus absolvieren konnten, sorgte für ein Raunen in der Region. Es ging so weit, dass Schlierens Präsident Hebi Wetzel diese Tatsache in einem Interview explizit herausstrich, und damit auf die Gefährlichkeit der Birmensdorfer in der Rückrunde hinwies. Und es gibt auch Stimmen in der Region, die ihnen mehr zutrauen als dem grösseren Lokalrivalen.

«Ich fühle mich geehrt», sagt Stiz, «aber Schlieren und Niederweningen werden den Aufstieg unter sich ausmachen.» Das Ziel seines Teams sei es, «möglichst lange vorn mitzuspielen und es spannend zu halten. Vor allem wollen wir attraktiven Fussball zeigen mit verschiedenen taktischen Varianten». In der Rolle des Spielverderbers gefällt sich das Team schon länger. Wegen regelmässiger Nackenschläge gegen schwächer eingestufte Teams lag oft nicht mehr drin. Im Unterschied zum verstärkten Schlieren fehlt dem FCB im Kader die Tiefe. Ausfälle fallen folglich viel stärker ins Gewicht. Mit Simon Gebhardt, Stefan Greber und Simon Kaufmann fallen derzeit gleich drei erfahrene Spieler längere Zeit aus. Das Kader zuletzt war sehr dünn.

Die Transfers von Spielmacher Marko Filipovic – während der Vorrunde von Dietikon abgeworben –, Torwart Markus Würsten (er sass gegen Thalwil eine Gelbsperre ab) und Offensivspieler Marco Giardino (beide mit Erfahrung aus der 2. Liga interregional und höher) sind untrügliche Zeichen für den stark ausgeprägten Ehrgeiz von Stiz. Der von sich überzeugte Glatzkopf kann den neu strukturierten Verein mitreissen. Die Frage ist, ob der FCB der richtige Tummelplatz ist für seine Absichten. Letztlich ist es ein kleiner Verein, der zuerst die nötigen Voraussetzungen für Perspektiven schaffen muss. So konnte auch für die bevorstehende Rückrunde keine A-Juniorenmannschaft gemeldet werden.