Pferdesport
Sarah Leutwiler: «Wenn das Pferd nicht will, hast du keine Chance»

Seit mehr als einem Jahrzehnt trainiert Amateur-Rennreiterin Sarah Leutwiler im Rennstall Beliar in Urdorf. Rund 60 Rennpferde wollen ausgeführt werden, ein gutes Dutzend Reiter stehen dafür bereit.

Rainer Sommerhalder
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Aufwärmen der Pferde im Innenhof des Stalls Beliar in Urdorf: Mit Sarah Leutwiler (in der Mitte).

Aufwärmen der Pferde im Innenhof des Stalls Beliar in Urdorf: Mit Sarah Leutwiler (in der Mitte).

Picasa

Die Nachricht hatte Symbolcharakter. Topreiterin Sarah Leutwiler warnte für den Besuch im Stall Beliar im Schüracher in Urdorf – der grössten privaten Trainingsstätte für Rennpferde in der Schweiz – per Mail vor: «Die Hofhunde können bellen, aber sind eigentlich ganz lieb.» Dasselbe hätte die hübsche Juristin aus Urdorf auch von «Patron» und Trainer Miro Weiss sagen können.

Die Begrüssung passte zum Hudelwetter. Die Hunde knurrten und auch das Bellen des hierzulande seit Jahrzehnten erfolgreichsten Trainers für Rennpferde liess nicht lange auf sich warten. Ein aufgespannter, bunter Regenschirm des Journalisten brachte zwei sensible Rennpferde zum Bocken und den Chef zum Kochen. Das Eis war gebrochen.

Erst mit der Zeit gewöhnt sich der ahnungslose Besucher an das samstägliche Treiben auf dem Hof. Rund 60 Rennpferde wollen bewegt werden, ein gutes Dutzend Reiter setzt den «Masterplan» von Miro Weiss in die Tat um, etliche Pferdebesitzer möchten die Arbeit vor Ort verfolgen und dazwischen wuscheln kreuz und quer die Hunde umher, stets auf der Suche nach einem Debütanten.

Kaum jemand hat mehr Routine mit dieser Situation als Sarah Leutwiler. Seit 11 Jahren trainiert die Amateur-Rennreiterin Samstag für Samstag im Stall Beliar. Während ihres Jura-Studiums reiste sie jeweils für das Wochenende von Bern ins Limmattal. Seit fünf Jahren wohnt sie wegen des Rennsports in Urdorf. Um sechs Uhr morgens beginnt ihr Programm. Je eine Stunde lang kümmert sie sich um das zugewiesene Pferd, sattelt es, wärmt es auf dem Innenhof auf, reitet es im nahen Wald ein, fordert es auf der langen Galoppbahn der Bahnschiene entlang, bevor nach dem «Auslaufen» auch noch die Stallarbeit wartet. Fünf bis sechs Pferde werden pro Reiter zugeteilt, manchmal auch eines, das man noch nie geritten hat. So auch an diesem Samstag vor Ostern.

Miro Weiss macht die Zuteilung, Notizen braucht er dazu nicht. Offenbar hat der Patron all seine Pläne im Kopf. Auch Sarah Leutwiler staunt bisweilen, wie alles immer reibungslos klappt. Nicht erstaunt ist sie über den ersten Eindruck, den «ihr Chef» auf Aussenstehende macht. «Er ist ein spezieller Mensch. Man muss sich zuerst an ihn gewöhnen» sagt sie mit einem Lächeln und erinnert sich an den einen oder anderen Tadel an ihre Adresse. Geschadet habe es ihr auf jeden Fall nicht.

Vor allem aber vertraut sie ihm, auch wenn es selten Lob gibt. «Miro weiss ganz genau, welche Pferde zu mir passen. Er hat einen megagrossen Pferdeverstand.» Nicht nur Miro Weiss hat seine eigene Art, auch Rennpferde haben ihren Willen. «Wenn ein Pferd nicht galoppieren will, dann hast du keine Chance. Dann gewinnt man kein Rennen», sagt sie zur Frage über die nicht immer zimperliche Art von Jockeys im Umgang mit den Tieren. Es sei eben auch wichtig, die Pferde bei Laune zu halten. Sarah Leutwiler hat die Sprache der Pferde verstanden.