Es wäre der K.-o.-Schlag gewesen in der Partie zwischen Schlieren und Derendingen Solothurn. Sieben Minuten vor dem Ende der regulären Spielzeit spielte die Solothurnerin Shania Siegenthaler in der eigenen Hälfte einen Rückpass – genau in den Lauf von Schlierens Sanja Mijovic. Mijovic konnte so alleine auf Torhüterin Martina Rytz zustürmen. Doch die Goalgetterin scheiterte an Rytz.

Erneut, muss man sagen. Denn Mijovic hatte in der zweiten Halbzeit ein halbes Dutzend solcher Gelegenheiten, bei denen sie nur noch die Torhüterin vor sich hatte, aber den Ball nicht im Tor unterbrachte. «Wir hätten das 4:0 und 5:0 machen müssen», sagte Schlierens Trainer Erhard Lüscher nach der Partie angesichts der vielen vergebenen Möglichkeiten.

Dass sich die mangelnde Chancenauswertung nicht rächte, hatte vor allem mit dem Einsatz der Schlieremerinnen zu tun. Von Beginn weg zeigten sie gegen die Solothurnerinnen, gegen die sie im Cup zu Hause noch mit 2:4 verloren hatten, viel Laufbereitschaft und Willen. Das wurde besonders bei Antje Notter deutlich, die keinen Ball verloren gab und offensiv immer wieder für Akzente sorgte. Die hängende Spitze, die erst in der Winterpause zum FC Schlieren gewechselt hatte, sorgte denn auch für die frühe Führung der Schlieremerinnen, als sie sich in der 10. Minute auf der rechten Seite durchdribbelte und dann mit einem flachen Schuss in die Ecke traf.

Die Gäste, immerhin auf Rang vier in der Tabelle, hatten weiterhin Mühe gegen die Limmattalerinnen, die ihre Gegnerinnen schon im Aufbauspiel störten. Dennoch wurden die Solothurnerinnen zusehends stärker. «Sie waren etwas besser und haben Druck gemacht», sagte Lüscher. Doch die Tore machten Lüschers Schlieremerinnen: In der 40. Minute sorgte Mijovic mit einem herrlichen Schuss in die hohe Ecke für das 2:0.

Und es hätte für die Gäste zu Beginn der zweiten Halbzeit noch schlimmer kommen können: Nach drei Minuten kam Andreia Daniela Do Couto, ein weiterer Neuzugang, zum Abschluss. Der Ball prallte an den Pfosten und von dort ins Aus – Glück für Derendingen. Kurz darauf hatte Mijovic zwei ihrer angesprochenen Chancen, dann versuchte sie es über rechts und brachte eine Flanke hoch in den Strafraum. Dort stand Céline Roth, ebenfalls neu im Team der Schlieremerinnen, goldrichtig und nahm den Ball direkt ab – 3:0 für Schlieren nach knapp einer Stunde.

Weiter gings im Privatduell Mijovic gegen Rytz, die Gäste hatten defensiv jetzt doch grosse Lücken. Dann, drei Minuten vor Schluss, ein Abschluss von Derendingen Solothurn. Annina Sommer traf nur die Latte, aber der Ball flog direkt vor die Füsse von Valeriana Sadriu, die zum 1:3 aus Sicht der Gäste traf. Der Anschlusstreffer kam jedoch zu spät. Die Schlieremerinnen liessen defensiv nichts mehr anbrennen. «Derendingen konnte nach dem Anschlusstor zu wenig reagieren, wir standen taktisch gut», sagte Lüscher. «Insgesamt war es ein Arbeitssieg. Aber wir haben gezeigt, dass wir das hohe Tempo in diesem Spiel mitgehen konnten.»

Auch Konkurrenz siegt

Ein Sieg, der für die Schlieremerinnen zum Auftakt der Rückrunde zwar wichtige Punkte eingebracht hat. Doch die Situation bleibt angespannt für die Limmattalerinnen. Nach wie vor stehen sie in der Nationalliga B auf Platz 8 und damit einen Rang über dem Strich. Und da das neuntplatzierte Küssnacht am Rigi gegen Aarau ebenfalls gewann, bleibt der Abstand zu den Abstiegsplätzen bei nur einem Zähler. «Wir werden am Samstag, wenn es gegen Aarau geht, schon wieder unter Druck sein», sagt Lüscher. «Wir sind noch lange nicht durch.»