Fussball

Samir Kozarac fand dank eines «Psychopathen» zum FC Dietikon

Samir Kozarac (am Ball) ist bei den Dietikern der Chef auf dem Platz.

Samir Kozarac (am Ball) ist bei den Dietikern der Chef auf dem Platz.

Am Sonntag gegen Schöftland (16.15 Uhr, Burkertsmatt, Widen) streben die Limmattaler den 13. Vollerfolg im 17. Spiel der 2. Liga interregional an. Massgeblich beteiligt am Höhenflug der Dietiker ist der vormalige Profi Samir Kozarac.iert

Seit einem halben Jahr ist Samir Kozarac im FC Dietikon. «Ich habe es mir ehrlich gesagt schlimmer vorgestellt», sagt er über den Wechsel vom Profi- in den Amateurbereich. Seine Vorstellungen? «Ich dachte, es wäre unprofessioneller, dafür etwas lockerer.» Er spielt auf das «harte Training» von FCD-Spielertrainer Goran Ivelj an. Und er erwähnt die Vorteile der Zusammenarbeit mit GC. «Die U21-Spieler hängen sich rein, da kann sich keiner erlauben, zu pläuschlen.»

Die Seriosität sei auch die Bedingung gewesen, unter der der 31-Jährige dem Lockruf Iveljs nachgegeben habe. Dieser hatte als Gegenspieler Kozaracs in der Challenge League einen zweifelhaften Ruf: «Die Trainer warnten uns immer vor Goran, sie stellten ihn als einen Psychopathen auf dem Platz hin, einen Killer im Zweikampf», schildert Kozarac amüsiert. «Mir hat seine kompromisslose Einstellung immer gefallen. Ich erkannte meine Haltung darin wieder.»

Über die Challenge League nach Holland

Kozaracs Karriere erreichte früh ihren Höhepunkt. Nach einer erfolgreichen Saison mit Winterthur (2006 im Cup-Halbfinal) erhielt er einen Vertrag in St. Gallen, für das er sieben Mal in der Super League spielte, aber den Millionentransfer Gelabert vor die Nase gesetzt bekam. Der Defensivspieler wechselte danach in die Challenge League, bevor er 2008/09 in Hollands zweithöchster Liga für Fortuna Sittard kickte. Seine letzten beiden Stationen waren die deutschen Regionalligisten Wilhelmshaven sowie Elversberg, wo er vor einem Jahr als Captain im Zuge eines Sparkurses ausgemustert worden sei.

«Ich verdiente nicht schlecht», sagt Kozarac, der eine Schätzung von 100 000 Euro als Gehalt eines überdurchschnittlichen  Regionalligaspielers unverbindlich als «realistisch» einstuft. Nach seinem letzten Engagement kehrte das Ehepaar Kozarac in die Schweiz zurück. Frau Velina, die Tochter von Ex-NLA-Torschützenkönig Petar Aleksandrov, arbeitet im Modebereich, er bezieht zurzeit Arbeitslosenentschädigung. «Ich finde bald eine neue Herausforderung», ist der KV-Lehrabsolvent von einst überzeugt, «an Ideen mangelt es nicht.»

Tritt auf die Euphoriebremse

Fussballerisch hat er die Challenge im Bezirkshauptort gefunden. Der FCD steht als Tabellenführer der 2. Liga interregional da, Kozarac hat einen grossen Anteil daran. Im defensiven Mittelfeld sorgt der stets nahezu fehlerlos agierende Hüne für Ordnung und gibt den Takt vor - kurzum: Er ist der Boss. Zu seiner Rolle als manchmal bellender Wortführer sagt er: «Auf dem Platz macht nicht der Ton die Musik, es geht allein um den Inhalt.» Als Leader liebäugeln die Dietiker mit der 1. Liga. Kozarac wischt Träumereien gleichermassen entschieden vom Tisch wie den Begriff «Vorentscheidung». «Wenn wir stets das nächste Spiel gewinnen, steigen wir auf», lautete seine Devise.

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