Es war, als wäre er nie weg gewesen. Roger Balmer war 2005 Captain des Teams von Oetwil-Geroldswil, das erstmals in der Vereinsgeschichte in die 3.Liga aufstieg. Gestern nun stand der Unterengstringer in seinem ersten Pflichtspiel an der Seitenlinie «seines» Herzensvereins. Nach dem Schlusspfiff herzte er seine Spieler, von denen einige vor sieben Jahren noch mit ihm auf dem Platz gestanden waren. Mit 5:1 schickten die Limmattaler den 2.-Liga-Absteiger Zürich-Affoltern nach Hause.

«Ich bin einfach happy», sagte Balmer nach dem Match, «die Jungs haben über weite Strecken das gezeigt, was ich von ihnen erwartet habe.» Vollumfänglich zufrieden sein konnte er gleichwohl nicht – Gegenteiliges wäre nach dem ersten Pflichtspiel der Saison auch verwunderlich gewesen. «Wir haben viel zu viele Bälle hergegeben, die Passgenauigkeit war wirklich mangelhaft», monierte der 41-Jährige.

Die 93 Minuten mit einem Fokus auf den neuen Trainer offenbarten Erstaunliches: Balmer lebt noch aktiver mit und meldet sich noch häufiger zu Wort als sein Vorgänger Andrea Roselli. Im Gegensatz zu diesem gönnte sich der Neue hingegen einmal Platz auf der Bank – genau 27 Sekunden lang, ehe er aufsprang und Korrekturen im Stellungsspiel anbrachte. Ein markanter Unterschied ist zudem, dass Balmer stets bemüht ist, seine Anweisungen mit einem konstruktiven Ansatz zu übermitteln. So biss er sich schon mal auf die Zunge, ehe ein Fluchwort ganz ausgesprochen war.

Überragender Daniel Marquart

Sein Hauptaugenmerk bei der Spielweise liegt auf dem Pressing – da drückt der ehemalige Fighter auf dem Platz durch. «Die Jungs sollen kämpfen, kämpfen und nochmals kämpfen – um jeden Ball», wie er sagt. Was die Aufstellung anbelangt, bewies er ein gutes Händchen, indem er Daniel Marquart von der Aussenbahn ins Zentrum beorderte. Der neue Captain des Teams (siehe Box) war gegen die Stadtzürcher Dreh- und Angelpunkt des Geroldswiler Spiels und krönte seine Leistung mit dem Treffer zum 4:1 (72). «Note sechs», sagte Roger Balmer anerkennend.

Für die weiteren Treffer waren Sandro Lutz (45. und 81.), Claudio Lauper (49.) und Stefan Steuble (50.) besorgt. Dieser Doppelschlag nach der Pause war es, der die Partie vorentschied und das deutliche Resultat einleitete. Nach dem Platzverweis schliesslich (69.), resignierten die Affolterner. Vor der Pause waren die Gäste das gefährlichere Team undgingen nach rund einer Viertelstunde in Führung. An der Seitenlinie steht seit kurzem ein alter Bekannter: Reto Bolli, der in der vergangenen Spielzeit noch Abwehrspieler in Dietikon war. Er sah das Ende der Partie von ausserhalb der Umzäunung, weil er nach wiederholter Kritik am Schiedsrichter von diesem von der Bank verwiesen worden war. Nach dem Eintreffen seiner Bewilligung wird Bolli den Stadtzürchern als Spieler zu neuer Stabilität zu verhelfen versuchen. «Heute fehlten viele Spieler, das war noch nicht meine richtige Mannschaft», sagte Bolli.

Auch dem FCOG fehlten zahlreiche Akteure. Vielversprechende Aussichten für Roger Balmer, der mit seinem Team am kommenden Sonntag zum 3.-Liga-Auftakt auf seinen Ex-Verein Albisrieden trifft.