Noch eine Woche, dann lädt Meiringen im Haslital die weltbesten Boulderer zum Kräftemessen. Das Dorf im Berner Oberland organisiert dann erstmals einen Weltcup. Dieser bildet gleichzeitig den Auftakt in die Saison. Nicht dabei sein wird Rebekka Stotz. Die Urdorferin hat sich gegen eine Teilnahme am Heimweltcup entschieden, und das, obwohl sie als Mitfavoritin auf den Sieg gilt. «Ich bin nicht so oft zum Trainieren gekommen», erklärt die 23-Jährige. «Daher werde ich nicht starten.»

Der Grund für den Trainingsrückstand: Stotz absolviert derzeit ein Praktikum, das sie zeitlich stark beansprucht. «Es ist ein 100-Prozent-Pensum», sagt sie. «Daher werde ich beim Klettern etwas kürzer treten und international eine Pause einlegen.»

Die Pause gilt allerdings nicht für die nationalen Wettkämpfe. Vor zwei Wochen hat Stotz an den Schweizermeisterschaften in Pratteln teilgenommen. Bei den Elite-Boulderern ist sie Zweite geworden – hinter Petra Klingler. «Ich bin sehr zufrieden», sagt sie rückblickend. «Man muss bedenken, dass das Teilnehmerfeld ziemlich stark war.» Zudem habe sie erst eine
Woche zuvor zu trainieren begonnen.

Die Kondition wurde knapp

Der Trainingsrückstand habe allerdings Auswirkungen auf den Körper. «Man steckt die Trainings nicht mehr so gut weg wie vorher», erklärt Stotz. «Und auch bei einem Wettkampf merkt man das.» Da reichten die Kondition und die Kraft noch für
eine Route, viel mehr läge aber nicht drin.

Dafür fühlte sich Stotz an der Schweizer Meisterschaft mental befreit. «Man kann das Ganze lockerer nehmen», erklärt sie. «Ich war auch überhaupt nicht nervös, ich habe einfach versucht, mein Bestes zu geben. Ich bin daher happy mit dem zweiten Platz, und ich freue mich auch, dass so viele Junge nachkommen.»

Wer Stotz zuhört, könnte meinen, sie habe nicht mehr den Ehrgeiz einer Spitzensportlerin, die um jeden Preis gewinnen will. Doch Stotz ist sich bewusst, dass es auch mal Rückschläge geben kann. Im vergangenen Jahr wurde sie von einer Verletzung zurückgeworfen. Diese und der Stress in der Schule, aufgrund dessen Stotz nicht mehr fünfmal pro Woche trainieren konnte, bewegten sie damals zu der Aussage, dass sie nicht wisse, wie lange sie noch auf diesem Niveau konkurrenzieren könne. Ein Satz, der damals als leiser Abschied aus dem Spitzenklettersport interpretiert werden konnte – wie jetzt die gewollte Pause von den internationalen Wettkämpfen. Doch die Urdorferin widerspricht. «Ich bin ja immer noch dabei», sagt sie und lacht. «Und ich habe schon damals gesagt, dass ich so lange dabei bleibe, wie mir das Klettern Spass macht.»

Und diesen Spass verspürt sie nach wie vor. «Das Klettern ist einfach cool», schwärmt die Urdorferin, die klettert, seit sie zwölf Jahre alt ist. «Es ist so vielfältig. Man benötigt den ganzen Körper dazu, aber auch den Kopf, um nachzuvollziehen, was sich der Routenbauer überlegt hat.» Daher will sie keinesfalls aufs Klettern verzichten. «Ich will an den Wochenenden klettern, und ich will auch im Klettersport dranbleiben», stellt sie klar. «Nur nehme ich nicht mehr an jedem Wettkampf teil.» Denn sie möchte sich später auf ihren Beruf als Physiotherapeutin konzentrieren. Daher wählt sie sich die Wettkämpfe aus, an denen sie startet.

Einer der internationalen Wettkämpfe, an dem Stotz teilnehmen möchte, ist der Weltcup in München. Dieser findet in drei Monaten statt. Zudem hat sie noch ein Fernziel: Sie würde sich gerne für die Weltmeisterschaft in diesem Jahr qualifizieren, die im September in Paris stattfindet.

Und dann sind da noch die nationalen Wettkämpfe. An diesen möchte Stotz weiterhin ihr Können beweisen. «Das sind nicht so viele», erklärt sie. Auch bei den Zürcher Meisterschaften wird sie wohl dabei sein, wie sie sagt.

Stotz vielleicht als Zuschauerin?

Womöglich wird auch der Weltcup in Meiringen nicht ohne Stotz über die Bühne gehen. Die Urdorferin hat vor, für einen Tag ins Haslital zu fahren, um zuzuschauen. Und bei den internationalen Wettkämpfen, die nach Meiringen folgen, lässt sich die Urdorferin eine Tür offen. «Ich werde klettern, wenn ich mich bereit dazu fühle», sagt sie. «Aber erst will ich noch an ein paar Wochenenden klettern gehen.»