Das Reppischtal-Schiessen erfreut sich zunehmender Beliebtheit und ist bereits am ersten Tag, trotz heftigen Regens, bestens besucht. Vier Schützen liegen mit ihren Waffen – Sturmgewehr 57, Karabiner, Standard- und Sturmgewehr 90 – nebeneinander und sind auf die 300 Meter entfernte weisse Scheibe fokussiert. Sie versuchen, die nach ihrer Waffenart festgelegte Mindestpunktzahl zu erreichen, um eine Kranzkarte oder einen Honig mit nach Hause zu nehmen. Nach dem Schiessen verschieben sich die Schützen in die Stube und geniessen den zweiten und ebenso wichtigen Teil des Reppischtal-Schiessens: das Zusammensein.

Nicht mehr wegzudenken

«Der Anlass ist aus dem Limmattal gar nicht mehr wegzudenken. Er ist in den letzten Jahren wieder interessant geworden», erklärt Rolf Neeracher, Präsident des Schiessvereins Dietikon. Bereits in den ersten Stunden besuchten über 100 Schützen die 300-Meter-Anlage, insgesamt rechnet man mit 1200 Aktiven. «Die Leute erkennen, dass nicht nur geballert wird, sondern dass Schiessen etwas Organisiertes ist», sagt Remo Lüscher, Präsident der Pistolenschützen Dietikon. Mit Jungschützenkursen oder verschiedenen Angeboten innerhalb des Schulsports kümmern sich Neeracher und Lüscher auch um den Nachwuchs.

Der erste 98-er-Schütze mit Karabiner

In der 300-Meter-Anlage befinden sich zurzeit nur erfahrene Schützen wie Paul Langenegger. Mit 82 Jahren ist er der Dienstälteste des Vereins und für die Schussblätter zuständig: «Ich bin seit 1964 dabei, das ist eine lange Zeit», sagt er und fügt hinzu: «und der Erste, der hier mit einem Karabiner eine 98 geschossen hat.» Weil er aber wegen eines Augenproblems den Haltepunkt beim Freischiessen nicht mehr richtig erfassen kann, übt er sich heutzutage mit einem Sturmgewehr 90 auf dem Platz: «Aber an die Waffe muss ich mich noch gewöhnen.»

«Sind halt angefressen»

Zielsicher geht es unten in der 25- und 50-Meter-Anlage zu und her. «Kranzschützen wie gewohnt», freuen sich Albert Müller und Domenico Tigani. Seit über zehn Jahren besuchen die beiden Pensionierten der Pistolenschützen Witerig Hettlingen-Seuzach das Reppischtal-Schiessen. «Sie sind halt angefressen», sagt Remo Lüscher lachend und klopft Müller auf die Schulter. Die Schützen kennen sich seit vielen Jahren von den Anlässen, «man versucht immer das Gegenrecht zu halten. Sie kommen zu uns und wir als Verein gehen zu ihnen. Das gehört sich so», erklärt der Präsident. Während die einen die Anlage bereits verlassen, schreiten andere erst zielgerichtet an den Stand. Ein Hin und Her von Schützen mit ihren Sportgeräten, aber stets unter höchster Einhaltung der Sicherheit. Die Waffenkontrolle am Eingang und in der Anlage ist Pflicht. «Es sind alles Schützenmeister, die wissen, worum es geht. Vorne an der Front gibt es kein Wenn und Aber», sagt Lüscher.

Erst am 1. Mai

Die Stube hingegen ist frei von jeglicher Kontrolle; es wird getrunken, gelacht und über vergangene Zeiten sinniert, die beiden Kranzmeister aus Hettlingen-Seuzach trinken ein Bier. Nebst dem obligaten Umtrunk gehört zum Reppischtal-Schiessen auch eine Suppe mit Spatz, «aber die gibt es erst am 1. Mai», präzisiert Schiessverein-Präsident Neeracher. Eine heisse Suppe hätte dem Zuschauer an diesem regnerischen ersten Tag bereits gutgetan – ein Grund mehr, am letzten Schiesstag in die Anlage zurückzukehren und den Spatz bei etwas besserem Wetter zu geniessen.