Leichtathletik
Schenkel kündigt «umfassende Veränderungen» an

Die Limmattaler Sprintelite schaut der Hallensaison mit unterschiedlichen Gefühlen entgegen. Während Indoor für Steven Gugerli und Rolf Malcolm Fongué einen hohen Stellenwert geniesst, fährt Amaru Schenkel seinen Extrazug.

Raphael Biermayr
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An den Schweizer Hallenmeisterschaften im vergangenen Frühjahr hat Amaru Schenkel (M.) vor Steven Gugerli (l.) gewonnen.athletix.ch

An den Schweizer Hallenmeisterschaften im vergangenen Frühjahr hat Amaru Schenkel (M.) vor Steven Gugerli (l.) gewonnen.athletix.ch

Er hat eine seltene Neigung, zu der er offen steht: Steven Gugerli mag die Hallensaison. Vielen gilt dieser Teil des Sportjahrs als Pflichtaufgabe, die Freiluftsaison ist zweifelsohne das Liebkind. Der Urdorfer hingegen verbindet mit der Einpferchung gute Erinnerungen: In 6,75 Sekunden über 60Meter lief er die drittschnellste Zeit der vergangenen Saison, die ihm Silber an den Schweizer Meisterschaften.

Sie rückte ihn in den Fokus, wo er auch im Sommer blieb: Mit der Staffel startete er an den Europameisterschaften über 4 mal 100 Meter, als Einzelstarter über die Paradedisziplin wurde er an den nationalen Meisterschaften ebenfalls Zweiter. «Sie ist ein wichtiger Bestandteil meiner Vorbereitung», sagt Gugerli über die Zeit in der Halle, «nach so langer Zeit ohne Wettkampf ist es wichtig für mich, mich mit anderen messen zu können.» Der 27-Jährige bestritt in der vergangenen Saison so viele Indoor-Läufe wie kein anderer. 16 Starts waren gleichbedeutend mit der Anzahl im folgenden Sommer.

Website zu Sponsorenzwecken

Wie schon im vergangenen Jahr hat er bislang beschwerdefrei trainieren können. Aus seinem Traum vom Vollprofi ist noch nichts geworden, er habe eine Teilzeitstelle in der Buchhaltung mit grosser Freiheit gefunden, was die Einteilung seiner Arbeitszeit anbelangt. Vorausblickend auf die Freiluft-EM 2014 hofft er auf mehr Aufmerksamkeit, um wenigstens eine zeitlang ganz auf den Sport setzen zu können. Gugerli hat eine Homepage aufgeschaltet, auf der ein Dossier zu finden ist, mit dem er bei potenziellen Sponsoren vorstellig wird. «Die lassen sich am besten durch Leistung überzeugen», weiss er. Die Qualifikation für die Europameisterschaften von Anfang März in Göteborg ist aus seiner Sicht ein realistisches Ziel – mehr noch: «Davon gehe ich aus.» Dafür ist eine Zeit von 6,70Sekunden nötig.

Diesen Wert schon einmal unterboten hat der Dietiker Rolf Malcolm Fongué (25), in der GG Bern Teamkollege von Gugerli. 2010 wars, als er sich damit für die Hallenweltmeisterschaften in Doha qualifizierte. Ein Rohrkrepierer: Fongué wurde nach einem von ihm provozierten Fehlstart im Vorlauf disqualifiziert. Seither ging es aufwärts, vor allem in der vergangenen Freiluftsaison, als er seine sechs Jahre alte Bestzeit verbesserte (10,25 Sekunden). Entsprechend hat der Personaltrainer in seinem Umfeld nichts geändert, «man soll nie ein funktionierendes Team auseinanderbringen», bemüht er eine Phrase aus dem Mannschaftssport. Auch er misst den Indoor-Wettkämpfen eine hohe Bedeutung bei, die Reise nach Schweden soll nicht ohne ihn stattfinden, im letzten Winter lief er in 6,72 die zweitschnellste Zeit der Saison.

Schenkel denkt weiter

Wenn Gugerli und Fongué am 12.Januar in Wettingen erstmals im neuen Jahr starten, ist Amaru Schenkel wenige Stunden aus den Ferien in Fernost zurück. Dem LC-Zürich-Athleten ist die Hallensaison lästig. Leistungsstark ist er trotzdem: Im vergangenen Frühjahr stellte er mit 6,65 Sekunden die unbestrittene Bestleistung auf und wurde in 6,73Sekunden vor Gugerli Schweizer Meister. Schenkels Augenmerk bei der Saisonplanung liegt bereits auf den Freiluft-Europameisterschaften 2014 im Letzigrund, dem grossen Ziel der meisten Schweizer Spitzenathleten. Eine allfällige Teilnahme an den Hallen-EM würde die Vorbereitung darauf beeinträchtigen. Mit diesem Schritt handelt er konsequent: Im vergangenen März verzichtete er wegen der Vorbereitung auf die Olympischen Spiele auf die Teilnahme an den Weltmeisterschaften in Istanbul.

Kürzlich ist er vom Trainingslager aus Florida zurückgekehrt, wo er mit dem renommierten Sprint- und Techniktrainer Loren Seagrave arbeitete. Schenkel kündigt «umfassende Veränderungen» auf die kommende Open-Air-Saison an, die seien noch nicht spruchreif. Der Standpunkt des 24-Jährigen generell zur Hallensaison: «Ich bin Hundertmeterläufer an sich ein Minimalist, aber sechzig sind definitiv zu kurz.» Dennoch: «Starts zu Trainingszwecken kann ich nicht ausschliessen.»