Super League
Sami Hyypiä ist in der Liga nicht mehr sieglos

Der FC Zürich besiegt Lugano in einem wilden und unterhaltsamen Spiel 5:3. Sami Hyypiä hat endlich seinen ersten Liga-Sieg und der FC Zürich gibt die rote Laterne an den FC Vaduz ab.

etienne wuillemin
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FCZ-Präsident Ancillo Canepa kann Sami Hyypiä zum ersten Sieg gratulieren. freshfocus

FCZ-Präsident Ancillo Canepa kann Sami Hyypiä zum ersten Sieg gratulieren. freshfocus

Andy Mueller/freshfocus

Für einmal ist der Schlusspfiff Musik in den Ohren von Sami Hyypiä. Der erste Sieg für Hyypiä als FCZ-Trainer in der Meisterschaft ist Tatsache. Der erste im neunten Versuch. Endlich ist das Etikett «Sami sieglos» Geschichte.

Dreimal klatscht der Finne in die Hände, als dieses aufregende Spiel zu Ende ist. Dann dreht er sich um, wo Präsident Ancillo Canepa mit geballten Fäusten auf ihn zukommt. Es ist kein ausgelassener Jubel. Aber die Erleichterung ist in diesen Momenten nach dem Spiel in jedem Zürcher Gesicht zu sehen. Hyypiä sagt: «Dieser Sieg ist erst der Anfang.»

Verrücktes Spiel

5:3 steht es am Ende. «Verrückt», fällt Mario Gavranovic dazu ein. Und resümiert: «Ich weiss schon gar nicht mehr, wie häufig wir in der 93. Minute noch den Ausgleich kassiert haben. Endlich ist es einmal anders.» In den vergangenen Wochen schaffte es der FCZ häufig irgendwie, einen sicher geglaubten Sieg zu verspielen. Manchmal ertappt man sich auch gestern beim Gedanken, dass vielleicht doch noch ähnliches passieren könnte. Auch den Spielern auf dem Feld geht es nicht anders.

Gavranovic erzählt: «Wir führen 2:1, aber der Gegner schiesst plötzlich ein Wundertor. Wir führen 4:2 und bekommen wieder ein dummes Gegentor – da fragt man sich schon: ‹was ist jetzt wieder los?›.» Der Stürmer denkt in seiner Aufarbeitung auch an das Wohl des Trainers. «Für ihn wäre es wohl schöner, einmal 1:0 zu gewinnen. Vielleicht mit einem dreckigen Tor. Aber für die Zuschauer war es ein schönes Spiel.»

Später gibt Hyypiä ein wenig preis von seiner Gefühlswelt. «Es ist für einen Trainer nicht sehr angenehm, in einer ersten Halbzeit wie dieser an der Seitenlinie zu stehen», sagt er. Irgendwie gelingt es ihm nicht so richtig, sich über die fünf erzielten Tore zu freuen. Einem ehemaligen Weltklasse-Innenverteidiger schlagen drei Gegentore aufs Gemüt. Und als Hyypiä auf das Derby in der kommenden Woche vorausblickt, wirkt er, als sei ihm mit Blick auf die Verteidigungsarbeit seines Teams jetzt schon bange. Also warnt er: «Wir können nun nicht eine Woche einfach Urlaub machen. Sonst stehen wir gegen GC wieder mit leeren Händen da.»

Lugano bietet attraktiven Fussball

Dass an diesem kühlen Nachmittag acht Tore fallen, hat viel mit dem FC Lugano zu tun. Der Aufsteiger und sein Trainer Zdenek Zeman verschreiben sich ganz dem Offensivfussball. Die Folge davon ist, dass kaum ein Spiel mit Beteiligung der Tessiner langweilig ist. Aber es besteht stets das Risiko des Totalabsturzes. Immerhin verliert Zeman darob den Humor nicht. In Anbetracht, dass sein Team schon einmal in dieser Saison im Letzigrund böse unterging (1:6 gegen GC), sagt er: «Vielleicht liegt es ja einfach an der Luft oder am Stadion.»

Am Beginn des Untergangs der Luganesi steht deren Torhüter Valentini. Er spielt nach einem Ausflug dem neuen FCZ-Captain Yapi den Ball direkt in die Füsse. Dieser trifft fast von der Mittellinie direkt ins Tor.

Dieses 1:0 ist der Auftakt zu einem wilden Spektakel. Zweimal gleicht Lugano aus, wobei vor allem Urbanos Distanzschuss eine Augenweide ist. Auch nach dem 4:2 des FCZ ist die Partie nicht entschieden. Vor allem, weil die Zürcher generös darauf verzichten, entschlossener zu verteidigen. Erst auf Gavranovics 5:3 nach 68 Minuten findet Lugano keine Antwort mehr.

Nach Wochen des Haderns gewinnt der FCZ immerhin wieder einmal ein Heimspiel. Auch das eine Premiere in dieser Saison. Die vielleicht erfreulichste Tatsache für Hyypiä aber ist, dass sein FCZ die Bürde des Tabellenletzten vorerst an Vaduz abgeben kann. Das könnte befreiend wirken – auch wenn es weiterhin viel zu verbessern gibt.