Eishockey

Schelling an der WM in Schweden: Probezeit in der neuen Heimat?

Goalie Florence Schelling wird mit erst 26 Jahren bereits ihr neuntes WM-Turnier bestreiten.keystone

Goalie Florence Schelling wird mit erst 26 Jahren bereits ihr neuntes WM-Turnier bestreiten.keystone

Florence Schelling steht mit dem Nationalteam vor dem ersten grossen Turnier seit Olympiabronze – die Weltmeisterschaft in Schweden steht vor der Tür. Rechtzeitig zu diesem Grossanlass hat Schelling auch ihre Motivation wieder gefunden.

Nein, es war nicht die Saison von Florence Schelling. Wegen einer Schulterverletzung und einer Knieverletzung war die Oberengstringerin in ihrem 1.-Liga-Team Bülach nicht konkurrenzfähig und kam in nur gerade sechs Matches zum Einsatz. Zu allem Überfluss schnitt sie sich im Training kürzlich auch noch einen Finger an der Schlittschuhkufe, die Wunde musste genäht werden. Auch ein Weltstar ist vor derlei Unfällen nicht gefeit. Den Ruf einer alles überragenden Torhüterin hat sich die 26-jährige Schelling über Jahre erarbeitet. Vor einem Jahr hat sie ihn endgültig untermauert, als sie an den Olympischen Spielen in Sotschi durch ihre Paraden der Schweiz den Weg zur Bronzemedaille ebnete und zur wertvollsten Spielerin des Turniers ausgezeichnet wurde.

Dass die Schweizerinnen dies mit nur zwei Siegen in sechs Matches erreichten, war vielen Sportinteressierten ein Grund, das Fraueneishockey zu belächeln. Allerdings sind die Kräfteverhältnisse derart unausgeglichen, dass ein spezieller Modus durchaus sinnvoll ist. Deshalb geht es für die Schweiz ein Jahr nach dem grössten Erfolg um den Kampf gegen den Abstieg. Wegen des Resultats an der letzten WM 2013 ist das Team in die untere Gruppe eingeteilt, was bedeutet: Zwei der vier Teams kommen nach der Vorrunde weiter, die anderen beiden spielen im Playout gegeneinander. Wer zweimal gewinnt, bleibt in der A-Gruppe, das andere Team steigt ab. «In dieser Gruppe kann jeder jeden schlagen», zeigt Florence Schelling auf.

Auf Angebote warten

Für sie könnte die WM eine Art Probezeit in ihrer neuen Heimat sein. Ihr liegen Angebote aus Schweden vor, der Gedanke, dort zu spielen, sei reizvoll, sagt sie. Im Fall eines Auslandtransfers könnte sie von der Ausstiegsklausel in ihrem noch ein Jahr laufenden Vertrag in Bülach Gebrauch machen. Vor diesem Hintergrund haben sich die Gerüchte zerschlagen, wonach Schelling nach Genf wechseln würde. Die Entscheidung über ihre Zukunft will sie aber erst nach der WM fällen. «Vielleicht kriege ich nach dem Turnier weitere Angebote», sagt sie.

Ihre Motivation stimmt wieder. Die Limmattalerin hat Anfang Jahr in einem Interview mit der der «SonntagsZeitung» kundgetan, dass sie nach dem Medaillengewinn in Russland in ein Loch gefallen ist. Die zurückliegenden, rückschlagsreichen Monate waren da keine Hilfe. Sie sagt: «Es war kein Problem der Motivation, sondern der Zielsetzung. Mit dem Erreichen der Olympiamedaille war mein Kindheitstraum erfüllt. Mittlerweile habe ich einen neuen Traum gefunden: Olympiasilber oder -gold!» Schelling weiss, dass eine solche Aussage ein fast mitleidiges Lächeln provoziert. Sie verweist dann auf Schweden, das 2006 sensationell die US-Amerikanerinnen im Halbfinal bezwang und Zweiter wurde.

Bei derart grossen Träumen mutet es schwierig an, sich dieses Jahr möglicherweise auf den Kampf und den Klassenverbleib einzustellen. Davon will Schelling nichts wissen. «Ich denke nur daran, jedes Spiel zu gewinnen.» Das würde bedeuten, dass sie mit der Schweiz wieder um eine Medaille spielen würde. Im Fraueneishockey liegen Himmel und Hölle nah beieinander.

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